Freitag, 28. November 2014

Eine weitere spannende Woche in Mexiko o Otra semana emocionante en Mexico

Guten Tag, Buenas tardes und Herzlich Willkommen zu meinem nächsten Blogeintrag :)

ich freue mich wie immer, dass ihr wieder den Weg zu meinem Blog gefunden habt.  Ich denke mittlerweile habt ihr euch ja schon daran gewöhnt einmal in der Woche von mir "belästigt" zu werden ;-) Auch die vergangene Woche habe ich wieder von unterschiedlichen Leuten sehr sehr nette Nachrichten bzgl. meines Blogs hier bekommen. Diese Nachrichten sind natürlich immer kleine Highlights über die ich mich besonders freue. Für einige gehören meine wöchentliche Blogposts mittlerweile fest zur Woche dazu, genauso wie das Fußballspiel am Sonntag. Das ist für mich das größte Kompliment und ich hoffe ich kann euch mit meinen Posts weiterhin Freude bereiten.

Diese Woche möchte ich euch, wie es der Titel schon verrät, von einer weiteren spannenden Woche hier in Mexiko berichten und wie immer gibt es so einiges zu erzählen, auch wenn sich mittlerweile ein gewisser Alltag eingestellt hat. Beginnen möchte ich dabei wie eigentlich immer am Anfang der Woche. Und der Anfang der Woche ist.....richdiiiiisch, Montag ;-)

Nach unserem anstregenden Wochenendausflug nach Leon zum Festival Internacional del Globo Mundo schlief ich Montagnacht natürlich wie ein Baby. Glücklicherweise war an diesem Montag ein Feiertag in Mexiko, denn es war der Tag der mexikanischen Revolution. So musste ich nicht wie sonst üblich, meinen Unterricht vorbereiten und Unterricht im Emax geben, sondern konnte ganz ohne schlechtes Gewissen 1-2 Stunden länger schlafen, was auch dringend nötig war. 
Dieser Montag war der 17.11.2014 und nicht nur für alle Mexikaner ein besonderer Tag, sondern auch für mich. Warum? Nun ja, ich hatte mir bei meiner Ankunft in Mexiko das Ziel gesetzt nach rund 1,5 Monaten nur noch Spanisch zu sprechen. Und heute waren genau 1,5 Monate vergangen seit meiner Ankunft hier. Der Tag um von Englisch auf Spanisch zu wechseln war also gekommen. Andaleee! Ich hatte bisher versucht mit meinem beinahe alltäglichen Spanisch-Unterricht konzentriert auf dieses Ziel hinzuarbeiten und auch wenn ich noch kein perfektes Spanisch spreche, reicht es doch schon für eine fortgeschrittene Unterhaltung aus. Wichtig, um mein Spanisch nun zu verbessern, ist das tägliche Sprechen der Sprache. Ich denke ihr wisst, nur wenn man eine Sprache regelmäßig spricht, hört und schreibt, wird man irgendwann die Sprache lernen. Hören und schreiben tue ich Spanisch eigentlich jeden Tag, aber sprechen....naja, mal so mal so. Hauptsächlich spreche ich tagsüber mit meinen Studenten und meiner Familie, allen voran mit Diego. Und da ich mit ihm am meisten spreche war es nun Zeit vom Englischen ins Spanische zu wechseln. Diego sollte mein Sprachpartner, mein Language Buddy bzw. mi amigo idioma werden. Damit Diego sich über seine Aufgabe bewusst wurde und wir beide eine gemeinsame Richtlinie haben, schrieb ich an diesem Montagmorgen eine Art "Stellenbeschreibung" die ich an unsere Wand klebte, sodass wir jeden Tag daran erinnert werden anstatt Englisch nun Spanisch zu sprechen. Unsere Abmachung enthält nun folgende Punkt (siehe Bild unten)
1. Spreche mit mir in Spanisch wenn immer es möglich ist, außer
- wenn wir besoffen sind
- wenn wir mit den anderen Trainees reden
- wenn es sehr komplexes Thema ist
- wenn wir über Frauen und Frauengeschichten reden
2. Spreche langsam, deutlich und mit Wörter/Vokabeln die ich verstehen kann-->super einfaches Spanisch
3. Erkläre mir neue Wörter und Ausdrücke in Englisch
4. Korrigiere mich, helfe mir und unterstütze mich
5. Erinnere mich daran Spanisch zu sprechen sobald ich es nicht tue
6. Gib mir regelmäßiges Feedback, was ich noch verbessern muss

Deine Bezahlung: Ganz viel Spaß und ein Städtetrip deiner Wahl

Unsere Abmachung
Diese Abmachung haben wir nun seit über einer Woche und wir haben noch Probleme uns immer daran zu halten :D Es ist schon nicht leicht einfach so zu wechseln, wenn man vorher immer in Englisch geredet hat. Immer wieder erwischen wir uns dabei Englisch zu reden anstatt wie abgemacht Spanisch. Aber wir haben nun eine Art kleines Ritual, um immer wieder ins Spanische zurückzukommen. Und zwar wenn einer von uns in Englisch spricht sagen wir: "Que? No entiendo nada!" was so viel heißt wie: "Was? Ich verstehe gar nichts!". Solang der einer von uns in Englisch spricht, kommt immer "Que?" vom anderen, bis wir letztlich in Spanisch sprechen.  Und so solls ja auch sein.

An diesem Montag war neben dieser Abmachung noch etwas weiteres außergewöhnlich. Und nutzten meine Gasteltern die freien Tage, um eine Trip in die Hauptstadt in die "ciudad de México" zu machen. Es war also das erste Mal, dass meine Eltern für eine längere Zeit nicht Zuhause waren. Ich hatte davon bisher ja nicht viel mitbekommen, da ich ja auch verreist war übers Wochenende, aber am Montag dann erlebte ich was es für Diego und seine Schwestern bedeutet, wenn die Mama nicht im Haus ist, nämlich vorallem zwei Dinge: Hunger und Chaos. 
Als ich am Montagmorgen aufstand und in die Küche ging, erinnerte mich das ganz stark daran wie Frederic und ich immer die Küche hinterlassen, wenn unsere Eltern nicht im Haus sind. Es sah wirklich genau gleich aus. Die ganze Spühle war voll mit Geschirr, überall standen offene Sachen rum, nichts war aufgeräumt, der Boden klebte und im Kühlschrank herrschte gääääääähnende Leere. Außer Milch und Käse gab es wirklich nichts mehr essbares im Kühlschrank :D  Als ich meine Schwestern fragte was sie denn gefrühstückt haben, antworteten die mir "Nichts". Oh man, wie hilflos man doch ohne seine Mutter ist :D Als Diego dann runter in die Küche kam und nach 2-minütigem Blick in den Kühlschrank (in Spanisch ein verdammt schweres Wort namens "Refrigerador") auch nichts essbares fand, stand das undenkbare an: Wir mussten tatsächlich einkaufen gehen und uns unser eigenes Essen zubereiten. Der D-Day war gekommen :D Also machten Diego und ich uns fertig und fuhren anschließend in den nächsten Supermarkt, um den Kühlschrank und unsere Mägen ein bisschen zu füttern. Die Supermärkter hier sind wirklich riiiießig. Ich würde mal sagen doppelt so groß wie ein normaler Edeka in Deutschland und auch größer als ein Real oder Walmart. Hier kann man neben normalen Lebensmitteln von der Waschmaschine, über den Fernseher bis hin zur Hauswandfarbe alles mögliche kaufen. Wir beschränkten uns aber auf das Wesentliche und kauften nur etwas fürs Frühstück und das Mittagessen ein und machten uns wieder auf den Weg nach Hause. Zum Frühstück gab es dann um halb 1 mittags Rührei und jeweils eine Torta für jeden. Eine Torta ist eine Art mexikanisches Sandwich bzw. Belegtes und ultra lecker. Sobald ich wieder in Deutschland bin, werde ich diese Tortas auf jeden Fall auch in Deutschland machen, das steht fest. Tortas kann man hier in Mexiko, wie fast alles, in den kleinen Essenständen an der Straße oder in den kleinen Lebensmittelläden kaufen oder eben selbst zubereiten, denn eigentlich kann jeder eine Torta zubereiten. Die Torta ist eine Art Weißbrot (etwas süßer als unser Weißbrot) mit Mayo und Senf als Grundlage und belegt mit Schinken, Käse, Tomaten, Zwiebeln, Avocados (die sind hier auch super lecker..mhm) und natürlich Chilies sowie eine Prise Salz, wie sollte es anders sein. Anschließend wir die Torta oben und unten mit Butter bestrichen und kurz angebraten. Und daaaaann, ja dann heißt es: Buen provecho oder Guten Apetitt! :) 
Tortas sind so das einzige was Diego in der Küchen auf die Reihe bekommt ohne seine Mutter, aber dafür kann er das ziemlich gut. Da vier alle vier, das heißt Karina, Valeria, Diego und ich ziemlich hungrig waren aß jeder von uns eine große Torta. Diego aß gar eine Monster-Torta schauts euch einfach an :D Ja er aß das ganze Ding ALLEINE! Kein Witz :D Pinche gordon (Verdammt fett!)
Zubereitung der Torta unter den stregen Augen von Valeria
Diegos Monster-Torta
Nach diesem leckeren Frühstück stand dann Self-Teaching auf dem Programm, d.h. eine Stunde Spanisch lernen und eine Stunde lesen. Lesen ist für mich immer eine gute Möglichkeit drei Sachen zu kombinieren: Konzentration, Lernen und Entspannung. Vor allem Konzentration ist ein wichtiger Punkt, denn oftmals wenn ich lese schweifen meine Gedanken ab und von dem was ich lese bleibt nichts in Erinnerung. Deshalb versuche ich regelmäßig eine Stunde konzentriert zu lesen, ohne das meine Gedanken abschweifen, um so meine Konzentration zu trainieren und endlich weniger vergesslich zu werden. Seit ich hier bin habe ich, bis auf wenige Außnahmen, noch nichts vergessen oder verloren. Das grenzt beinahe schon an ein kleines Wunder, wenn man bedenkt, dass ich schon geschafft habe ohne Ranzen in die Schule zu gehen ("Frederic, hast du meinen Ranzen gesehen?"), oder regelmäßig die Nummer von Oma&Opa vergesse( "Was war nochmal die Nummer, Frederic?") oder eigentlich jeden Tag meinen Geldbeutel suche (Mama: "Jeden Dach es sälwe Gschpräch, das esch doch nid normal. Kann dann ä Mensch so vergesslich säi. Lech doch dein Geldbeitel do hi, wodne ach widder finsch de negschde Dach. Das gäbts doch nid!"). Aber siehe da, seit ich hier bin habe ich erst einmal verzweifelf meinen Geldbeutel gesucht und erst eine Sonnenbrille verloren. Starke Bilanz würd ich sagen, haha :D

Am Nachmittag fragte mich Diego dann, ob ich Bock hätte mit zu den "Hot springs" hier in der Therme von AGS gehen wollte. Da ich immer offen für neue Sachen bin, sagte ich natürlich zu. Gemeinsam mit zwei Freundinnen von Diego, Sometimes-Candy und Alexa, fuhren wir also zur Therme. Ich hatte richtig Bock auf Therme, mit Sauna, Dampfbad, Liegestuhl usw. Aber denkste, Pustekuche. Das Ding war keine Therme, das waren im wahrsten Sinne des Wortes einfach nur "Hot springs" also heiße Bäder. Erwartung und Realität = fail! In der "Therme" gab es ca. 15 Räume mit großen Bädern, die man für eine bestimmte Zeit mieten konnte. So mieteten wir uns einen dieser Räume für 2 Stunden und ja...anstatt Sauna, badeten wir einfach mal 2 (!) Stunden. Die Mädels, ganz männlich, hatten in ihrem Gepäck neben ihren Bikinis auch ein paar Biere dabei. Zwar hatte ich eigentlich keine Lust auf ein Bier nach dem Wochenende in Leon, aber gegen ein kühles Radler (ja tatsächlich hier gibt es Radler) kann man ja nix wirklich einwenden. Und so verbrachten wir zwei Stunden in dem warmen Wasser, tranken en kühles Bier und quatschen ein bisschen. Einziger Schwachpunkt an der Veranstaltung: Die zwei Frauen waren nix, leider! Ach, das hätte so schön werden können, zwei Jungs und zwei Mädels alleine für zwei Stunden in einem Wasserbecken....aber man kann hald nid alles haaa ;-)


Lecker Bierchen
Wieder zuhause angekommen hatten Diego und ich natürlich richtig Hunger und wir freuten uns aufs Abendessen. Doch da niemand, wie sonst immer, für uns gekocht hatte, mussten wir erstmal kochen. Alter, das Leben kann echt ungerecht sein ;-) Naja, wir hatten ja vormittags schon alle Zutaten gekauft, sodass zumindest das schon mal wegfiel. Kochen wollten wir etwas ganz einfaches und zwar Steaks, mit Pommes und Gemüse. Da kann man ja nix falsch machen....haha!
Wieder einmal zeigte sich, dass die Diego wirklich mit Kochen nix, aber auch gar nix am Hut hat. Außer Tortas kann er in der Küche eigentlich nichts machen außer essen :D Ich will ja nicht behaupten ich sei der Meisterkoch schlechthin, aber im Vergleich zu Diego doch :D
Hier in Mexiko ist es üblich, dass die Mütter immer für die gesamte Familie kochen. Morgens, mittags und abends. Der Ehemann und die Kinder haben so also mit Kochen gar nix am Hut. Falls die Mama mal nicht kochen kann, wird hier eben einfach in einem der unzähligen Restaurants oder Essenstände gegessen. Aber kochen? Nein niemals,niemals,niemals! :D Ich habe hier wirklich schon einige Mexikanerinnen kennengelernt, die sich nicht mal alleine ihr Frühstück machen können. Und diese Frauen sind nicht 8-9 Jahre alt, sonder zwischen 20-26 Jahre. Eine Freundin hat mir sogar erzählt, dass sie einmal Frühstück für sich und ihren Vater machen musste, als ihre Mutter im Krankenhaus lag und dass dies einer der schlimmsten Tage ihres Lebens war. Sie war so überfordert, dass sie angefangen hat zu weinen...kaum zu glauben, aber tatsächlich wahr. Ich kann darüber wirklich nur lachen :D Ich meine jeder Ochs kann sich zumindest ein Rührerei oder sonstiges machen! :D Ich denke ernsthaft, wenn Diego von heute auf Morgen alleine leben müsste ohne seine Mama, er würde verhungern :D Um euch klar zu machen was ich damit meine, will ich euch von unserem Koch-Abenteuer an diesem Abend erzählen:
Ich bat Diego ein bisschen Wasser mit Gemüsebrühe aufzustetzen für das Tiefkühl-Gemüse und schonmal den Ofen vorzuheizen, während ich schnell eine Dusche nahm. Als ich nach knapp 10 Minuten runter in die Küche kam, hatte Diego folgendes getan: Er hatte über einen Liter Wasser warm gemacht und in der Pfanne Öl heiß gemacht für die Pommes....Ohne Worte, ich konnte nur noch lachen! Als ich ihm sagte, dass wir die Pommes im Ofen machen, riet er mir vehement davon ab:" Nein, wir können die Pommes nicht im Ofen machen! Du bringst uns um. Ich hab den Ofen noch nie benutzt. Ich kann dir auch nicht sagen wie er angeht. Ich bin sicher die Pommes müssen wir in der Pfanne machen!" Als ich ihm in einem 5-minütigem Referat erzählte, dass es kein Problem sei Pommes im Backofen zu machen, stimmte er mir zu und wir heizten den Backofen endlich vor. Als ich ihn fragte ob er etwas Gemüsebrühe für die Zubereitung des Gemüses hat, antwortete Diego nur: "Meinst du ich weiß, ob und wo wir Kräuter oder Gewürze haben? Ich komme in die Küche zum Essen, nicht zum Kochen!" Ach einfach herrlich, nicht wahr? :D
Naja, um es kurz zu machen nach knapp einer Stunde kochen hatten wir dann zusammen wirklich ein außergewöhnliches Menü gezaubert, haha. Zwar waren die Pommes nicht ganz durch, das Gemüse verkocht, und das Fleisch angebrannt aber hopp, aller Anfang ist schwer und wenigstens hatten wir es probiert :D
Gemeinsam mit Diegos Schwester genossen wir uns selbstgekochtes Menü. Leider aßen Diegos Schwester gar kein Gemüse. Sie mögen das nicht. Hier in Mexiko ist es nicht üblich regelmäßig Gemüse oder Salat zu essen. Wenn ich es mir so recht überlege, habe ich eigentlich noch nie Salat oder Gemüse zu einem Essen hier gehabt. Stattdessen gibt es Chilli, Salz und Tortillas. Das ist eben die mexikanische Küche. Für alle Vegatarier unter euch: Ich kann euch eigentlich nur abraten nach Mexiko zu kommen, wenn ihr nur wegen dem Essen kommen wollt. Warum? Weil hier jedes Essen Fleisch hat, sogar Suppe. Ich hab mir einmal hier einen Salat bestellt und als der Salat kam und ich genüsslich aß, schauten mich alle verwirrt an und fragten mich ganz entsetzt wo denn das Fleisch ist. Ohne Fleisch, ohne Mexiko. Das ist hier die Parole :D

Lecker Pommes


Das perfekte Dinner....haha
Am Dienstagmorgen stand dann um 9 Uhr wieder Pilatis auf dem Programm. Mir macht Pilatis und Yoga mittlerweile richtig Spaß. Es ist ein guter Ausgleich zu all den anderen Sachen die ich hier tue und die Ruhe die man beim Yoga beispielsweise hat ist wirklich erfrischend. Man kann einfach mal abschalten und seine Gedanken ruhen lassen. Nach einer Stunde Yoga ist man zwar körperlich nicht erschöpft wie bei einem normalen Sport, aber man hat Energie getankt, um danach alle anstehenden Aufgaben anzugehen. Auch wenn es mir manchmal schwer fällt mich zu konzentrieren und auf meinen Atem zu hören, ist es doch eine Herausforderung und ein Lernprozess den ich gerne annehme. Also auch wenn es vielleicht ein bisschen Homo ist, probiert Yoga oder Pilatis einfach mal aus. Vielleicht sagt es euch ja auch zu :)

Unser kleiner Yoga/Pilatis-Tempel
Nach dem Pilatis lief ich dann gemeinsam mit Linda direkt zum Emax. Dort trafen sich alle Trainees sowie Lorenia, um über das MLB-Projekt zu sprechen. Ich hatte gemeinsam mit Lorenia die Idee für eine Feedback-Runde um das Projekt zu verbessern. Ich denke ehrliches Feedback, sei es im Beruf oder im Privatleben ist das Beste was man bekommen kann. Ich denke Feedback ist die Grundlage, um sich zu verbessern, zu verändern und zu wachsen. Ich habe Feedback während meiner Zeit bei Tenneco vermisst und vermisse es auch oft im Privatleben. Viele Leute bevorzugen es einfach nichts zu sagen oder es hinter dem Rücken zu sagen, anstatt den Leuten direkt und ehrlich ins Gesicht zu sagen was man denkt und was man fühlt. Ich würde mir wünschen, dass die Leute die mir Nahe stehen mir regelmäßig Feedback geben zu meiner Person. Nur wenn ich weiß wo meine Stärken und wo meine Schwächen liegen, kann ich gezielt daran arbeiten meine Stärken auszubauen und meine Schwächen zu minimieren, um so zu wachsen. Also, wenn ihr mir schon immer mal sagen wolltet was ihr an mir liebt oder was ihr an mir hasst, dann schreibt mir eine Nachricht. Ich bin jederzeit offen dafür! :)

Da ich Feedback also so grundlegend erachten und ich wirklich gerne das MLB-Projekt und AIESEC vorantreiben möchte, trommelten wir also an diesem Dienstmorgen alle Trainees zusammen, um das Projekt gemeinsam zu verbessern.  Alle Trainees die momentan hier in AGS sind arbeiten in diesem MLB-Projekt. Linda als Lehrerin für Englisch, Linda Pasta für Italienisch, Andre für Portugisisch und ich für Deutsch. Ich finde, die Idee des Projektes ist wirklich gut bloß gibt es bei der Umsetzung noch einige Verbesserungspotentiale, um es mal so auszudrücken. Und so saßen wir zusammen und sammelten Ideen, Aktionen und Pläne wie man das Projekt erfolgreicher gestalten könnte. Dieser Dienstagmorgen war der Start für eine Reihe von Workshop die wir von Dienstag bis Donnerstag plus diesen Montag veranstalteten. Wir redeten nicht nur über das MLB-Projekt, sondern hatten auch Workshops zu den Themen "Aguascalientes" "AIESEC-Service" und "Host-Family".  Gemeinsam sammelten wir unzählige Ideen, entwickelten Pläne, Fragebögen und und und. Unserer Gruppe kam zu Gute, dass wir einen Deutschen dabei hatten. Da ich schon einige Workshops und Meetings besucht habe in meiner noch sehr jungen Karriere, weiß ich wie sinnlos manchmal die Zeit bei Meetings verplempert wird. Deshalb versuchte ich die Gruppe ein bisschen zu leiten und mit einer Agenda zu arbeiten. Mir macht es schon immer nichts aus vor einer Gruppe zu sprechen und der Moderator in Meetings zu sein. Ich sehe da schon ein bisschen meine Stärken, weshalb ich sicherlich auch versuchen werde beruflich diese Stärken zu nutzen. Vielleicht als Projektleiter, vielleicht als Dozent, vielleicht als Berater/Coach, vielleicht als Startup-Gründer oder vielleicht in der Personalentwicklung. So ganz genau weiß ich nicht wo hin ich beruflich hinmöchte, aber ich denke die Idee ist mittlerweile klar. Es wird jedenfalls kein 8-16 Uhr Job sein bei dem ich 80% der Woche vor einem PC hocke, Exceltabellen bearbeite, an SAP-Masken verzweifle und Arbeit für ein Unternehmen mache, das mir nichts bedeutet. Ich bin sicherlich noch auf dem Weg zu meiner wirklichen beruflichen Leidenschaft und auf diesem Weg versuche ich mich bestmöglich vorzubereiten, indem ich jeden Tag meinen Kopf und meinen Körper herausfordere. Momentan ist der Weg das Ziel, solange ich mein konkretes Berufsziel noch nicht herausgefunden habe.

Naja, ich bin ein bisschen abgeschweift...Zurück zu den W orkshops. Wir nutzen also jeden Tag etwa zwei Stunden um an verschiedenen Projekten zu arbeiten und hatten am Ende jeden Tages zumindest einen groben Plan, wie und was wir verbessern können. Jetzt gilt es den Worten auch Taten folgen zu lassen und unsere entwickelten Fragebögen sowie Verbesserungsvorschläge umzusetzen und zu implementieren. Und dazu hab ich eigentlich richtig Bock. Ich finde es wäre großartig, wenn ich AGS verlasse, dass die nach mir folgenden Trainees nicht die gleichen Probleme haben wie ich sie vor meinem Praktikumsstart hier hatte, sondern ganz einfach und ohne große Sorgen hier her kommen könnnen, um ihre Arbeit zu machen sowie Mexiko zu erleben. Gelingt es uns die Verbesserungen wirklich zu implementieren, hätte das nicht nur einen großen Vorteil für die Trainees sondern auch für AIESEC. Es wäre unsere Hinterlassenschaft an die Nachwelt sozusagen ;-) Hier ein paar Eindrücke unserer Workshops:

Brainstorming

"Hitzige Diskussionen"

Lorenia und ich

Ideen für das MLB-Projekt

Hart am Arbeiten ;-)
Natürlich stand diese Woche auch wieder täglicher Spanisch-Unterricht sowie normaler Unterricht an mit meinen Deutsch-Klassen an. Da hat sich mittlerweile eine gewisse Routine eingestellt und der Unterricht gehört fest zu meinem Tagesablauf dazu. Ich arbeite gern mit meinen Studenten zusammen und bin zuversichtlich, dass sie am Ende des Projektes gut auf ihren möglichen Deutschland-Aufenthalt vorbereitet sind.

Spanisch-Unterricht
Am Dienstagnacht dann eine weniger gute bzw. eine traurige Nachricht. Mitten in der Nacht klingte das Telefon und wenn das passiert gibt es eigentlich nur drei Optionen:
1.) Opa Alban oder Oma Liesel sind gestürtzt
2.) Pascal oder Frederic haben ihren Schlüssel vergessen und wollen nachts um halb 4 ins Haus
3.) Es ist jmd verstorben

Und leider traf in dieser Nacht letzteres zu. Diegos Tante war nach langer Krankheit mitten in der Nacht gestorben. Natürlich machte diese Nachricht das ganze Haus wach und Diegos Eltern fuhren direkt ins Krankenhaus.
Die nächsten 2-3 Tage herrschte dann eine sehr gedrückte Stimmung im Haus. Diegos Mama ist sowieso (wie fast alle Frauen) sehr emotional und deshalb traf sie der Tod auch am härtesten. Sie war die ganze Woche bei ihren Geschwistern und bei ihrer Mama, sodass das Haus ohne sie auskommen musste. Was das heißt, hab ich euch ja schon erzählt: Essen war Mangelware. Aber darüber konnten wir hinweg schauen. Manchmal gibt es eben wichtigere Dinge im Leben als Kochen und dafür hatte ich absolut vollstes Verständnis. Eigentlich kann ich jeden Tag zwei warme Mahlzeiten essen und es ist, abgesehen von diesen Sonderfällen, immer etwas im Essen im Haus. Ich muss also nie wirklich einkaufen gehen, es sei denn ich möchte etwas spezielles essen. Über diese Situation bin ich echt sehr glücklich. Wie ich aus den Gesprächen mit den anderen Trainees mitbekommen habe, ist fast keiner der anderen Trainees wirklich zufrieden mit seiner Gastfamilie. In Linda Pastas-Gastfamilie wird so gut wie nie gekocht, sodass sie immer selbst einkaufen und kochen muss, was natürlich viel Zeit und Geld kostet (Anmerkung: Wenn eine Gastfamilie jmd. aufnimmt verpflichten sie sich eigentlich zwei Mahlzeiten pro Tag bereitzustellen). Zudem muss sie mit den zwei kleinen Schwestern der Familie und einem Hund zusammen in einem Zimmer schlafen, obwohl sie allergisch gegen Hunde ist.
Jana beispielsweise wohnte gar nicht in einer Familie, sondern mit einem AIESECer in seiner Bude. Das der natürlich nicht regelmäßig kocht ist klar. Aber das er nicht seine Rechnungen bezahlt und es deshalb kein warmes Wasser und kein Internet gibt, das ist nicht klar :D
Andre, der Brasilianer, hat ebenso Probleme in seiner Gastfamilie, sodass letztlich nur Linda und ich wirklich zufrieden sind mit unseren Gastfamilien. Ich habe also wirklich Glück gehabt. Aber wie bereits im letzten Blogeintrag erwähnt, habe ich das Glück vielleicht auch ein bisschen gezwungen zu mir zu kommen. Wie auch immer, ich war ja schon vorher rundum zufrieden, aber als ich die Geschichten der anderen Trainees gehört habe, da war ich nochmal einen Tick mehr dankbar und  zufrieden.

Das beste Beispiel für die Gastfreundlichkeit meiner Familie hier war folgendes:
Diegos Mama kam am Donnerstagnachmittag nach der Beerdigung extra nach Hause, um für unsere Familie, aber im speziellen für mich etwas zum Mittagessen zu kochen. Sie entschuldigte sich gar bei mir, dass sie die letzten Tage nicht wirklich etwas gekocht hatte. Das war schon wirklich sehr sehr süß, aber beinahe zuviel des Guten.  Auf jeden Fall zeigte es mir, dass ich mehr als glücklich und dankbar sein sollte, hier für knapp 6 Monate leben zu dürfen. Ich werde versuche durch meine Art und mit kleinen Gesten der Dankbarbeit, das zurückzubezahlen was ich bekomme.

Achja was ich euch zudem noch zeigen wollte sind die Bilder, von den wohl schönsten Sonnenuntergängen die es hier in Mexiko gibt. Aguasclientes ist hier in Zentralmexiko dafür bekannt, mit die bezaubernsten Sonnenuntergänge zu haben und tatsächlich kann man jeden Abend zwischen 6-7 Uhr  ganz kostenlos das faszinierende Naturspektakel beobachten. Ich will ja nicht wie ne Frau klingen, aber diese Sonnenuntergänge sind wirklich außergewöhnlich. Der gesamte Himmel färbt sich erst in rosa, dann in organge und rot bevor die Sonne hinter den Bergen von AGS untergeht. Das ist roooomanndisch.... Ich habe diese Woche einfach mal zwei Fotos davon geschossen:

Sonnenuntergang in Aguasclientes
Blick vom Emax-Gebäude
Ja und so verging die Woche, wie eigentlich immer, relativ schnell und meine Arbeitswoche war am  Donnerstag gegen 20.30 Uhr beendet, da ich freitags ja nicht arbeite :)
Die freie Zeit am Freitag nutze ich aus, um morgens ein bisschen laufen zu gehen, meinen Blog fertig zu machen, gemeinsam mit Gabi Spanisch zu lernen und zwei Stunden zu lesen. Der Tag verging super schnell und um halb 8 abends holte mich Danny dann zum Fußballspielen ab, was natürlich der perfekte Abschluss eines gelungen Tages war. Mit der Equipo mit der Danny und ich unter der Woche spielen macht es richtig Bock. Wie bereits erwähnt sind da einige gute Kicker drin und wir haben echt Spaß die 60 Minuten die wir zusammen spielen. Wie bisher jedes Spiel bei dem ich hier in Mexiko gespielt habe, gewannen wir auch diese ganz verdient mit 8-4, wobei mir zwei Tore gelangen. Langsam mutiere ich noch zum Goalgetter, haha :D

Gegen halb 10 war dann wieder zuhause, sprang unter die Dusche und um 10 Uhr fuhr ich schon wieder mit Diego zum Haus von nem Kumpel. Dort trafen wir uns, um unseren ersten mexikanischen Kochkurs zu machen. Ja richtig gehört, Kochkurs! 
Da ich von all dem leckeren Essen hier in Mexiko wirklich begeistert bin und darauf in Deutschland keinesfalls verzichten möchte, hatte ich vor ein paar Wochen die Idee gemeinsam mit den anderen Trainees hier einen Kochkurs ins Leben zu rufen. Ziel sollte es sein, jede Woche eine der mexikanischen Spezialitäten, natürlich mit der Hilfe eines erfahreren Koches, selbst zu kochen und so kochen zu lernen. Ich denke selbst gerne und vorallem kochen zu können ist eine der besten Fähigkeiten die man sich im Leben aneignen kann, denn egal was kommt man wird immer essen müssen und da ist es doch sinnvoll, wenn man sich selbst was leckeres zubereiten.
Und so wurde an diesem Freitag wurde dann aus der Kochkurs-Idee tatsächlich Realität. Linda, Carin und ich (naja, eigentlich auch Diego) waren die Schüler, während Bogar, Cezar und vor allem Paco uns zeigten wie man mexikanisch kocht. An diesem Freitagabend stand folgendes Gericht auf dem Programm: 
- selbstgemachte Gorditas mit selbstgemachter Füllung, veschiedenen Salsasoßen und Avocadocreme.....mhhhhhhm wie eeeglich, ded de Sandmann sache ;-)
 Lichter, Lafer, lecker lets go....


Gemeinsam machten wir also den Teig für die Gorditas, bereiteten die verschiedenen Salsasoßen und die Avokadocreme zu und schnitten Kartoffeln sowie all die anderen Zutaten für die Füllung. Also alles handmade. Nichts gekauft, nix Maggie-Fix und so. Genau so hatte ich mir das vorgestellt.
Alles in allem hatten wir wirklich Spaß beim Kochen und neben einer netten Gesellschaft sowie vielen neuen Einblicken in die mexikanische Küche, nach rund 2 Stunden auch ein super leckeres Abendessen auf dem Tisch. Naja, eigentlich konnte man schon nicht mehr von Abendessen sprechen, da es mittlerweile schon Mitternacht war, aber hier in Mexiko kann man das mal als Abendessen durchgehen lassen ;-) Assistiert von einem guten Weißwein genoss ich meine ersten selbstgemachten Gorditas. Ahh, die Dinger sind wirklich ein Traum. Genauso wie die verdammte Advocadocreme. Einfach lecker!
Und so endete gegen halb 2 nachts unser ersten Kochkurs sehr erfolgreich und leider auch mit einem überfüllten Magen. Wiederholung ist auf jeden Fall sicher!
Viele Köche...verderben nicht den Brei bzw. die Gorditas

Selfieeee

Kartoffel schälen und Chilis waschen
Zwiebel-Kartoffel-Chilifüllung für die Gorditas

Bällchen-Teig für die Gorditas
Gefüllte Gorditas und die Avocadocreme
Nach einer kurzen Nacht und nur rund 5 Stunden Schlaf klingte am Samstagmorgen dann um halb 7 Uhr der Wecker. Überraschung, Überraschung, heute stand mal wieder ein Wochenend-Trip, diesesmal nach Guadalajara, der zweitgrößten Stadt hier in Mexiko. Gemeinsam mit all den Trainees, Lorenia und unserem Chauffeur Angel machten wir uns um 7 Uhr bei bester Laune auf in die Metropole. Achja, hier habt richtig gelesen, wir hatten tatsächlich unseren eigenen Chaffeur für den Trip :D Irre, aber wahr! Lorenias Papa ist anscheinend irgendein hohes Tier beim Staat und hat deshalb einen eigenen Chaffeur angestellt, der aber nicht nur für ihn sondern für die gesamte Familie fährt. Da Lorenias Eltern ihr nicht erlaubt hatten alleine 3 Stunde zu fahren (ich weiß das klingt lachhaft) buchten sie also für Angel ein Hotelzimmer und schickten ihn als Fahrer mit uns nach Guadalajara. Irgendwie tat mir Angel ein bisschen leid, denn obwohl er für das Wochenende sicherlich gut bezahlt werden würde, ging doch sein gesamtes, wohlverdientes Wochenende dafür drauf um für sechs Mitt-Zwaniger den Chauffer zu spielen. Aber naja, ich konnte daran nichts ändern und es war natürlich äußerst comfortabel bzw. günstig mit dem Auto zu reisen.

Ab gehts nach Guadalajara...Hebbaa!
Pinche brasileño
Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen :)
Nach rund drei Stunden Fahrt, einer Stunden Nickerchen und einer Stunde wildem Gegröle zu jedem Song der im Radio lief, kamen wir dann schließlich in Guadalajara an. Angekommen mussten wir, ganz typisch mexikanisch, natürlich erstmal kräftig was essen. Es blieb uns gar keine andere Möglichkeit, denn unser erster Stopp war direkt in einem Restaurant wo schon die speziellen grünen Taccos aus Guadalajara auf uns warteten. Also: Buen provecho, auch wenn ich gar kein Hunger hatte, da ich immer noch überfressen war von den Gorditas in der Nacht zuvor. Aber immer riiinnn damit!
Grüne Taccos, selbstgepresster Organensaft, Salsa, Limones, Fleisch und Salz. Welcome to Mexiko!
Unser zweiter Stopp des Tages war dann der Mercado San Juan de Dios. Dies war ein riesiger unterirdischer Mark auf dem man wirklich alles mögliche, aber vorallem mexikanische Spezialitäten und Souvenirs kaufen konnten. Die Mexikaner nennen diesen Markt auch Mercado de Imitation, denn hier kann man alle gefälschten Sachen kaufen, wie z.B. das gefälschte Bayerntrikot mit  vier Adidas-Streifen :D  So schlenderten wir knapp 1 Stunde durch dieses Labyrinth von kleinen Gassen und die Mädels kauften ein paar Souvenirs, während ich schon einige Weihnachtsgeschenke für meine Familie kaufte. Der frühe Vogel und so ;-)




Die Mexikaner und ihre Glaubensfiguren


Stopp Numero 3 war dann das Zentrum von Guadalajara und dieses war wirklich sehr sehenswert. Anders als viele Städte hier in Mexiko, die noch stark von der Kolonialzeit geprägt sind wie z.B. Guanajato, Zacatecas oder Queretaro,  war Guadalajara ganz anders. Dies liegt daran, dass Guadalajara in den fünfziger Jahren Teil eines Projekts, in dessen Verlauf das Stadtbild verändert wurde. Viele der alten Gebäude wurden abgerissen, um die Straßen zu erweitern und neue Bauten zu errichten; hinzu kamen unterirdische Parkhäuser und Einkaufszentren. Glücklicherweise nahmen die schönsten Bauten der Vergangenheit aber keinen Schaden, sodass wir diese bei herrlichem Sonnenschein bewundern konnten.
Beim Spaziergang durch das Zentrum der Stadt kontten wir die tolle Plätze, volkstümliche Kunst sowie tolle Bauten sehen. Highlight der Stadt war, wie sollte es auch anders sein, die Kathedrale, die  sich im Herzen der Stadt befindet und  mit ihren Zwillingstürmen und der dazwischen gelegenen Kuppel der bekannteste historische Ort am Horizont von Guadalajara ist. Gegenüber der Kathedrale  lag der sehr sehenswerte Plaza Guadalajara und etwas südlich befand sich der Plaza de Armas mit einem Musikpavillon im Art-Nouveau-Stil und den dazu passenden Lampen.
Die Kathedrale

In der Kathedrale
Willkommen in Guadalajara
Plaza Guadalajara

Angriff der Monstertauben...uaaaaaaahaha



Die Guadalajara-Crew auf dem Plaza Guadalajara
Weiter ging es nörderlich der Kathedrale zu der Rotonda de los Jaliscienses Ilustres (Rotunde berühmter Persönlichkeiten aus Jalisco). In der Mitte dieser Grünanlage stand eine rundes Denkmal mit 17 gerippten Säulen und außenrum standen Statuen mit berühmte Persönlichkeiten aus Guadalajara, die einen bedeutenden Beitrag zu Kunst, Wissenschaft und Politik geleistet haben.
Ich bin sicher, bevor ich Mexiko verlasse werde ich hier auch meine eigene Statur bekommen. Nach all dem was ich bisher für dieses Land geleistet habe, ist das denke ich auch gerechtfertigt. Ich denke dabei an eine Statur, wie ich ohne Hosen ein deutschen Bier trinke und darunter der Titel: El Aleman, muy pitudo (Der Deutsche, gut bestückt unnerum.) Ich finde das wäre eine klasse Idee ;-)

Rotonda de los Jaliscienses Ilustres


Anschließend schlenderten wir noch zum Plaza de la Liberación, der an die Abschaffung der Sklaverei unter Miguel Hidalgo erinnerte und in den Palacio Goberniero, in dem wir die Geschichte von Guadalajara und Mexiko sehen konnten. Und wieder mal zeigte sich: Miguel Hidalgo ist ominipräsent!


Plaza de la Liberación

Eso es Mexico!
Selfie mit Miguel Hidalgo, der hier in Mexiko omnipräsent ist

Auf den Spuren der mexikanischen Geschichte im Plaza de Gobierno
Nach diesem dreistündigen Stadtrundgang waren wir natürlich alle wieder sehr hungrig bzw. durstig, sodass wir eine kleine Rast machten in Mitten des Stadtzentrums. Während die anderen die Tortas Ahogadas Guadalajara genossen reichte mir ein Kaffee, den ich war verdammt satt gefressen. 

Andre, Linda Pasta und unser Guide Dzeko
Obwohl ich jetzt schon fast 2 Monate in Mexiko bin, ist für mich die Art des Bezahlens immer noch manchmal komisch. In Deutschland ist es üblich, dass wenn man bezahlen möchte ein Handzeichen gibt, mit dem Finger schnipst oder kurz ruft bzw. pfeift. Das ist hier völlig verpönt und geht gar nicht. Als ich es am Anfang gemacht habe, schlugen mir die Leute regelrecht auf die Hand damit ich aufhöre zu schnipsen. Für die Mexikaner bedeutet schnipsen, dass man keinen Respekt vor den Leuten hat und sie behandelt wie dressierte Tiere. Nun ja, das mag irgendwo auch stimmen nd ich finde es richtig, aber Gewohnheit ist halt Gewohntheit. Hier in Mexiko um zu signalisieren, dass man zahlen möchte, lächelt man freundlich oder macht eine Handbewegung wie wenn man etwas in die Luft schreiben würde. Warum das? Nun ja, das in-die-Luft-schreiben steht für das Unterschreiben der Rechnung wenn man mit Kreditkarte bezahlt hat. In Mexiko ist es völlig üblich mit Kreditkarte immer und überall zu bezahlen  und auch bezahlen  können, deshalb hat sich das so eingebürgert. Wenn dann die Bedienung mit der Rechnung kommt ist diese in einem kleinen Buch und wird ohne Kommentar auf den Tisch gelegt. Im Gegensatz zu Deutschland wo die Bedienung erstmal fragt "Getrennt oder zusammen?" und dann ggf. jeden einzeln abkassiert, wird hier kurzer Prozess gemacht indem einfach die Rechnung auf den Tisch gelegt wird. Die Gruppe muss dann untereinander ausmachen wie gezahlt wird. Jeder schmeißt dann halt seinen Betrag in das Buch oder man legt seine Kreditkarte rein und die Bedienung bucht dann von dort alles ab. Anschließend wird die Kreditkartenrechnung unterschrieben und man kann gehen. Mal wieder zeigt sich für mich: Anderes Land, andere Sitten.
Die etwas andere Art zu Bezahlen
Nach unserem Snack ging es dann weiter mit der Stadttour. Was mir an Guadalajara gerfiel war das Leben in der Stadt. Man merkte direkt den Unterschied zwischen der Großstadt Guadalajara und der Kleinstadt Aguascalientes. Hier waren viel mehr Menschen unterwegs, hier war es hektisch, hier war es laut, hier pulsierte das Leben in jeder Minute. Irgendwie erinnerte mich das an meine großartige Zeit in Mexico City und vielleicht waren es genau das was mir an Guadalajara gefiel.

Das Leben in der Stadt
Auf dem Weg durch die Stadt liefen wir durch die schönen Straßen der Stadt und entdeckten so einiges neues:
Los saltamontes (Grashüpfer) zum Essen

Keller is not impressed

Typischer mexikanischer Fastfood-Snack
Einfach mal mitgespielt. So bin ich halt :D
Unseren Abend verbrachten wir dann im angesagten Stadtteil Chapultapec. Natürlich wurden wir dorthin ganz bequem von unserem Chauffer Angel hingebracht. Nach einem erfrischenden Bier in einer der unzähligen Bars dort, zog es uns anschließend zum Musik-Festival. Heute war der Tag der Musik in Mexiko und speziell in Guadalajara, der Geburtsstadt der weltberühmten Mariachi-Bands, war das natürlich ein Feiertag, weshalb dieses Musik-Festival initiiert wurde. Tausende junge Leute kamen nach Chapultapec, um die verschiedenen Bands an diesem Abend zu hören und darunter unsere Multi-Kulti-Truppe aus Europa. Die Bands auf dem Festival waren richtig gut und auch die Stimmung war ausgelassen.Und so genossen wir die gute Musik, tanzten ein bisschen und fielen natürlich auf. Aber das bin ich zumindest mittlerweile gewöhnt :D
Europe here we go: Deutscher, Italinerin, Brasilianer, Schwedin und eine Deutsche

Musik-Festival in Guadalajara
Leider war der Abend in Guadalajara ziemlich schnell vorbei für mich, denn gegen halb 8 verabschiedete ich mich vom Rest der Truppe und machte mich, gemeinsam mit Linda Pasta, auf den Weg zum Busbahnhof in Guadalajara um nach AGS zu fahren. Ich hatte Danny tief und fest versprochen am Sonntag in AGS zu sein, um Fußball spielen zu können. Ich war die letzten paar Wochen ja immer unterwegs gewesen, weshalb ich auch ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte, da ich die Mannschaft sonntags im Stich ließ. Deshalb verprach ich dieses Mal sicher da zu sein und da das Match am Sonntagmorgen um 8 Uhr angepiffen werden würde, hieß dies also auf die Nacht in Guadalajara zu verzichten und heimzureisen. Was man nicht alles für diesen verdammten Fußball macht!
Glücklicherweise hatte sich Linda Pasta auch kurzfristig entschlossen zurück nach AGS zu reisen, sodass ich zumindest nicht ganz alleine fahren musste.  Bisher war mein Verhältnis zu Linda Pasta, naja sagen wir mal "unterkühlt". Obwohl wir schon einige Male zusammen unterwegs waren, hatte ich mit ihr bisher kaum Kontakt. Im Gegensatz zu all den anderen Trainees war sie bisher diejenige die sich ein bisschen von uns absonderte, was vielleicht auch daran liegt, dass sie nicht so gut Englisch spricht und deshalb Schwierigkeiten hat mit uns zu reden. Aber nun hatten wir beide eine dreistündige Busfahrt vor uns und saßen press nebeneinander. Die optimale Möglichkeit sich mal kennenzulernen. Und tatsächlich kamen wir schnell ins Gespräch und nach ein bisschen Smalltalk hatten wir eines der beste Gespräche das hatte seit ich hier in Mexiko bin. Natürlich, wie sollte es anders sein, ging es um die Liebe, um Männer und Frauen, um Sex, um Freiheit, um Werte. Es war wirklich super hilfreich für mich all meine Bedenken die ich gegenüber einer festen Beziehung momentan habe, mal von einer ganz anderen Perspektive, nämlich einer weiblichen Perspektive zu sehen. Wenn du Männern darüber sprichst kommt am Ende ganz standesgemäß: " Ja un, isch se scharf? Willsch se lachse oder nid?" Klassiker halt. Doch mit ihr machte es wirklich Spaß mal ernsthaft darüber zu reden und das, zu meinem völligen Erstaunen, die ganze Zeit auf Spanisch. (Memo an mich selbst: Geht doch!) 
Letztlich sagte Linda einen Satz zu mir, der sich vielleicht ein bisschen zum Leitspruch für meine Zeit hier in Mexiko entwickeln könnte: "Disfrute de su vida aquí y disfrutar de las posibilidades. Haga lo que se siente bien y no pensar en ello!" Was so viel heißt wie: Genieß dein Leben hier und genieß die Möglichkeiten. Tu was sich gut anfühlt ohne ständig darüber nachzudenken! 
Weise Worte!

Während wir so erzählten verging die Zeit im Flug und als wir in AGS ankamen schauten wir uns beide an: " Hä? Sind wirklich schon 3 Stunden vergangen?". Haha, tatsächlich. Wir hatten Non-Stopp gerede und es war Zeit "Buenas noches" zu sagen. Müde, aber glücklich über den Tag in Guadalajara fiel ich um halb 2 dann ins Bett.

Dididididididididi (Wecker-Geräusch für alle dies nicht gleich erkannt haben)...Schon wieder 7 Uhr morgens? Verdammt! Müde und völlig gebraucht, musste ich mich zwingen aus dem Bett zu gehen und mich fürs Spiel fertig zu machen. Wie kann man, bei aller Liebe, um 8 Uhr Sonntagmorgens ein Fußballspiel ansetzen? Das gibts wahrscheinlich nur in Mexiko....Naja, man muss sich eben anpassen Um halb 8 holte mich Danny dann ab und das Spiel wurde, wie eigtl. immer, mit einer viertel Stunde Verspätung um 8.15 Uhr angepfiffen. Der Platz auf dem wir spielten war wirklich die reinste Zumutung. Er hatte ca. die Größe vom TVH-Hartplatz und war zu allen Seiten hin abfallend. Es gab keine Band oder ein Fangnetz, sodass wirklich alle zwei Minuten das Spiel für 2 Minuten unterbrochen war, weil der Spielball mal wieder den Berg runtergerollt oder irgendwo im Gebüsch gelandet war und irgendein Spieler den Ball holen musste. Also sowas nerviges. So gab es natürlich kaum einen Spielfluss und falls der Ball mal rollte war es viel zu eng um mal zu kombinieren. Es  entwickelte sich wirklich ein äußerst unansehliches Spiel, das wir letztlich etwas glücklich mit 1-0 gewannen, nachdem ich die Vorlage zum Tor gegeben hatte. Naja, wie heißt es so schön: Mund abbutze und weider mache!
Unser Millionensturm  ;-)
Glückliche Sieger

Dirkt nach dem Spiel ging es dann ungeduscht und ohne etwas zu essen zum Paintballspielen. Danny hatte mich morgens gefragt ob ich Bock hätte und da ich noch nie Paintball oder wie es hier heißt  "Gocha" gespielt hatte, war ich natürlich dabei. Am Gocha-Campo trafen wir die Freunde von Danny und auch Diego war am Start. Für 160 Pesos, was umgerechnet knapp 9 Euro sind, bekamen wir die Grundausrüstung vom Veranstalter gestellt, das heißt Helm, Weste sowie das Gewehr mit Patronen. Nach kurzer Einführung ging es dann auch schon los mit dem Spiel 5 gegen 5. Der Campo war reisig und wir verteilten uns, um dann gegenseitig anzugreifen. Insgesamt spielten wir 6 Spiele. Wir krabbelten auf dem Boden, versteckten uns hinter Bäumen, gaben uns Deckung und versuchten das gegnerische Team so schnell wie möglich zu erledigen. Und obwohl ich im echten Leben niemals auf jeden schießen würde und Krieg absolut verabscheue, machte das Spiel doch Spaß. Aber es war auch super anstregend und vor allem nach einem ganzen Fußballmatch zuvor.
Ich muss sagen ich war auch ein bisschen ein Opfer in diesem Spiel, denn ich war der einzige der vorher noch nie Gocha gespielt hatte. So war ich oftmals leichte Beute für die anderen und bekam einige heftige Schüsse ab. Und ich kann euch sagen diese kleinen Bällchen tun verdammt weh, wenn sie auf deinen Körper kommen. Eine Kugel traf mich rechts an der Hüfte. Ein paar Zentimeter weiter links und ich hätte Tschüss zu meiner Familienplanung sagen können :D
Nach drei Stunden spielen waren dann alle Patronen verschossen und wir machten uns auf dem Heimweg. Voll mit Farbe und mit "Schusswunden" kamen Diego und ich zuhause an und musste Diegos Mama erstmal erklären, was wir angestellt hatten. Sie war natürlich wenig begeistert und drohte, natürlich im Spaß, meine Mama zu kontaktieren, falls wir nochmal spielen würden. Also Mama, falls das Telefon mal klingt und jmd in ner fremden Sprache mit dir spricht, nicht gleich auflegen, denn das könnte Diegos Mutter sein ;-)
Die Gocha-Crew
Folgen des "Krieges"
Nach einem dringend benötigten Mittagessen und einem noch dringender benötigtem Mittagsschlaf, verbrachte ich den Rest des Sonntags mit Kary. Kary hat sich mittlerweile zu einer echt wichtigen Person hier für mich entwickelt. Und auch wenn es mit ihr, wie mit fast allen Frauen, nicht immer leicht ist und sie sicherlich nicht den leichtesten Charakter hat, verbinge ich wirklich gerne Zeit mit ihr, da wir einfach auf einer Wellenlänge sind. Naja und sie ist hübsch und ich bin ein Mann und...naja ich kann und will ja ehrlich mit euch sein: da läuft was seit Leon. Aber pssssssst nicht weitersagen ;-)

Den Nachmittag verbrachten wir ganz gemütlich in dem wir durch die Stadt schlenderten und uns all die Sonntagsmärkte anschauten. Dabei stießen wir auch auf einen kleinen Flohmarkt wo ich mir meine ersten Spanisch-Bücher kaufte. Die ganze Zeit wollte ich mir schon spanische Bücher kaufen, um abends ein bisschen lesen und Spanisch lernen zu können und nun fand ich endlich ein paar. Die Bücher haben zwar das Niveau für einen 3.Klässler, aber hopp, jeder fängt mal klein an. Ich war jedenfalls happy. Meine ersten Bücher in Spanisch, yeaaah!!

Der Tag mit ihr war wirklich schön. Wir redeten unglaublich viel miteinander, tauschten uns über unsere Familien, unsere Freunde, unsere Beziehungen, unsere was-auch-immer aus. Wir hatten echt ne gute Zeit und so endete diese Woche mit einem sehr entspannten Sonntagnachmittag- bzw. abend.
Hier ein paar Bilder :)
Bücherflohmarkt
Kary und ich auf dem Plaza Principal

Aguascalientes bei Nacht

Das Rathaus in AGS

La ingelsia

Gottesdienst am Sonntagabend
Schnuten-Selfie

Soooo....obwohl ich eigentlich dieses Mal weniger schreiben wollte, ist doch doch fast wieder ein halber Roman geworden. Oh man, ich hass mei Schreibwut....;-) Sorry, wenn ich euch immer soviel zum Lesen zumute, aber es ist wirklich schwierig für mich all die Momente und neuen Erfahrungen hier kurz zusammenzufassen. Ich erlebe einfach zu viel. Ich weiß nicht alle von euch lesen immer den ganzen Text, aber für die die immer von Anfang bis Ende durchhalten: Danke, ihr seid echt lebensmüde ;-)

In diesem Sinne: Ich hoffe ihr seid noch quicklebendig und euch hat mein Post gefallen. Falls ja, freue ich mich wie immer über eure Kommentare. 

Beste Grüße an euch. Ich denk an euch!

Pascal


















Freitag, 21. November 2014

Über eineinhalb Monate in Mexiko o un mes y medio en México


Servus, Grüß euch und Hallo,

es ist mal wieder soweit und ich berichte euch heute über meine insgesamt fünfte Woche hier in Aguasclientes. Mittlerweile sind zwischen meinem ersten Blogeintrag und diesem Blogeintrag heute schon über eineinhalbe Monate vergangen -ist es nicht irre wie schnell die Zeit vergeht? Zwar liegen immer noch knapp viereinhalb Monate vor mir, aber ein wesentlicher Teil meiner Zeit hier in Mexiko liegt schon hinter mir. Ich weiß, dass sich hier momentan alles in einem Ausnahmezustand bewegt und dass das nicht ewig so weitergehen kann. Ich weiß mich wird irgendwann, spätestens in Deutschland, die Realität wieder einholen, aber bis dahin ist es noch verdammt lange hin. Solange ich hier bin, kann es ruhig ein Leben auf der Überholspur bleiben, denn lange genug kann ich noch rechts auf der normalen Fahrbahn fahren. Ich möchte hier weiter Gas geben und das Beste aus meiner Zeit rausholen. Ich möchte die Zeit hier nutzen, um zu lernen, zu arbeiten, mich inspirieren zu lassen, neue Ideen zu sammeln, neue Leute zu treffen, an neuen Projekten zu arbeiten und neue Pläne für die Zukunft zu schmieden.  Es gibt soviele Sachen, die ich machen und erreichen will während meiner Zeit hier und in der Zukunft und ihr könnt sicher sein, dass ich dabei eure Hilfe und Unterstützung  brauche. Ich hoffe ich kann dabei auf euch zählen. Naja, ich hab zumindest keinen Zweifel daran!
Bisher bin ich über die vergangenen 45 Tage mehr als glücklich und ich bin auch ein kleines bisschen stolz auf mich, auf das was ich bisher erreicht habe. Ich habe wirklich viel Zeit, Mühen und auch Geld investiert, um hier her zu kommen und kann nun sprichwörtlich die Früchte meiner Arbeit ernten. Die monatelange Suche nach der geeigneten Organisation, dem passenden Land und einem guten Projekt haben sich wirklich ausgezahlt.  Seit ich hier bin profitiere ich von dieser  langen Vorbereitung und natürlich auch in gewisser Weise von glücklichen Zufällen wie z.B. meiner überragenden Gastfamilie, meinen tollen Studenten und und und - aber letztlich habe ich mir dieses Glück auch ein bisschen erzwungen. 
Es war nicht leicht das Angebot von Tenneco auszuschlagen und das Risiko einzugehen hierher zu kommen, aber nun bekomme ich meinen "Mut" in Form von großartigen Erlebnissen hier doppelt und dreifach zurückbezahlt. Es hat sich für mich gezeigt, dass dort wo das größte Risiko herrscht, auch das größte Potential liegt, um sich positiv zu entwickeln. Ich kann deshalb nur jedem raten, einmal in seinem Leben raus aus seiner Comfort-Zone, raus aus seinem Alltagstrott zu gehen und etwas neues auszuprobieren.Ich jedenfalls versuche jeden Tag diese Einstellung zu leben und habe es mir während meiner Zeit hier zum Ziel gesetzt, so viel neue Sachen wie möglich auszuprobieren. Bisher hat das ganz gut geklappt. Ich tanze nun Salsa, mache Yoga und Pilatis, sehe verschiedene Städte und treffe neue Leute. Natürlich ist das in einem fremden Land und mit mehr Zeit einfacher, das ist mir klar, aber ich denke auch im normalen Alltagsleben kann man jeden Tag etwas neues ausprobieren. Ich z.B. versuche im Restaurant immer etwas zu essen und zu trinken, was ich vorher noch nie getrunken habe, oder wenn ich mein Work-Out mache eine Übung zu machen, die ich vorher noch nie gemacht habe. Zudem habe ich mich entschlossen jeden Monat hier eine 30-Days-Challenge zu machen. Ihr fragt euch was eine 30-Days-Challenge ist? Nun ja, ich versuche 30 Tage, also einen Monat etwas neues auszuprobieren oder mich in einem bestimmten Bereich zu verbessern und dann die Ergebnisse aufzuschreiben. Ich weiß, das klingt ein bisschen irre, aber ich habe von der Idee gelesen, fand sie cool und wollte sie ausprobieren. So einfach. Gestartet habe ich diesen Monat damit, dass ich 30 Tage keine Süßigkeiten esse und weniger Kohlenhydrate esse. Warum? Ich bin schon immer süchtig nach Süßigkeiten und würde mich am liebsten jeden Tag nur von süßen Sachen ernähren. Ich liebe sie einfach. Aber sie sind für mich auch das perfekte Abbild meiner größten Schwächen: Langfristige Selbstdisziplin und Geduld. Ich würde beim Ü-Ei-Test, der in der Werbung gezeigt wird, jedesmal gnadenlos durchfallen. Mir mangelt es einfach an Geduld und Selbstbeherrschung. Und genau die will ich jetzt trainieren, denn ich denke eine hohe Selbstdiszipling und Geduld sind gute Eigenschaften um langfristig erfolgreich zu sein. So sehr ich süße Sachen auch mag, umso mehr hasse ich den Effekt den sie auf meine Fitness und Gesundheit haben. Ich meine was bringt es jeden Tag zu trainieren, um dann in 15 Minuten alle verbrannten Kalorien wieder drauf zu haben? Genau, bringt gaaaaar nix! Deshalb will ich jetzt versuchen einen Monat auf diese schlechte Gewohnheit zu verzichten und sehen ob ich damit gut leben kann. Bisher habe ich fast eine Woche hinter mir. Zwar fällt es mir ab und an schwer diszipliniert zu bleiben, aber das Plakat an meiner Wand erinnert mich jeden Tag daran nicht schwach zu werden. Challenge accepted! Nächsten Monat möchte ich versuchen jeden Tag um 6 Uhr aufzustehen und trainieren, den Monat drauf möchte ich in einem Monat jeden Tag mindestens mit einer Frau auf Spanisch flirten. Wie ihr seht, gibt es genügend Idee wie man diese 30-Tage-Challenge gestalten kann. Wenn ihr Bock habt probierts doch mal aus. Ich denke wer sich regelmäßig selbst herausfordert und sich neuen, unbekannten Dingen entgegenstellt wird langfristig glücklicher sein, da  man immer wieder seine eigenen Grenzen überschreitet und etwas Neues dazulernt. So weit, so viel.

Gerade habe ich mal wieder alle eure Kommentare gelesen, die mich über meinen Blog, via WhatsApp, Facebook oder EMail erreicht haben. Danke für euer Feedback und danke für die Zeit die ihr euch nehmt mir eure tollen Zeilen zu schreiben. Vor allem Lieblingsdaddy bringt mich mit seinen ehrlichen und lustigen Kommentaren immer wieder zum Schmunzeln und Nachdenken. Papa, du solltest vielleicht darüber nachdenken auch einen Blog zu starten und über dein Leben zu schreiben. Ich würde es zumindest lesen :D Ich merke jedenfalls immer mehr von wem ich mein Talent zum Schreiben und zum Dummbabbeln gerlernt habe. Wie zitierst du, Lieblingsdaddy, Sandmann immer so schön: "Blut isch halt doch  kä Buttermilch!" Genau so isses! Aber natürlich sollten an dieser Stelle auch die tollen Einträge von Steffi und Annette sowie die liebevollen Mails von dir Mama nicht unerwähnt bleiben. Danke dafür und danke, dass ihr mich auf dem Laufenden haltet. Macht weiter so! Vamonos!
PS:Steffi, Mama und Anette, euch habe ich bei meiner Stadionplanung natürlich nicht vergessen. Über eure Rollen bin ich mir noch nicht so ganz im Klaren. Ich weiß nur, dass ich Mama und Anette nicht ins Planungsteam lasse, denn am Ende ist zwar alles perfekt geplant und organisiert, sodass alle Leute glücklich sind, aber ihr beide werdet wohl (wie immer) völlig gestresst und abgehetzt sein. Zuhause gibt es dann wieder nur Theather mit eueren Männern, weil im Haushalt nix geschafft wird und ihr seid wieder so gestresst, dass euer Herzinfarkt nicht weit ist. Nein, Nein, so soll das nicht sein. Vielleicht ist der Ausschank, so wie Anette es angedeutet hat, wirklich der beste Platz für euch. Aber so wie ich euch zwei kenne:Bitte lasst den Alkohl in Ruhe, der ist ausschließlich für meine Stadiongäste. Und nein Anette, wir trinken keine Falsche Sekt mehr :D ;-)

Meine Woche hier fing nach dem anstregenden Wochenende in La Huasteca ziemlich übermüdet an. Der Schlafmangel der vergangenen Tage war natürlich auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen. Aber so ist das nun mal wenn man viel erleben will, da leidet dann halt schonmal die nächtliche Ruhe. Ich versuchte dennoch mich von meiner Müdigkeit nicht allzu viel aus der Bahn bringen zu lassen und startete am Montag nach einer eiskalten Dusche und einem guten Frühstück motiviert in den Tag. Nachdem ich ein paar wichtige Dinge bzgl. meiner Master-Bewerbungen geklärt hatte ging es dann gegen halb 12 auch schon zu meiner ersten Spanisch-Stunde für diese Woche. Nach einer Woche studienbedingter Pause, konnte ich diese Woche wieder regelmäßig mit Gabi mein Spanisch verbessern. So trafen wir routinemäßig in der Stadtbibliothek, nahmen an unserm Stammtisch platz und legten los. Mittlerweile sind wir absolute Stammgäste in der Bibliotheke und die Mitarbeiter dort begrüßen uns schon mit Namen. Der eine Mitarbeiter weiß, dass ich vor jeder Klasse mit Gabi aufs Klo gehe und reicht mir schon völlig selbstverständlich den Kloschlüssel :D Neben uns gibt es auch noch zwei weitere Gäste, die wirklich JEDEN Tag in der Bibliothek sitzen und lesen. Der eine Typ sieht aus wie ein Serienkiller, kalt, abgefuckt und bisschen verwildert. Gabi und ich diskutieren immer wieder, ob wir auf seiner Todesliste stehen, wenn er wieder böse guggt, weil wir zu laut sind oder lachen. Naja, an diesem Montag er uns noch in Ruhe gelassen, sodass wir wie gwöhnlich für 1-2 Stunden zusammen lernen konnten. Mein Spanisch wird zwar immer besser, aber dennoch fühle ich mich immer wieder überfordert, wenn ich gezwungen bin zu sprechen. Ich wünschte wirklich ich wäre schon etwas weiter, aber naja, noch ist kein Meister vom Himmel gefallen. Ich versuche einfach jeden Tag ein bisschen besser zu werden und hoffe somit am Ende fließend sprechen zu können.
Am Nachmittag ging es dann zur Arbeit ans Emax, um meine Unterrichtsstunden zu geben. Meine Studenten lernen gerade wie man nach dem Weg fragt, wie man einen Weg beschreibt und wie man die Uhr liest. Dabei ist mir aufgefallen, dass das Uhrenlesen in Deutschland wirklich völlig irre ist. Ich meine, man kann sagen 12 Uhr 34, oder 34 Minuten nach 12, oder 26 Minuten vor 13 Uhr oder aber kurz nach halb. Und jetzt erklärt, dass mal Deutsch-Anfänger. Ja genau, die denken wir  Deutschen sind ein  ganz komisches Volk, zumindest wenn es um die Uhrzeit geht. 
Dieser Unterrichtsmontag lief wirklich super chaotisch ab. Ich hatte insgesamt 5 Stunden Unterricht ohne Pause und irgendwie kamen meine Studenten wann sie wollten, sodass ich kaum Zeit hatte wirklich etwas zu planen oder vorzubereiten. Naja, da hilft immer mein gutes Improvisationstalent und ein bisschen Geschwafel, um den Studenten glaubhaft zu vermitteln, ich hätte wirklich speziell für sie etwas vorbereitet :D

Hier ein paar Eindrück aus meinen Klassen:

Meine Lieblinggruppe (von links): Viktor, Alan und Gaby
Selfieeeeee
Samuel, mein neuer Student und ich

Samuel und Rodrigo
Am Abend dann stand endlich wieder Fußball auf dem Programm. Da ich aufgrund meiner Reise am Wochenende leider nicht mit meiner Mannschaft spielen konnte, war ich umso glücklicher, dass sich montags kurzfristig die Gelgenheit ergab mit einer anderen Mannschaft zu spielen. Diegos Papa Daniel hatten mich gefragt, ob ich mit seinen Arbeitskollgen kicken möchte und natürlich ließ ich mich da nicht zweimal bitten. Nachdem ich kurz vor 20 Uhr von meinem Unterricht nach Hause kam, stand Danny schon auf der Matte und gemeinsam fuhren wir zum "Stadion" in der Stadtmitte. Dort angekommen hieß es schnell umziehen und los ging es. Die Mannschaft mit der ich dieses Mal spielte war mit Abstand die beste in der ich bisher spielen durfte. Da waren ein paar richtig gute Kicker drin. Aber auch in der gegnerischen Mannschaft waren 2-3 super Fußballer. Und so machte das Spiel wirklich richtig Spaß. Auf dem engen Feld spielten wir 7 gegen 7 und es ging richtig zur Sache. Ich fühlte mich 100% am richtigen Platz und absolut wohl. Das war wirklich Fußball! Unser Stürmer war wirklich überragend, zumindest an diesm Abend. Der hatte wirklich klasse Tricks auf Lager, war beidfüßig und eiskalt vor der Kiste.Er schoss an diesem Abend 8 von 10 Toren unserer Mannschaft- baaaam! Ich war wirklich begeistert von ihm und obwohl wir uns kaum unterhielten, verstanden wir uns von Anfang an blind auf dem Platz. So ist das nun mal unter Fußballer manchmal.
Auch ich traf einmal und bereitete zwei Treffer vor. Wie immer wurde ich nur "El Aleman" gerufen und lautstark gefeiert bei meinem Tor. Es machte mir wirklich Spaß an diesem Abend einfach zu kicken. Das ist meine Leidenschaft, das ist womit ich einen großteil meiner Jugend verbracht habe. Und auch wenn ich niemals mein Geld mit Fußball verdienen werde, bin ich glücklich über all die Stunden, Monate und Jahre die ich mit Training verbracht und nicht wie manche vielleicht sagen, verschwendet, habe. Der Sport hat mir wirklich sehr geholfen selbstbewusst und diszipliniert zu werden. Davon profitiere ich heute noch. Danke an dieser Stelle an meinen Coach Klausi Wagenblatt ("Ehhh, was los daaaa?"). Auch wenn er es wohl nie lesen wird, bin ich immer noch dankbar für geile Zeite die ich bei ihm hatte!
Eine Koriusität dann am Ende des Spiels: Der Schiedsrichter kam zu mir und wollte meinen Namen wissen, um aufzuschreiben wer die Torschützen waren. Eigentlich ganz simpel, aber ich war ein bisschen überfordert, weil der Typ  ziemlich schnell sprach. Als einer meiner Mannschaftskollegen sah, dass ich da stand wie Christoph bei Fichtel einst im Wald, kam er zur Hilfe und sagte einfach: "Su es Schweinsteiger (Sein Name ist Schweinsteiger)". Und tatsächlich der Schriri, ohne zu zögern, schrieb Schweinsteiger auf. Als ich die Geschichte den anderen Jungs aus dem Team erzählte lachten alle laut und ich hatte einen neuenSpitznamen: "Schwaaainstaiga". Yeah!! Am Ende musste ich dann noch 50 Pesos als sog. Abitrage zahlen. Die 50 Pesos werden hier von jedem aus der Mannschaft eingesammelt und gehen an den Schiedsrichter und an wen auch immer. Das heißt ich muss hier immer zahlen damit ich spielen darf, anstatt, wie in Deutschland, bezahlt zu werden. Verkehrte Welt, aber das ist Mexiko!



Call me "Schwaainstaiiga"
Am Dienstag stand dann das übliche Programm Dienstagprogramm auf dem Plan, das wie folgt aussieht momentan:
7.30 Wecker riiiiiiiing, aufwachen, Frühstück und fertig machen, mit Diego zum Pilatis fahren.+
9-10 Uhr Pilatis mit Linda. Und Pilatis ist wirklich anstregend. Ich war ganz schön platt nach einer Stunde Unterricht. Da gehts wirklich voran, das hab ich echt unterschätzt.
10-12 Uhr Bus nach Hause nehmen, Duschen, Essen, Lesen und dann wieder ab Richtung Bushalte
12.30- 14.30 Uhr Spanischunterricht mit Gabi
14.30-15.30 essen und ein bisschen ausruhen
16-19 Uhr Deutschunterricht
19- 20 Uhr Salsa-Unterricht

Nach der Salsaklasse fuhr ich dann gemeinsam mit Diego in die Stadt, denn heute stand die Abschiedsparty von Jana, der tschechischen Praktikantin, an. Sie reiste nach dem Ende ihres 10-wöchigen Praktikums am nächsten Tag ab und lud all ihre Freunde nocheinmal zu einer letzten Party in einer der angesagten Bars in Aguasclientes ein. Es kamen wirklich alle eingeladenen Gäste und so verbrachten wir einen super lustigen Abend und ich lernte ein paar neue Leute kennen, mit denen ich wirklich versuchen werde in Kontakt zu bleiben. Kleines Highlight an diesem Abend war das gute deutsche Cola-Weizen, das ich mir für 80 Pesos (umgerechnet knapp 4,50 Euro) gönnte. Das war zwar sehr teuer im Vergleich zu den anderen Bieren hier, aber man gönnt sich ja sonst nix ;-) Einmal im Monat muss das einfach sein!
Und so feiert wir ein bisschen, überreichten Andre noch seinen Geburtstagskuchen (er hatte am Wochenende Geburtstag) und eine Flasche Mezcal, sangen ein bisschen und lachten viel. Gegen 12 Uhren waren Diego und ich dann im glückselig im Bett. Mit Diego ist es wirklich sehr angenehm auf einer Party zu gehen. Er trinkt immer nur ein 2-3 Bier und fährt dann nach Hause, sodass es für mich nie ein Problem ist nach Hause zu kommen, wennn ich mit ihm unterwegs bin. Er erzählte mir, dass er einmal so betrunken war, dass er ins Gefängnis (jaa, wirklich :D) musste für eine Nacht und dass er seit dem nicht mehr wirklich trinkt oder auch nur annähernd betrunken ist. Naja, ich würde mal sagen Lektion gelernt, aber trotzdem schade, dass wir wohl nie mal beide so richtig zusammen abstürzen werden. Aber das ist nun wirklich halb so schlimm.

Janas Abschiedsparty

Diego, das gute Weizenbier und ich

Geburtstagskuchen für Andre von uns Trainees





Der Mittwoch war dann wirklich nicht außergwöhnliches. Nach einem Freeletcis-Workout am Morgen und einem guten Frühstück im Anschluss, bestand der Rest des Tages darin ein bisschen Spanisch zu lernen und vor allem meinen Blogeintrag für euch zu schreiben. Mir macht das Schreiben mittlerweile richtig Spaß und ich denke ich habe eine neue Leidenschaft entdeckt für mich entdeckt. Das Bloggen ist echt ne tolle Sache und bietet für mich viele Vorteile:
1.) Ich kann euch einerseits auf dem Laufenden halten und mit euch in Kontakt bleiben, ohne jeden einzelnen informieren zu müssen. Jeder kann, wann immer er Lust und Laune hat einfach auf meinen Blog klicken und so lange lesen, wie er oder sie Lust und Laune hat
2.) Ich kann meine gesamten Erfahrungen und Erlebnisse niederschreiben und habe so eine großartige Erinnerung an meine Zeit hier in Mexiko
3.) Ich kann reflektieren, mich mitteilen, meinen Gedanken und Gefühle kanalisieren und vielleicht den ein oder anderen von euch inspirieren
4.) Ich verbessere mein Sprachvermögen, meine Kreativität und meine Fähigkeit Dinge so zu erzählen, dass sie auch in geschriebener Form interessant und lustig sind
5.) Ich kann mich an euren tollen Kommentare und Feedbacks erfreuen.

Da mich die Vorteile des Bloggens vollends überzeugen, plane ich, sobald ich nach wieder nach Hause kommen, einen professionellen Blog zu eröffenen in dem ich regelmäßig über bestimmte Themen schreibe. Mir schweben dabei momentan Bereiche wie Personal Developement, Leadership, Entrepreneurship und Motivation . Der Blog ist eine der Ideen, die ich in den letzten Tagen hatte und die ich unbedingt umsetzen möchte, sobald ich genüngend Zeit dafür habe. Bis dahin werde ich hier einen Online-Kurs zum Thema "How to learn professional blogging" besuchen, sodass ich optimal vorbereitet bin. Wenn euch also mein derzeitiger Blog gefällt, könnt ihr vielleicht bald auch meinem ersten "richtigen" Blog folgen. Das wäre großartig. Aber bis dahin fließt noch gaaaaaanz viel Wasser den Rhein runter....

Am Abend dann, nach einem wirklich anstregenden Tag ohne große Pausen, traf ich mich mit Linda und Erick, um mit ihnen gemeinsam ins Kino zu gehen. Linda ist für mich bisher echt die postive Überraschung. Ich dachte am Anfang, mhhhmm, noch ne Deutsche, irgendwie kein Bock drauf. Ich will Spanisch lernen und bin nicht nach MEX gekommen, um mit ihr Deutsch zu sprechen. Aber ich habe mich echt getäuscht! Linda ist wirklich eine super nette, lustige und charmante Frau, mit der ich super gerne meine Zeit verbinge. Wir haben einen ähnlichen Humor, die gleiche Sprache und sind beide sehr sehr unkompliziert. Naja, sie fast noch mehr wie ich. Sie nimmt für einen Wochendtrip gerade mal einen Turnbeutel voll Sachen mit während ich immer meinen Trolley mitschleppe. Ich bin wohl doch ein bisschen eine Pussy..# NoHomo. Also Linda, falls du das liest: Schön, dass es dich gibt und danke für die tolle Zeit mit dir bisher. HDL und so :)

Im Kino schauten wir uns Interstellar an, den neuen Film von meinem Lieblingsregisseur Christopher Nolan. Der Film lief in Englisch und mit spanischen Untertiteln. Optimal für mich, denn so konnte ich nicht nur mein Englisch, sondern auch gleichzeitig mein Spanisch verbessern. Zwei Fliegen mit einer Klatsche und so...
Fazit zum Film: Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte sich nächste Woche nichts vornehmen und ins Kino gehen. Der Film mit seiner genialen Geschichte und den großartigen Schauspielern haut einen, trotz seiner Länge von über 2,5 Stunden, wirklich aus den Sitzen. Ich war jedenfalls sprachlos am Ende des Films. Auf jeden Fall ein weiteres Meisterwerk von Christopher Nolan!
 Komisch ist für mich immer am Ende des Films, wenn der Abspann läuft. Ich fühle mich dann als wäre ich mit Schenner, Jochen, Kevin, David, Jonas, Frederic usw. in Landau in der Filmwelt (der Kinosaal sieht wirklich exact gleich aus) und wir würden jetzt gleich nach Hause fahren und auf dem Heimweg dumm babbeln. Aber dann schaue ich nach rechts und nach links und da ist leider niemand von euch:( Dann höre ich die Leute in Spanisch sprechen, sehe Linda und Erick und zack, bin ich wieder in der Realität angekommen- ich bin also nicht in Landau, sondern hier in Aguasclientes, hier in Mexiko. Auch wenn ich darüber sehr glücklich bin, vermisse ich meine Freunde doch schon ab und an. Seit ich hier bin, habe ich zwar unzählige Leute kennengelernt, die fast alle unglaublich nett und hilfsbereit zu mir sind, aber wirkliche Freunde sind davon wenige. Freundschaften schließt man eben nicht so schnell. Meine engsten Freunde hier sind neben Ross und Memo, die ich immer noch zu meinen engen Freunden zählen, vor allem Diego, Kary, Linda und Carin. Seit ich hier bin habe ich viel mit Frauen zu tun, weil die meisten Trainees hier weiblich sind und ich auch so viel in Kontakt mit weiblichen AIESECern bin. Ich muss sagen, ich komme mit den Frauen echt gut zurecht, aber mir fehlen das Dummgebabbeln und die ständigen Beleidungen mit meinen Freunden doch schon ab und an. Natürlich mache ich das auch oft mit Diego, aber es ist natürlich nicht das Gleiche. Begriffe wie Speckburch, Fettschmuggler, Saugsicht, Schwarzworzel, Fickfehler oder Ich lieb mei läwe usw. lassen sich halt nicht so leicht ins Englisch oder Spanische übersetzen :D 
Diego ist hier mein bester Freund, denn mit ihm kann ich über alles reden und wir sind auf einer Wellenlänge. Auch er ist sehr ambitioniert und möchte sein eigenes Start-Up gründen, was mich sehr begeistert. Vielleicht kann ich ja, solange ich hier bin, beim Aufbau des Start-Ups mithelfen, das wäre überragend. Mal sehen was draus wird.Ich bin gespannt.

Am Donnerstagmorgen stand dann wieder Yoga auf dem Programm, bevor ich mich später am Mittag dann wieder mit Gabi traf. Als ich so durch Aguasclientes schlenderte fiel mir auf, dass ich mich mittlerweile in der Stadt echt wohlfühle. Ich mag all die kleinen Fressstände, das laute Geschreie um Kunden anzulocken, die schönen Bauten und natürlich auch das tolle Wetter- zumindest tagsüber. 
Tagesüber sind immer angenehme 23-25 Grad sodass man leicht bekleidet ohne Jacke durch die Straßen gehen kann. Aber nachts wird es super super kalt. Eigentlich bin ich ja nicht wirklich empfindlich was Kälte angeht, aber ich habe die vergangenen Nächte echt gefroren. Hier gibt es keine Heizung in den Häuser und die Isolation ist auch nicht vergleichbar mit den deutschen Häusern, sodass nachts die ganze Kälte ins Haus kommt ohne das man dagegen heizen kann. Deshalb schlafe ich mittlerweile mit zwei Decken, die aber alles in allem immer noch dünner sind als eine meiner warmen, flauschigen, geliebten  "Winterdecken" in Deutschland :( Naja, ich muss mich vielleicht auch einfach erstmal an die Kälte nachts gewöhnen und dann wird das schon. Immerhin sind die Tage ja schön. Für mich fühlt es sich hier an wie Sommer und das obwohl wir langsam auf Weihnachten zugehen und in den Geschäften schon Weihnachtszeug verkauft wird. Es wird mein erstes Weihnachten ohne meine Familie und Freunde sein und ich bin gespannt, wie ich mich an diesen Tagen fühlen werde. Es wird auf jeden Fall eine neue, tolle Erfahrung werden da bin ich sicher.

Typischer Taccostand an dem die Leute schon früh morgens ihre Taccos essen

El Aguila

Calle Rivero
Gabi und ich
Lecker Eis nach der  harten Arbeit  



Am Abend gingen Diego und ich dann wieder in die Salsa-Klasse. Nach kurzer Aufwärmphase ging es dann auch zum ersten Mal so richtig ran an den Speck, also ran an die Frauen d.h. wir tanzten zum ersten Mal in Paaren, immer im Wechsel nach knapp 2 Minuten. Es machte wirklich Spaß auch wenn ich mich das ein oder andere Mal richtig dumm fühlte, als ich den Frauen wieder und wieder auf die Füße trat oder wieder die Drehung nicht hinbekam. Aber naja, nur aus diesen Fehlern lernt man, so denke ich zumindest. Übung macht den Meister und wenn Diego und ich weiter so dran bleiben werden aus uns zweien sicher noch vernünftige Tänzer, haha. 
Am Abend dann saß ich mit meiner Gastfamilie zusammen und wir ezählten wie so oft über alles mögliche und aßen dabei. Ich fühle mich hier echt gut aufgehoben und wohl, aber ich denke,dass habe ich ja wohl schon oft genug erwähnt :D Nach dem netten Gespräch ging es nach einem anstregenden Tag ins "Neschd". Ich merkte erst jetzt wirklich den Schlafdefizit der vergangenen Nächte so wirklich und schlief deshalb schon gegen 10 Uhr mit meinem Buch auf der Brust ein. 

Am Freitagmorgen nutzte ich die erste Stunde des Tages um mir ein paar intressante TED-Talks anzuschauen und ein bisschen zu lesen. Ich nenne es meine "Hour of Self-Improvement" und habe sie fest in meinem Kalender etabliert mittlerweile. Ich denke eine Stunde am Tag etwas neues zu lernen ist wirklich wichtig und bringt mich meinem Ziel, beruflich und privat erfolgreich zu sein, jeden Tag ein Stück näher. Danach arbeitete ich dan an meiner ersten Master-Bewerbung und mit der Hilfe meines Bruders Frederic (Vielen Dank an dieser Stelle nochmal für deine Hilfe) konnte ich sie auch an diesem Tag fertig machen. Lange hatte ich vorher dafür gekämpft alle nötigen Papiere, Zeugnisse und Beglaubigen zu bekommen und endlich war an diesem Freitag alles da. Meine erste Master-Bewerbung ging somit an die Universität in Regensburg zum BWL-Master Schwerpunkt Leadership & Development. Ich bin gespannt wo es mich hinverschlägt nach meiner Zeit hier in Mexiko. Wie das alles klappt und wie,was,wo,wann genau kann ich noch nicht sagen. Eines ist aber sicher: Ich werde auf jeden Fall in eine neue Stadt ziehen und wieder eine neue Herausforderung annehmen. Vielleicht ja in Regensburg. Wer weiß.

Am Nachmittag dann nach meinem beinahe alltäglichen Unterricht mit Gabi, hatte ich endlich mal Gelgenheit mit ihr ein bisschen länger zu reden und sie auch ein bisschen kennenzulernen. Wir erzählten viel über privates, aber auch und vorallem über die politische Lage hier in Mexiko. Für mich wurde aus dem Gespräch deutlich, dass Mexiko in seiner Entwicklung noch weit hinter Deutschland zurückliegt, was vor allem an der instabilen poltischen Lage und der Machtstruktur hier liegt. In Mexiko hat die Mafia mehr Macht als die Regierung und die Regierung ist nach Meinung vieler die reinste Frace. Niemand ist wirklich mit dem Präsidenten zufrieden und das kann ich auch verstehen, wenn man sich vor Augen führt, dass der Präsident des Landes nicht mal wirklich Englisch sprechen kann, in einer Welt in der Englisch die Weltsprache ist. Die Leute nennen ihn deshalb "estupido  = Schwachkopf", völlig zurecht. Zudem ist es wirklich beängstigend, dass man hier nicht, wie in Deutschland, auf die Straße gehen, protestieren und seine Meinung verteten kann ohne Angst zu haben dafür verhaftet oder schlimmsten Fall sogar getötet zu werden. So ist es nämlich mit den über 20 Studenten in Acapulco geschehen, die, nachdem sie gegen die Regierung heftig protestiert hatten, einige Tage später tot aufgefunden wurden. In Deutschland wäre das ein riesiger Skandal,der zur Absetzung der Bundeskanzlerin führen würde, aber hier wird nach ein paar Tagen kaum mehr darüber gesprochen, da solche Vorfälle anscheinend zur Normalität geworden sind. Für mich unverständlich und irgendwie krank. Ich habe manchmal den Eindruck die Leute wissen über all die Probleme des Landes Bescheid, wissen das die Korruption, die Drogen und die Bildung sehr sehr schlecht sind für die Entwicklung des Landes, aber sie sind zu bequem, zu feige oder schlichtweg zu hoffungslos, um dagegen anzukämpfen. Stattdessen akzeptieren sie die Lage so wie sie ist und hoffen, dass sich irgendwann etwas ändern wird. Wie das aber passieren soll, das weiß niemand so richtig. Naja, ich kann da manchmal nur den Kopf schütteln, aber die Menschen hier werden ihr gutes Recht haben so zu handeln wie sie handeln.

Nach unserem anregenden Gespräch half mir Gabi dann dabei einen tollen Blumenstrauß zu kaufen, den ich meiner Gastmutter als kleines Dankeschön für die bisherige Gastfreundlichkeit schenken wollte. Für 70 Pesos kaufte ich einen kleinen Blumenstock, schrieb eine kleine Dankeskarte in Spanisch und legte sie dazu. Wenn ich eines gelernt habe im Leben bisher (Danke Mama und Papa dafür), dann das es die kleinen Gesten des Dankes sind die eine Beziehung langfristig zu einer tollen Beziehung machen, sei es in der  Liebe, Freundschaft oder Familie. 
Und als ich das Geschenk meiner Gastmutter übergab war sie tatsächlich total gerüht. Ich hatte mit dieser Geste ihr Herz gewonnen. Diego erzählte mir später, dass seine Mutter mich mittlerweile als gleichwertiges Familienmitglied ansieht und darüber bin ich glücklich und stolz. Niemals wird sie an dich Mama, meine echte Mama, herankommen, aber trotzdem ist es schön auch hier eine Art kleine Mama zu haben, die sich um mich kümmert, für mich kocht, meine Wäsche macht oder einfach für mich da ist. Mamas sind halt doch schon mit die coolsten Frauen der Welt, haha.

Am Abend ging ich dann mal wieder ein Runde joggen und machte mich anschließend fertig für die Nacht um ein bisschen auszugehen. Nach dem Dusch spielten Diego und ich abwechselnd unsere Lieblingsalsa-Songs und tanzten dazu abwechselnd als Mann bzw. Frau. Wenn uns an diesem Abend jemand gesehen hätte, der hätte gedacht wir sind irre oder schwul. Aber wir lachten uns schlapp und übten eine Drehung nach der anderen bis wir schlussendlich beide endlich diese bekloppten Drehungen draufhatten. 1,2,3 Basico 1,2,3 Vuelta de la mujer 1,2,3 Bascio y 1,2,3 vuelta del hombre, so laaaaaft die Gschicht.

Echte Liebe existiert halt doch nur unter Männern
Am Abend traf ich mich dann mit Kary und gemeinsam gingen wir ein bisschen feiern. Eigentlich wollten wir uns mit ein paar anderen Freunden treffen, aber die tauchten einfach nicht auf, sodass wir letztlich zu zweit blieben. Naja, so hatten wir die Möglichkeit uns besser kennenzulernen und ja was soll ich sagen, es gibt schlimmers als den Abend mit einer hübschen Frau zu verbringen. So zogen wir erstmal von Bar zu Bar bis wir schließlich in einem guten Club landeten. Wenn man hier in Mexiko mit einer Frau auf dem Gehweg läuft, dann läuft die Frau immer auf der Innenseite also weg von der Straße und der Mann an der Straße. Wenn du diese Regel einmal nicht beachtest, schiebt dich die Frau einfach an die gewünschte Position und läuft dann normal weiter, wortlos als wäre nichts gewesen. Das passiert mir jedes Mal hier und ich finde es immernoch völlig irre, dass das hier anscheinend ganz normal ist. Es ist eine mexikanische Tradition und wirkliche jeder Mann läuft genauso mit seiner Frau durch die Straßen hier. Naja, wie immer: Andere Länder, andere Sitten.
Als Kary und ich dann im Club namens "Morgan" angekommen waren, enterten wir erstmal die Tanzfläche. Es lief die übliche Voodoo-Musik und ich fühlte mich direkt heimisch. Zusammen tanzten Kary und ich völlig hemmungslos und dumm. Also genau mein Ding. Dabei kamen wir uns natürlich ein bisschen näher, aber Nein, es gab an diesem Abend keine Punkte. Wir hatten einfach nur unseren Spaß. Gegen halb 12 stieß dann Diego zu uns hinzu und gemeinsam zogen wir weiter in eine weitere Bar, um ein bisschen Salsa zu tanzen. Leider war die Bar nicht allzu gut besucht, aber das war uns eigentlich egal. Diego und ich führten Kary unsere Salsa-Künste vor und da der DJ sonst kaum Gäste hatte, konnten wir uns all unsere Lieblingssongs wünschen. Optimöös. Alles in allem war es also ein super lustiger Abend den wir hatten, bevor ich gegen halb 4 Uhr dann im Bett lag.
 PS: Schun mo widder Bock auf e Lounge im Voodoo!
Kary und ich

Loccos (Verrückte)

Salsa-Legende Diego R. Galindo

David-Spies-Gedächtnisgesicht

 
Am Samstagmorgen ging es nach einer kurzen Nacht um halb 10 aus den Feder. Heute stand erneut ein Wochenend-Trip an und zwar nach Leon zum Festival Internacional del Globo Mundo. Da ich vor der Abfahrt um 14 Uhr noch ein bisschen Spanisch lernen und ein bisschen trainieren wollte, zwang ich mich also aus dem Bett und konnte beides noch vor der Abfahrt nach Leon erledigen.
Um dann, traf sich die gesamte Crew voll gepackt mit Campingausrüstung ("Ich liiiiieb campe!") um gemeinsam mit dem Bus nach Leon zu fahren. Insgesamt waren wir eine Truppe aus 8 Leuten, darunter Carin, Linda und Linda Pasta, also die anderen Trainees sowie vier weitere AIESECer.
Nach rund einer Stunde warten im völlig überhitzten Bus für keinen offensichtlichen Grund hieß es dann um 15 Uhr endlich: Uuuuuuuun ab! Nächste Station Leon!

Nächster Halt Leon!


Haaa, DENKSTE! Wir sind hier ja in Mexiko und nicht in Deutschland. Obwohl man mit dem Auto nach Leon normalerweise nur 1 Stunde braucht, brauchten wir rekordverdächtige 5,5 Stunden. Das erinnerte mich verdammt stark an einen Fußballer-Ausflug mim TVH, wo wir aufgrund übermäßigem Bierkonsum schon in Wilgartswiesen unseren ersten Rast machen und anschließend im 10-Minuten-Takt weitere Pinkel-oder Bierholpausen einlegen, sodass wir eigentlich immer das dreifache der eigentlichen Fahrzeit benötigen :D Aber dies war kein Fußballer-Ausflug, sondern eine gewöhnliche Fahrt mit einer Jugendorganisation nach Leon. Naja, Warten, langsames Fortbewegen und ständiges essen gehören hier in Mexiko, so scheint es mir zumindest, zur Tradition und sind so etwas wie Nationalsportarten, in denen sich die Mexikaner besonders wohl fühlen ;-) Seit ich hier bin, zieht sich die Warterei wie ein roter Faden durch alle Trips. Ich meine, mir kommt das ja ab und an ja entgegen, weil ich selbst auch nicht zu den pünktlichsten Leuten auf dem Planten gehöre, aber meine Unpünktlichkeit verglichen mit der mexikanischen ist so unbedeutend und klein wie Kevin Francks Nippel. Aber an diese Traditionen muss man sich auch ein bisschen anpassen und obwohl ich wirklich versuche die Zeit etwas lockerer zu sehen, macht mich langes Warten einfach verrückt. 
Naja, die lange Fahrtzeit nutzte ich um ein bisschen Schlaf nachzuholen, in meinem Travel-Guide zu lesen und ein bisschen mit Kary zu erzählen. Wir hatten ja genügend Zeit. 

Schließlich kamen wir bei stockfinsterer Nacht um halb 9 in Leon an. ENDLICH! In Leon herrschte schon mächtig Betrieb, die ganze Stadt war im Fieber und abertausende Leute machten sich auf den Weg zum Festivalgelände. Das Festival Internacional del Globo Mundo ist eines der größten und angesagtesten Festivals hier in Zentralmexiko und am diesem Wochenende kamen über 400.000 Menschen aus allen Staaten, um dieses Festival live zu sehen. Und wir waren auch mittendrin. Nachdem wir uns an der schier endlosen Warteschlange vorbei und ganz nach vorne gedrängelt hatten, mussten wir wieder auf unsere Tickets warten bevor wir uns anschließend vollgepackt mit
unserer Campingausrüstung ("Ich liiiiieb campe!", einmal mehr!) auf den Weg zum Campingplatz machten. Wir würden also hier auf dem Festivalgelände, so wie die meisten Festivalbesucher, eine Nacht campen und uns am nächsten Tag in aller Frühe die Globos (=Heißluftballone) anschauen. Das war der Plan. Nach einem mörderischen 45-minütigen Fußmarsch zu den Campingplätzen (Frage: Welcher Schwachkopf hat sich überlegt, die Campingplätze 45 Minuten weg vom Eingang zu platzieren? Sau dummer Johrgang!) fanden wir dann schließlich endlich einen geeigneten Platz um die Nacht zu verbringen. Müde und erschöpft, vom Warten und Laufen schlugen wir dann unsere Zelte auf und das ging überraschend schnell vonstatten. Wir hatten eine Art Frank Duchmann dabei, der von oben bis unten ganz professionell mit Campingsachen ausgerüstet war und schon 1000x ein Zelt aufgebaut hatte, sodass da auf jeden Fall nix schief gehen konnte, haha. Und so standen nach rund 30 Minuten auch alle Zelte und wir konnten uns endlich auf zum Festivalgelände machen. 

Zeltaufbau: Einer arbeitet alle anderen guggen. Und einer macht Fotos. Typisch.
Natürlich hatten alle mittlerweile einen Bären-Hunger ("Ich hab Hunger!"..scheiß SCH-Werbung :D), sodass wir am nächstbesten Tacco-Stand erstmal ein paar Quesadillas und ein paar Tamales aßen. Ganz wichtig zu diesem Zeitpunkt. Um 10 Uhr, nach über 8 Stunden Anlaufszeit, kamen wir dann endlich alle am Festivalgelände an und konnten in den Himmel von Leon schauen. Dieser leuchtete in allen Farben, denn er war gefüllt von tausenden kleinen globos de cantoya (=Heißluftballonen), welche von den Besuchern dort hin geschickt wurden. Es war wirklich ein einzigartiger Blick und sehr romooondisch! Ein magischer Nachthimmel war das.
Der Himmel über Leon auf dem Festivalgelände

Einer der kleinen globos de cantoya
Auch Kary und ich hatten uns einen globo de cantoya gekauft und wollten ihn in den Himmel schicken. Und nach etwas Anlaufzeit hob unser Ballon auch tatsächlich ab und flog gen Himmel. Da flog also unser kleines Baby, einfach so, ohne uns in den Himmel, ach was ein Herzschmerz... ;-)
Gemeinsam fieberten wir mit dem Ballon mit und feuerten ihn lautstark an. Leider war unser Ballon ziemlich faul, so etwas wie de Züchel beim Waldlauf, sodass er nach wenigen hundert Meter schon wieder zur Erde sank und in den See stürzte. Fauler Sack! Naja, ein kurzes und schmerzloses Leben also. Gemeinsam genossen Kary und ich den Moment und starrten einfach nur in den Himmel. Es war für mich ein unvergesslicher Moment....

Karry und ich mit unserm "Baby"

Nachdem der Moment vergangen war, trafen wir wieder unsere Truppe zu der mittlerweile auch andere AIESECer hinzugestoßen waren. So waren wir insgesamt nun 11 Leute.

Die Globo Mundo Crew
Die Band Panteon Rococo, welche an diesem Abend spielte, war richtig geil und machte super Stimmung. Gemeinsam hörten wir dem Konzert zu und tanzten zur Musik.Das ging vorwärts. Beim größten Hit der Band La Carencia tanzte die ganze Meute . Das erinnerte mich ganz stark ans Southside-Festival diesen Sommer (liebe Grüße an dieser Stelle an dich Marlene).
Nachdem auch die letzte Zugabe gespielt war, machten wir uns auf zur Party. Heute stand ähnlich wie Guanajato wieder ein Reception Weekend, d.h. AIESECer aus ganz Mexiko trafen sich hier auf dem Festival um gemeinsam zu feiern. Und tatsächlich trafen auf der Party einige bekannte Gesichter wieder und wir begrüßten uns herzlich. Die Party konnte nun starten und trotz der Müdigkeit, hatten wir alle richtig Bock abzugehen. Und die Party versprach großartig zu werden. Für 150 Pesos (knapp 9 Euro) Eintritt gab es All-you-can-drink und auch All-you-can-eat für alle Besucher der Party. Hebbaaa! Also erstmal an die Bar: "Ein Bier und ein Tequilla, por favor!" So ging die Party gut los und sie sollte für mich zu einer unvergesslichen werden. Ich kann euch aus Jugendschutzgründen leider nicht alle Details erzählen, aber was an diesem Abend abging, das war selbst für mich völlig abnormal. Die Frauen waren völlig hemmungslos, naja mittlerweile ist das ja fast schon normal. Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten, damit ich noch ein zwei gute Geschichten habe, wenn ich wieder zurück komme. Punkte!
Die Tanzfläche war natürlich wieder gut besucht
Laura aus Kolumbien und ich
Die Party-Crew von links: Andrea, Boga, Laura, Paco, Carin und Cezar
Die Party endete um 5 Uhr und ich war gut bedient. Wir entschlossen uns dann auf dem Partygelände in einem der Zelte einen kleinen Nap zu nehmen und um 6 Uhr beim Sonnenaufgang die Globos zu stehen. Im Zelt aber konnte ich nicht wirklich schlafen, denn da lag ein Typ drin der schnarchte wie Papa zu den besten Zeiten. Also sowas! Ganz erbärmlich! Nachdem ich dem privart Schnarch-Konzert rund 20 Minuten gelauscht hatte, zog ich mich an und machte mich alleine auf den Weg zurück zum Festivalgelände und zu unseren Zelten. Da ich wusste, dass die anderen die nicht mit zur Party gekommen waren wie z.B. die beiden Lindas, Kary und Erick gegen 6 Uhr ihre Zelte verlassen werden, musste ich mich ziemlich sputen, denn die Party war rund 30 Minuten von unseren Zelten entfernt. Und so joggte ich morgens um halb 6, müde, ohne eine Sekunde Schlaf und noch mit ein bissschen Rest-Alkohol im Blut an all den Menschen vorbei, die sich auch auf den Weg machten, um die großen Globos (=Heißluftballone) zu sehen. Es war noch stockfinster und die Leute drehten sich alle verwirrt nach mir um, als da am frühen Morgen ohne ersichtlichen Grund ein Deutscher an ihnen vorbeirannte ganz nach dem Vorbild des Lieblingsdaddys, haha ;-)
Glücklicherweise schaffte ich es tatsächlich kurz vor 6 Uhr an unseren Zelten zu sein. Leider waren Erick und Linda schon gegangen, aber Kary lag noch in ihrem Zelt. Puuuuh. Ich war erleichtert, denn hätte ich sie nicht gefunden, ich wäre völlig alleine gewesen den gesamten Morgen, da mein Handy natürlich schon längst seinen Geist aufgegeben hatte. Und so weckte ich Kary, um mit ihr gemeinsam den Sonnenaufgang und die Globos zu sehen. Als sie aufwachte und mich ansah musste sie laut lachen. Warum? Nunja, mein Gesicht war noch voll mit Farbe, meine Hals hatte Kussflecken aus Lippenstift und meine Jeans sah aus als hätte ich sie schon seit 3 Wochen an. Muss anscheinend ne gute Party gewesen sein :D
Gemeinsam machten wir uns fertig und bei morgendlicher Kälte (pinche frio) liefen wir gemeinsam mit tausenden anderen Besuchern zum Aussichtspunkt. Und jetzt lasse ich einfach mal die Bilder sprechen:

Sonnenaufgang in Leon und der erste Globo

Müde und in Mitten tausender Menchen

Die ersten Globos heben in die Luft ab

7 Uhr morgens in Leon. Aufstieg der Globos

Vor herrlicher Kulisse unser gemeinsames Foto: Kary und ich

Grandios...

Festival del Globo Mundo
Gemeinsam genossen Kary und ich diesen Morgen, an dem die Sonne langsam aufstieg und uns  zu wärmen begann. Das war wirklich ganz großes Kino was sich hier abspielte. Für mich ein weiterer unvergesslicher Moment, zwischen all den tollen Momenten, die ich bisher hier erleben durfte. Ich war zwar nur einer von tausenden unter all den Menschen, aber fühlte mich wie der König der Welt an diesem Morgen. Die Kulissse, die Atmosphäre, die verrückte Nacht die hinter mir lag und all die Menschen, die dem Spektakel beiwohnten, das war ganz ganz groß. Und mit Kary im Arm, hatte ich auch jemanden dabei mit dem ich diesen Morgen wirklich gerne verbrachte....

Nach dem alle Ballone in die Luft gestiegen waren und der Morgen langsam älter wurde, machten auch Kary und ich uns wieder zurück auf den Weg zu unseren Zelten. Einige Minuten später tauchten dann nach und nach auch die anderen auf. Jeder hatte seine ganz einige Geschichte über die Nacht zu erzählen und jeder hatte seinen eignen Lieblingsheißluftballon gefunden an diesem Morgen. So saßen wir zusammen in unserer multikulturellen Gruppen gespickt mit zwei Deutschen, einer Schwedin, einer Italiniern und vier Mexikanern, erzählten und aßen Frühstück miteinandern in unserem Zelt. Das Frühstück bestand eigentlich nur aus Chips, Käse und etwas Saft, aber das war an diesem Morgen genug und genau richtig. Deshalb liebe ich campen, denn man kommt back to the basics. Ich fühlte mich in diesem Moment, trotz meiner Müdigkeit wirklich am Leben und superwohl. Ich mag dieses Multi-Kulti mittlerweile doch schon sehr.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf, um das tolle Wetter ein bisschen zu nutzen und das Festivalgelände zu erkunden. Auf dem Gelände gab es einige Stände, Ausstellungen und Vorführungen die wir uns anschauten. Je später es wurde, desto wärmer wurde es auch. Eigentlich schön, aber die Wärme in Kombination mit unserer Müdigkeit war tödlich für uns an diesem Tag. Also suchten wir uns ein schattiges Plätzchen, setzten uns und quatschen ein bisschen. Nach rund einer Stunde Verschnaufpause gingen wir dann langsam wieder zurück zu unseren Zelten.

Auf gehts zur Erkundungstour
Doch dann sahen Paco (alisa F. Duchmann) und ich all die Drachen am Himmel und um uns war es geschehen. Wie kleine Kinder schauten wir uns an und sagten fast gleichzeitig: "I want a kite!"
Und so kauften wir uns gemeinsam unseren Marine-Drachen und ließen ihn steigen. Es war optimales Wetter dafür, denn es war ein leichter Wind und Sonne. Ich glaube ich habe das letzte Mal einen Drachen steigen lassen da war ich 10 Jahre alt. Als ich nun den Drachen in meiner Hand hatte und er so durch den Himmel schwirrte, da fühlte ich mich wie ein kleines Kind zwischen all den anderen kleinen Kindern, die auch ihre Drachen steigen ließen. Ahaaaa, einfach geil dieses Gefühl!  Ich denke man sollte in seinem Leben immer ein kleines bisschen Kind bleiben und sich über diese kleinen Dinge wie z.B. einen Drachen steigen zu lassen, freuen können als hätte man im Lotto gewonnen. Ich denke nur wer in sich immer ein kleines bisschen Kind bewahrt, wird sich am Leben erfreuen. Das Leben ist zu ernst, um es immer ernst zu nehmen. Und Kindsein war doch immer noch das Schönste oder nicht?

Das Ende unseres Drachens ist dann schnell erzählt: Ich ließ ihn mit dem ganzen Faden nach oben steigen, bis er der höchste Drachen auf dem Gelände war, als mir plötzlich der Faden aus den Händen glitt, der Drachen sich selbstständig machten und irgendwo im Himmel verschwand. Wahrscheinlich fliegt er heute noch, guggt heut mal in Häääschde an den Himmel, vielleich könnt ihr ihn ja sehen :D
Pacco mit unserem Drachen
Nachdem schönen Mittag machten wir uns dann auf den Weg zurück zu den Zelten. Da fast alle ziemlich fertig waren von der Nacht zuvor nutzten wir die Zeit bis zur Heimfahrt um uns ein bisschen auszuruhen und zu schlafen. Und das war auch bitter nötig!
Was Alkohol und wenig Schlaf aus Menschen macht....
Anschließend packten wir all unsere Sachen zusammen und liefen wieder vollgepackt von oben bis unten zurück zum Ausgang. Zum Glück sammelte uns dieses Mal eine kleine Bahn ein, sodass wir nicht den gesamten Weg wieder zurück laufen mussten wie am Vortag. Das war echt ein Gottesgeschenk an diesem Tag!:D Den Rest der Zeit nutzten wir dann um noch ein kleines Mittagessen zu haben, bevor wir dann gegen halb 5 in den Bus einstiegen und wieder nach AGS fuhren.

Letztes Mittagessen in Leon
Ein weiteres supertolles Wochenende war also schon wieder Geschichte. Ich hatte wieder einiges erlebt und einige Geschichten im Gepäck, die euch mal in Ruhe erzählen kann. Das Festival Internacional del Globo Mundo war auf jeden Fall seine Reise wert und ein gelunger Abschluss einer weiteren tollen Woche hier.

So, das war also meine insgesamt 5. Woche hier in AGS. Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und verzeiht mir all die kleinen Rechtschreib- und Grammatikfehler die ich ab und zu mache.
Ach ja was ich euch noch sagen wollte: Falls jemand Lust hat mich hier in Mexiko zu besuchen, dann ist er oder sie herzlich eingeladen. Ich würde mich über euren Besuch wirklich sehr freuen! Nutzt die Gelegenheit und kommt in dieses faszinierende Land. Ganz so schnell wird sich so eine Möglichkeit nicht wieder anbieten. Also, überlegt es euch. Auch wenn es teuer ist, die Reise ist es auf jeden Fall wert.

Also vielleicht bis ganz bald und liebe Grüße ans kalte Deutschland. Ich denk an euch!!


Euer Pascal