Dienstag, 3. Februar 2015

Fragen zur Zukunft, famoser Auftritt, Frauen & Freiheit - Eso es Mexico!

 Hallloooo und Hola meine lieben Freunde,

so kurz nach eurem wohlverdienten Wochenende melde ich mich mal wieder zu Wort und berichte euch von meiner abgelaufenen, der mittlerweile 15. Woche  hier in Mexiko, Aguascalientes. Was war diese Woche los? Was ist passiert? So einiges. Auch diese Woche war wieder vollgepackt mit vielen außergewöhnlichen Momenten und Personen. Da wäre zum Beispiel meine Präsentation vor über 70 Studenten, eine tolle neue Frau namens Mercedes und ein Reitabenteuer welches vielleicht meine ultimative Mexiko-Erfahrung schlechthin war. Auch was meine berufliche Zukunft anbelangt, gibt Neuigkeiten zu vermelden. Alle Details, Erfahrungen, Gedanken und Gefühle zur letzten Woche gibt es nun. Wie immer wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen :)


The "International Week 2015" at UTR und mein großer Auftritt

Die abgelaufene Woche vom 19.01 - 25.01.2015 war eine ganz spezielle Woche für die UTR, denn in dieser fand die erste "International Week" in der noch jungen Geschichte der Universidad statt. Diese Woche stand ganz im Zeichen der internationalen Ausrichtung der Uni und ich durfte mittdrin statt nur dabei sein.

Am Montagmorgen wurde die "International Week" ganz feierlich mit einer Eröffnungszeromonie eingeläutet. Die gesamte Schüler- und Lehrerschaft versammelte sich an vor dem Haupteingang der Uni um bei der Eröffnung live dabei zu sein. Zu Beginn der Zeremonie gab es zunächst eine Ansprache unserer Chefin bevor anschließend ganz patriotistisch die mexikanische Nationalhymne eingespielt und von einigen Studenten gesungen wurde. Die Nationalhymne ist das Ergebnis eines Wettbewerbs mit mehr als 15 Teilnehmern, der durch den damaligen Präsidenten General Marino Arista ausgeschrieben worden war. Eine Art Mexiko sucht die Nationalhymne also, leider ohne Dieter Bohlen tippe ich ;-) Die Nationalhymne - Mexicanos al grito de guerra - wurde dann offiziell 1854 bei den Feiern zur mexikanischen Unabhängigkeit vorgestellt. Die Hymne handelt  über die mexikanischen Siege und ruft gleichzeitig zur Verteidigung des Vaterlandes auf. Die ganze Hymne geht  normalerweise über 5 Strophen und dauert über 5 Minuten. Bei offiziellen Anlässen wie z..B. diese Erföffungszeremonie einer war, werden aber nur die ersten beiden Strophen gesungen, sodass das Spektakel nach zwei Minuten vorbei war. Fast alle sangen die Hymne kräftig mit, während sie ihren Arm in Soldatenmanier am Herz hielten. Es war das erste Mal, dass ich live dabei war als die Nationalhymne gesungen wurde. Die Hymne klingt für mich irgendwie ein bisschen nach der DDR-Hymne. Mir gefällt sie ohne Zweifel, aber die deuutsche Nationalhymne hat für mich dann doch mehr Bedeutung. Nach der Hymne wurde die mexikanische Flagge gehisst und zu Ehren dieser ("honeres de bandera") ein kleiner Soldatenmarsch aufgeführt. Für mich war das Ganze ein bisschen "raro" wie man hier in Mexiko sagt, aber es zeigte mal wieder den so typischen Landesstolz der Mexikaner und ihre Vorliebe für Traditionen.  Und mir gefaellt einfach dieser Stolz auf sein Land, seine Wurzel und seine Herkunft.

Schueler singen die mexikanische Nationalhymne
Die mexikanische Flagge darf natuerlich auch nicht fehlen

Zum Abschluss der Zeremonie wurde dann " International Week" offiziell eröffnet in dem symbolisch das Eroeffnungsband durchgeschnitten wurde. Neben einigen Vertreter des Staates Aguascalientes und unserer Chefin war auch Paco der AIESEC-President Aguascalientes (also mein Boss) dabei. Der Startschuss für eine Woche gefüllt mit internationalem Flair, Vorträgen, Präsentationen und Workshops war damit also gefallen.
Offizielle Eroeffnung der International Week an der UTR (links Paco mein AIESEC-Boss)


Bei dieser Woche rund um internationale Themen und Lebensaspekte durfte natürlich der Deutsche, El Aleman, nicht fehlen. Wer sonst würde Internationalität so gut repräsentieren wie dieser junge, sympathische, gutaussehnde, charmante, hochintelligente, frauen- und bieraffine Deutsche namens Pascal Keller? Kleiner Scherz am Rande, aber im Prinzip isses so ;-)
In der Vorwoche sprach mich unser Sprachen-Koordinator Jesus Roman (na wenn das nicht mal ein Name ist weiß ich auch nicht mehr) kurz an, ob ich  als Redner während der Eventreihe zur Verfügung stehe, denn unheimlich viele Studenten als auch Lehrer wären an Deutschland interessiert. Natürlich sagte ich ohne große Bedenkzeit zu. Thema meines Vortrages sollte ein grober Überblick über die Voraussetzungen sein, um in Deutschland arbeiten bzw. studieren zu können. Als ich das Thema hörte, dachte ich mir: " Die Präsentation haste` gleich gemacht, easy peacy". Haha, schön wärs gewesen. Den halben Sonntagabend und den ganzen Montagabend saß ich an der verdammten Powerpoint-Präsentation. Das Ganze war doch mehr Arbeit als erwartet, denn ich musste mich erstmal in die ganzen Voraussetzungen einlesen. Ich hatte tatsächlich keinerlei Ahnung was man so braucht um in Deutschland zu studieren oder zu arbeiten. Oder wüsstet ihr ob man in Deutschland ein VISA braucht und wenn ja ab wann und wie lang usw.?

Am Dienstagmorgen um halb 10 war es dann soweit: Meine Präsentation stand bevor. Alles war angerichtet. Nach und nach füllte sich der große Audio-Hörsaal mit Studenten, sowie Kollegen und anderen Mitarbeitern. Das Adutorium war mit ueber 70 Personen komplett besetzt. Ich würde lügen, würde ich sagen ich wäre nicht ein kleines bisschen aufgeregt gewesen, als ich all die Menschen vor mir sah. Aber neben dieser Aufgregung war da auch ein Gefühl von absoluter Freude die Moeglichkeit zu bekommen vor all diesen Leuten zu sprechen zu duerfen, die alle nur wegen mir bzw. Deutschland gekommen waren. Mit diesem Mix aus Anspannung und Vorfreude legte ich ganz entspannt los und mit jedem Wort das ich sagte, legte sich die Aufregung und wandelte sich in puren Spaß am Reden. Präsentationen halten, vor anderen Reden und selbstbewusst auftreten, das waren schon seit der Schulzeit meine Stärken. Und das ich in den letzten Jahren an meinem Englisch gefeilt hatte, machte sich jetzt auch bezahlt. Wenn man bedenkt, dass Mama in der 5.Klasse schier verzweifelt dabei ist mir Englisch beizubringen und ich jetzt völlig frei Vorträge in dieser Sprache halte, dann ist das beinahe unwirklich für mich und gleichzeitig macht es mich auch ein kleines bisschen stolz. Englisch ist mittlerweile mein zweite Sprache und obwohl Deutsch natürlich immer meine 1. Sprache bleiben wird, hat sich Englisch in den letzten Monaten zu einer absoluten Komfort-Zone entwickelt in der ich mich pudelwohl fühle. You wanna talk in English? All right here we go!Yeah man!

Die Präsentation lief  einwanfruuuui. Ich stellte zunächst ein wenig Deutschland vor, nannte einige interessante Fakten und ging anschließend auf die Arbeits-und Studienvoraussetzungen in Deutschland ein. Mittlerweile habe ich so oft ueber Deutschland, seine Menschen und Traditionen gesprochen, dass ich tatsaechlich ein kleiner Deutschland-Experte geworden bin. Je mehr man sich mit jemandem oder etwas auseinander setzt desto mehr faengt man etwas zu schaetzen und genau das ist auf eine komisch Weise mit mir passiert. Ja ich schätze Deutschland, ja mag Deutschland! Es bereitet mir Freude "mein" Land zu repraesentieren und es macht mich auch stolz ein Teil dieser grossartigen Nation zu sein, die überall auf der Welt einen so guten Ruf genießt. So emotional das klingen mag, aber genau das ist was ich denke.

Ich endete meinen Vortrag mit den Cultural differences zwischen Mexiko und Deutschland, wo ich natürlich so einige persönliche Geschichten aus meinen vergangenen vier Monaten erzählen konnte und einige Lacher auf meiner Seite hatte. Humor ist doch die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen :) Höflich verabschiedete ich mich und lud alle Anwesenden ein nach Deutschland zu kommen. Vamos a Alemania! Nach knapp 80 Minuten war mein kleiner, großer Auftritt auch schon wieder Geschichte. Bei einem warmen Applaus stand ich auf der Buehne und strahlte einfach nur. Ich war glücklich und zufrieden. Die UTR ueberreichte mir am Ende dann noch eine "Reconocimiento", eine Art Urkunde, fuer die Teilnahme an der International Week. Ich war stolz! Ich hatte  meiner Sammlung "Besondere Mexiko-Momente"einen weiterer kleinen Mosaikstein hinzugefuegt.




Aufmerksame Hoererschaft


Offizielle Urkunde fuer die Teilnahme an der International Week
Neben meinem Vortrag gab es waehrend der International Week auch Dutzende weitere Praesentationen, Vortraege und Workshops rund um das Thema Auslandserfahrung. Beispielsweise gaben auch die zwei Amerikaner die mit mir hier an der UTR sind einen kleinen Talk. , Patrick und Analesa, die hier liebevoll Gringos genannt werden, sind beide super sympathisch, was vielleicht auch daran liegt, dass die beiden deutsche Nachnamen haben (Zimmermann und Gaebler).Gringo bezeichnet hier in Mexiko normalerweise spezifisch einen US-Bürger und kommt von  der Anweisung"Green go" - im Krieg zwischen USA und Mexiko wegen der grünen Uniformen der nordamerikanischen Soldaten.

Leider schaffte ich es aufgrund meines engen Studenplanes nur Analesas Vortrag mittwochs ueber das Studentenleben und die Kredit-Problematik amerikanischer Studenten zu hoeren. Und dieser Vortrag war fuer mich sehr hoerenswert als Europaer der sich mit der Studenten-Kultur in den USA noch nicht so auseinandergesetzt hatte. Mir war bewusst, dass das Studenten-Leben dort anders, etwas spezieller ist aber das es so anders ist haette ich nicht gedacht. In Amerika leben die meisten Studenten am Uni-Campus und haben dort vom Schwimmbad bis hin zum Doktor alles was sie zum Leben brauchen. Sie verbringen den Grossteil ihres Tages deshalb auf dem Campus um dort zu studieren, Freunde zu treffen oder einfach Spass zu haben.Und die Uni-Parties sind tatsaechlich so verrueckt wie sie in manchen Filmen dargestellt werden (Yeah, eine Illusion mehr an die ich glauben kann :D). Die Uni-Vorlesungen sind sehr begrenzt. Meistens hat man als Student nur zwischen 8-10 Stunden woechentlich Vorlesung, die weniger einer Vorlesung denn einer Gruppendiskussion aehneln. Der Rest wird selbststaendig in Heimarbeit gelernt und erarbeitet- studieren im wahrsten Sinne des Wortes eben. Die Studenten in den USA werden also schon frueh zur Eigenstaendigkeit und zu selbststaendigem Handeln erzogen. Sie bestimmen wann sie zur Uni gehen, welche Kurse sie besuchen und wie lange sie studieren. Zudem bekommen sie in den ersten Jahren eine bereite Ausbildung in allen sozialen und kulturellen Bereichen bevor sie sich erst im dritten Jahr auf ein Fachrichtung spezialisieren. Ich halte dieses System auf den ersten Blick fuer sehr gut, sollte aber aufgrund eines Vortrages vielleicht nicht zu vorschnell urteilen. Neben all den positiven gibt es naemlich auch einen gewaltigen Schwachpunkt am Studiensystem in den USA: Der Studienkredit. Im Durschnitt nehmen der Studenten in ihren 4 Jahren Studium einen Kredit von mehr als 180.000 $ auf. 180.000$? Meine Guete, das sind 150.000 Euro und mehr als manche in ihrem gesamten Leben verdienen. Mit 150.000 Euro kann man sein eigenes Unternehmen gruenden oder 10 Jahre durch die Welt reisen. Wer in den USA also studieren will begibt sich ohne reiche Eltern in einen finanziellen Sog, der vielleicht ein lebenlang anhalten kann. Haltet euch das mal vor Augen: Du bekommst deinen Abschluss und gleichzeitig weisst du, dass du ueber 150.000 Euro schulden hast und die abbezahlen musst. Na Happy Birthday! Faulenzen nach dem Studium kannst du fuer immer vergessen!
Interessanter Vortrag von Analesa ueber die Kredit-Problematik in den USA
Auch ich liess mir diesen Vortrag nicht entgehen... wer findet mich?
In den restlichen Tagen der international Week gab unzaehlige weitere kleine Highlights, wie zum Beispiel eine kleine Geburtstagsfeier eines Lehrerkollegen, einen Flash-Mob oder meine kleine, spontane Praesentation im Rahmen des AIESEC Global Talent-Programm, welches den Studenten an der UTR vorgestellt wurde. Hier ein paar kleine Ausschnitte rund um die Woche:


Flash-Mob


Gabi und ich sprechen über das Global Talent Programm von AIESEC

Kein Sex vor der Ehe? Kulturelle Unterschiede zw. Mexiko und Deutschland

Neben meinem ueblichen Unterricht im GLS-Projekt gebe ich, wie im letzten Post erwaehnt, auch Deutsch-Unterricht fuer Schueler und Lehrer. Meine Studenten, Schueler als auch Lehrer, sind sehr sehr an der deutschen Sprache, aber vor allem an Deutschland als Land  und den "Deutschen" interessiert. In meiner kurzen Praesentationen ueber Deutschland die ich zu Anfang meiner ersten Deutschstunden hielt,ging ich auch kurz auf die Problematik der Kinderarmut und Familienproblematik in Deutschland eingegangen, die dazu fuehrt das unser Land in den kommenden Jahren mit einer zunehmenden Populationsschrumpfung zu kaempfen haben wird. Aus diesem kleinen Aspekt entwickelte sich mit meinen Schueler als auch mit den Lehrern eine aüßerst spannende Diskussion um den Stellenwert von Familie und über die kulturellen sowie traditionellen Unterschiede zwischen Mexiko und Deutschland. Diese Diskussionen waren für mich so außergewöhnlich, dass ich die Hauptinhalte mit euch teilen möchte, damit ihr Mexiko besser versteht. Um was ging es genau?

1.) Der Stellenwert der Familie in Mexiko und in Deutschland

Während in Deutschland die Familie sicherlich einen wichtigen Platz in der Gesellschaft einnimmt, so schwindet ihre Relevanz doch mit zunehmender Geschwindigkeit. War früher die Familie noch klar auf Platz 1, so haben nun Karriere und persönliches Vergnügen die ersten zwei Plätze eingenommen. Erst auf Platz 3 läuft dann die Familie ein. In kaum einem anderen Land der Welt zählt die Familie so wenig wie in Deutschland. Das ist  zumindest das Ergebnis einer Studie, die am Institut zurZukunft der Arbeit (IZA) in Bonn erschienen ist. Auf lange Sicht ist die Familie  in Deutschland von der sinkenden Geburtenrate bedroht. Diese liegt derzeit statistisch gesehen bei 1,4 Kindern je Frau. Vergegenwärtigt man sich, dass mit Beginn der Industrialisierung, also vor rund 140 Jahren, eine Frau hierzulande durchschnittlich 4,7 Kindern das Leben schenkte, wird die ganze Dramatik dieser Entwicklung deutlich. Für unsere Generation steht die Familie sicher nicht mehr ganz oben auf der Liste. Frauen wollen nicht mehr "nur" Mütter sein, sondern ihre eigene Karriere verfolgen. Unser Streben nach Selbstverwirklichung im Beruf geschehen auf Kosten von Mutterschaft oder Vaterschaft. Das Streben nach Glück, Freiheit und einem coolen Leben kollidiert mit der lebenslangen Verantwortung, die Familie mit sich bringt.Kinder haben? Puuuuh, erstmal nicht. Kein Bock. Viel zu anstregend. Erstmal leben genießen und so. YOLO you only live once. Kinder kommen dann wenn man seine Karriere hat, wenn man Geld hat und wenn man dazu bereit ist. Doch ist man dazu jemals bereit? Und ist Mutter oder Vater sein nicht mindestens genauso cool wie der nächste Urlaub in Thailand? Wenn ich mich mit den jungen Mädels/Frauen in Deutschland so unterhalte, finde ich es bedenklich was manche da so von sich geben. "Meine Kinder sind mein Hobby. Ich spiele eben nicht Golf oder gehe segeln." Diese Sätze sagte  z.B. die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Evelyn Nikutta, der "Süddeutschen Zeitung". Sind wir wirklich schon soweit das Kinder und Familie nur noch Hobbies sind?  Kinder als Statussymbolen und  als netter Zeitvertreib?  Ich halte diese Entwicklung für bedenklich.

Ganz anders die Familie in Meixko. Familie hat hier einen ganz ganz besonderen Stellenwert im täglichen Leben und in der Gesellschaft. Die Familie ist in Mexiko das Herz und die Seele der gesellschaftlichen Struktur. Die Großfamilie war und ist seit jeher die Stütze der Gesellschaft. Die Rolle der Familie ist denke ich in jeder Kultur entscheidend für die gesellschaftliche und für die politische Struktur des Landes, aber hier in Mexiko ganz speziell. Familie wird in Mexiko noch weitgehend traditionell, konservativ verstanden und entsprechend gelebt. An den Familienstrukturen, auch am Bild einer idealen Familie, hat sich seit vielen Jahrhunderten in Mexiko wenig geändert. So prägt die Familie weiterhin die Menschen hier weit mehr, als dies in europäischen Ländern Kindergarten, Schule, Freunde, Internet, Freizeitgruppen und / oder Studienkommilitonen tun. Heute leben noch fast 90 Prozent der Mexikaner in einer Familie, während etwa in Deutschland ca. 50 Prozent aller Haushalte aus Singles bestehen. Ein weiterer Unterschied ist augenfällig: Während die meisten europäischen Familien aus Eltern und ein bis zwei Kindern bestehen, umfasst eine typische mexikanische Familie neben Vater, Mutter oftmals  zwischen 4-8 Söhnen bzw. Töchtern  und dazu auch Neffen und Nichten, Onkel und Tanten,Cousins und Cousinen und - zumindest in wohlhabenden Verhältnissen - die verschiedenen Hausangestellten wie Kindermädchen, Gärtner, Chauffeur und und und. Jeder kennt hier jeden und zwischen allen Familienmitglieder herrscht ein enges Verhältnis. Es ist im wahrsten Sinne eine Großfamilie.  Bei uns in Deutschland sehen manche ihren Cousin nur sehr selten oder kennen ihn noch nicht mal wirklich. Das wäre hier unmöglich!


In Mexiko fungiert die Großfamilie auch als eine Art Wohlfahrtsinstitution, und zwar noch vor der Kirche und vorallem vor dem Staat. Hier gibt es keinen Sozialstaat wie in Deutschland, der für dich sorgt wenn du arbeitslos bist, der dir Kindergeld gibt, der dir im Falle der Arbeitsunfähigkeit hilft, der im Großen und Ganzen für dein soziales Wohergehen sorgt. Diesen Part übernimmt hier die Familie. Gegenüber Verwandten gleicht sie damit die soziale Not aus, wenn zum Beispiel ein Familienangehöriger arbeitsunfähig, krank oder arbeitslos wird, kann er sich dann auf seine Familie verlassen. Die durch Krankheit oder Arbeitslosigkeit des Familienangehörigen damit auch in Not geratene Familie wird dann von der Großfamilie unter Umständen im Haus aufgenommen und „mit durchgefüttert“.Diese Herzlichkeit unter der eigenen Familie tragen die Mexikaner auch an die Touristen weiter, nur so ist zu erklären, dass ich hier so wunderbar aufgenommen wurde. Es ist diese Herzlichkeit und Offenheit der Mexikaner auch fremde in ihre Großfamilie aufzunehmen, die mich nachhaltig begeistert hat.  "Mi casa es tu casa" ("Mein Haus ist dein Haus") das ist wohl einer der Hauptlektionen die ich hier in Mexiko gelernt habe.

2.) Freiwillige Abhängigkeit als Hindernis für Entwicklung

So toll ich das Familienbild in Mexiko auch finde, so verhindert das enge Familienverhältnis und die  traditionelle Großfamilie auch die Weiterentwicklung des Landes. Die jungen Menschen, wie z.B. auch Diego wohnen bis Mitte oder beinahe Ende 20 noch bei ihren Eltern und leben mit deren Regeln und Traditionen. Während in Deutschland mit Anfang 20 viele junge Menschen ausziehen und in ihre eigene Wohnung ziehen, um ihr eigenes Leben zu leben, ziehen es die Mexikaner vor wohlbehütet bei ihren Familien wohnen zu bleiben. Damit geht vielen jungen Mexikanern meiner Meinung nach der wichtigste Schritt auf dem Weg ein Erwachserner zu werden verloren: Die Aufgabe selbst über sein Leben zu bestimmen. Nur wenn man mal alleine gewohnt hat und jeden Tag selbst entscheiden muss was man macht, was man isst, was man einkauft, wann man aufräumt usw. lernt man für sich selbstverantwortlich zu sein. Weg von der Familie, bedeutet weg aus der Komfort-Zone, bedeutet allein verantwortlich zu sein. Da ist keine Mama mehr die dir kocht und kein Papa mehr der deine Rechnungen bezahlt. Plötzlich musst du alles alleine schaffen und auch wenn es am Anfang schwierig ist und man so manche Fehler, bekommt man das mit der Zeit doch irgendwie hin. Und genau aus diesen Erfahrungen lernt man am aller meisten. Es ist für mich DER wichtigste Schritt um Erwachsen zu werden. Doch hier wird dieser Schritt übersprungen. Die Mexikaner leben bis spät mit ihren Eltern zusammen und bleiben in ihrer wohlbehüteten Umgebung. Diego bspw. ist super intelligent beim Programmieren, aber müsste er von heute auf Morgen seine eigenen Entscheidungen treffe wäre er völlig überfordert. Seine Entscheidungen werden ihm von seinen Eltern abgenommen, die ihm täglich sagen was er zu tun und zu lassen hat, frei nach dem Credo:Solang du deine Füße unter meinen Tisch streckst, machst du was ich sage! Sagen dir deine Eltern du sollst um 4 Uhr zuhause sein nachts, dann kommst du auch um 4 Uhr nach Hause. Egal ob du 18 oder 27 Jahre bist. Und wenn du später bist, kannst du sicher sein, dass deine Mama 10x auf deinem Handy anruft und nachfrägt was los ist. Somit sind die jungen Mexikaner hier in einer Art freiwilligen Abhängigkeit gefangen. So lange sie mit der Familie wohnen haben sie auch die Regeln zu befolgen. Basta. Schluss aus. Eine Widerrede gibt es nicht. Wäre ich Diego, ich wäre schon 100 x ausgezogen, wenn ich jeden Samstag um 8 Uhr aufstehen müsste obwohl ich das nicht will, oder ständig Rechenschaft ablegen müsste, wo ich hin gehe, wann,  mit wem und wie lange. Aber hier wird das einfach akzeptiert. Zu revoluzzen, Nein zu sagen, frech zu sein, dass erlaubt sich hier niemand. Man befolgt die Regeln und passt sich an. Und irgendwann findet man dann eine Frau, heiratet und dann gibt diese die Regeln vor. Wirklich alleine, zumindest für eine gewisse Zeit, leben die wenigsten Mexikaner. So verpassen sie den wichtigen Schritt sich selbst zu finden, sich selbst zu erkunden, eigene Sichtweisen zu entwicklen und ihren eigenen Weg zu gehen- schlichtweg ihr Leben zu führen. Das ist meiner Meinung nach einder Hauptgründe warum sich hier in Mexiko in all den Jahrzehnten nichts wirklich  verändert hat und vermutlich auch nie wird.

3.) Sex als Tabu-Thema

Das Thema Sex spielt hier in Mexiko eine ganz andere Rolle als in Deutschland. Während in Deutschland darüber sehr offen gesprochen wird und Sex sowie offene Sexualität (Lesben/Homos) ein fester Bestandteil der deutschen Kultur geworden sind gleicht Sex in Mexiko einem Tabuthema. Seitdem ich mit meiner Familie hier wohne haben wir noch kein einziges Mal über Frauen oder Sex gesprochen. Dieses Thema gibt es hier nicht. Auch in den Schulen wird Sexualkunde nicht wirklich unterrichtet. Es wird einfach totgeschwiegen. Die Kinder werden von ihren Eltern nicht aufgeklärt. Aufklärung findet beim Tuen statt. Somit ist auch zu erklären, dass es hier so verdammt viele junge Mütter gibt. An der UTR gibt es einige Schüler die mit 18 Jahren schon zwei Kinder haben und verheiratet sind. Spreche ich mit ihnen und frage sie ob die Kinder gewollt waren, sprechen sie von "Jein", sprechen sie von einem Art "Unfall". Wie kann ein Kind bitte ein Unfall sein? Genau, nur wenn es kein Wissen über Verhütung gibt. Kondome kann man hier zwar überall kaufen, aber über die Pille wissen nur die wenigsten Bescheid. Ich kenne hier keine Frau die die Pille nimmt. Würde man für die Pille fragen, würde man damit offen zugeben, dass man Sex haben will ohne Kinder zu bekommen. Das widerspricht einesrseits streng dem katholischen Glauben, aber andererseits würde man auch zugeben, dass man eine Art Hure ist, so die Aussage der Mädels. Auch die "Pille danach" ist also keine Option, denn geht man hier zum Arzt und fragt nach dieser Pille, wird man noch als Hure abgestempelt, die Sex vor ihrer Ehe hatte und nun auch noch ein Kind verhindern will. Die Religion (obwohl die jungen Leute nicht wirklich gläubig sind) und der Druck der Gesellschaft verhindern ein offenes Umgehen mit dem Thema Sex und Verhütung. Es wird einfach ein Schweigemantel darüber gelegt. Sex hat man hier nicht in seinem eigenen Haus oder seinem Zimmer, sondern in einem Motel irgendwo in der Stadt. Es gibt hier ein richtiges Sex-Buisness für Motels. Freitag, Samstag und Sonntag ist beinahe jedes Motel ausgebucht ab 22 Uhr, da ganz AGS seinem heimlichen Vergnügen nachgeht. Trifft sich hier also in einer Bar und falls dann ernster werden soll, braucht man ein Auto, fährt zum nächstbesten Motel, zahlt seine 350 Pesos (20 Euro) und kann seinen Spaß haben. Alles natürlich geheim und nur für zwei-drei Stunden, dann folgt das nächste Pärchen. Es ist schon irre, was sich aus diesen stupiden Traditionen rund um Sex hier entwickelt hat.

4.) Wegen Abtreibung ins Gefängnis

Auch das Thema Abtreibung  ist hier äußerst brisant: Jedes Jahr sterben in Mexiko Tausende von Frauen infolge von illegal und stümperhaft durchgeführten Abtreibungen, andere werden zu Haftstrafen verurteilt. Der Grund dafür sind zum einen die Abtreibungsgesetze, zum anderen die hohe Zahl an ungewollten Schwangerschaften. Dabei spielen zahlreiche Faktoren zusammen: falsche Moralvorstellungen, die den Frauen ihr Recht auf Selbstbestimmung absprechen, ungenügende Sexualaufklärung und die weit verbreitete sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen.
Noch immer ist Abtreibung im gesamten Staatsgebiet Mexikos illegal. Die einzige Ausnahme bildet Mexiko-Stadt. Hier sind Schwangerschaftsabbrüche seit einer Gesetzesreform in 2007 in vereinzelten Fällen gesetzlich erlaub. Das ist schon krass, wenn man sich vor Augen führt, dass eine Abtreibung in Deutschland teilweise als "normal" angesehen wird.

5.) Freundin im Haus? Fehlanzeige. Stattdessen lügen das sich die Balken biegen

Freundin im Haus obwohl man nicht verheiratet ist? Uhhhlala, da ist man in Mexiko eher vorsichtig mit. Bestes Beispiel Diego: Er hat seit knapp nem halben Jahr mehr oder minder eine feste Freundin namens Alexa. Jedoch weiß das außer ich und ein, zwei Freunde niemand, vor allem nicht seine Familie. Diego und Alexa sehen sich regelmäßig, machen natürlich auch mehr als sich nur zu küssen, aber das alles ganz ganz geheim und ohne das jemand davon was mitbekommt.  Sie haben Angst, dass ihre Familien gleich von einer Hochzeit oder Kindern reden, weshalb sie lieber geheim bleiben. Anderes Beispiel Jonathan: Als er mit einer Freundin an den Strand gefahren ist um dort zu zweit ein bisschen Urlaub zu machen, erzählte er seiner Familie er fahre mit mir und einigen Freunden nach Guadalajara zu einem Stadttrip. Er konnte seinen Eltern nicht sagen, dass er alleine mit einem Mädel ist, dass er nicht liebt und nicht heiratet - mit 24 Jahren. Um die Traditionen zu bewahren wird hier halt gelogen das sich die Balken biegen. So lange du noch bei deinen Eltern wohnst, egal ob mit 18 oder mit 27 Jahren, sind Freundinen eine Art Tabu, solange sie nicht deine Verlobte ist. Für mich als Europäer ist das nur noch zum Kopfschütteln. Ich dachte ja manchmal meine Eltern seien konservativ, aber seit ich hier in Mexiko bin, hat Konservatismus für mich eine komplett neue Dimension. Mama und Papa, danke, dass ich mit 15 Jahren meine Freundin haben durfte und Mama Entschuldigung, dass ich mir nie ein Motel genommen habe. Nun weiß ich es zu schätzen!

Die Gesichter sagen es: Deutsche Sprache, schwere Sprache


Die herrliche Landschaft Aguascalientes & eine tolle Frau

Diese Woche war auch eine Art "Mercedes- Woche". Nein, damit meine ich nicht, dass ich mit einem Mercedes rumgekurvt bin. Damit spreche ich auf eine super-tolle Frau namens Mercedes an, die ich kennenlernen durfte seit ich an der UTR arbeite.
Mercedes in ihrem Buero an der uTR
Mercedes arbeitet dort im Marketing und seit dem ersten Tag an dem ich sie gesehen habe dachte ich (Frauen bitte nicht lesen): "Woooah, scharfes Teil! Was eine hübsche Frau! Die will ich kennenlernen!" Und ja, wie das nunmal so ist mit mir (ich alter Schlawiner) lernten wir uns tatsächlich letzte Woche auf der Einstandsfeier der Lehrer kennen und mein Eindruck bestätigte sich: " Rrrrrrrrr...Schwert!" Ich weiß ihr sagt jetzt: Ey du A...loch., du hast doch schon ne Perle! Aber das heißt ja nicht, dass man nicht ein bisschen flirten darf, gerade in nem fremden Land und wenn man weiß dass man bald geht. Ich finde hier in Mexiko ist das erlaubt und so fragt ich Mercedes ob sie Bock hätte mal was zu unternehmen. Das Ja liess nicht lange warten. Und so fuhren wir am Mittwochnachmittag nach meinem Unterricht gemeinsam  in ihrem roten Flitzer von der UTR zu unserem ersten gemeinsamen Treffen. Mercedes "entführte" mich an einen der wohl schönsten Flecke hier in AGS. Bei strahlendem Sonnenschein kamen wir an einem kleinen "Presa" an und ich war völlig geflasht. Es war ein kleiner natürlicher See der umringt war von der herrlichen Berglandschaft Aguascalientes. Der Wind blies uns ins Gesicht, während wir einfach nur da standen und die Aussicht genossen.Was für ein Panorama! Wir setzten uns auf das Steinufer des Sees und fingen an ein bisschen zu plaudern. Nach und nach gewannen wir Vertrauen und wir erzählten Non-Stop.








La puesta del sol - Der Sonnenuntergang in Aguascalientes
Ohhhhooo, no photos, por favor!
Leckere japanisch /mexikanische Kueche

Ich war wirklich sehr sehr angetan von ihr. Sie ist wirklich eine reife Frau mit ihren 25 Jahren. Sie weiß genau was sie will und wann sie es will. Sie ist viefältig interessiert,talentiert, hat eine super positive Lebenseinstellung und ein fantastisches Lächeln. Und vorallem: Sie ist nicht die typische mexikanische Frau, sondern eher europaeisch. Sie trägt Tattoos (hier sehr ungewöhnlich), sie kleidet sich extravagant und nicht verheiratet und hat keine Kinder. Sie ist also nicht nur hübsch, sondern auch als Charakter sehr interessant und sympathisch. Eine klasse Frau!
Wir verbrachten den gesamten Nachmittag zusammen und landeten am Ende in einem japanischen Restaurant. Bei leckerem japanisch-mexikanischen Essen ließen wir dann den Tag ausklingen. Ich hatte mich auf jeden Fall ein bisschen verguggt, haha. Mal sehen, was sich da so entwickelt die nächsten paar Wochen. Ich bin gespannt :)


Was bringt die Zukunft? Nun also doch Master? Deggendorf als neue Zukunftsoption

Wer meinen letzten Eintrag gelesen hat, der hat wahrscheinlich auch den kleinen Abschnitt über meine komischen Gefühle gelesen die einem Mix aus Ängsten und Zweifel bezüglich meiner beruflichen Zukunft entsprangen. Die Frage die sich mir letzte Woche so deutlich stellte war: Was will bzw. werde ich nach meiner Ankunft in  Deutschland tuen? Arbeiten, Master machen, Praktikum machen, eine Auszeit nehmen, Reisen? Ich war mir unsicherer denn je was ich wirklich mit meinem beruflichen Leben in den kommenden 1-2 Jahren anstellen werde. Und all die Optionen, die mir offen standen, machten mich mehr und mehr unsicher. Ich war mir nur in einer Sache fast sicher: Ich werde im Sommersemester keinen Master machen. Ich wollte verschiedene Praktikas in Angriff nehmen. Und wie das nunmal so ist im Leben, kommt dann doch  manchmal alles ganz anders als man denkt. So auch dieses Mal. Am Donnerstagmorgen überfolg ich wie ganz gewöhnlich meine neuen Mails als ich plötzlich bei dem Wort "ZULASSUNGSBESCHEID" hängen blieb.


Schnell öffnete ich die Mail und was ich da sah, machte mich irgendwie glücklich und unsicher zugleich: Es war der Zulassungsbescheid für meinen Master an der FH in Deggendorf (Bayern) für den Masterstudiengang "Internationales und Strategisches Management". Wenn es einen Masterplatz gab für den ich mich bei all den Bewerbungen wirklich interessierte war es dieser. Warum? Nunja, der Studiengang wird komplett in Englisch abgehalten und hat zudem ein intregiertes Auslandssemster (evtl. in Brasilien oder Frankreich) im letzten der drei Studiensemster, was für mich natürlich ein besonderer Anreiz war. Zudem hat die FH Deggendorf einen ausgezeichneten Ruf und bietet ein super internationales Flair am Campus mit Studenten von allen Herrenländern. Zudem liegt Deggendorg im schönen Bayern und ist ein Knotenpunkten zwischen Passau, Regensburg und anderen schönen Städtchen. Plötzlich war der Master für mich doch wieder eine Option. Von 0 auf 100. Von No Option to THE Option? Vielleicht.
Ich werde mich auf jeden Fall einschreiben. Ob ich tatsächlich dann dort studieren werde, werde ich dann die nächsten Woche entscheiden. Vielleicht ist es genau das Passende für mich jetzt, oder vielleicht verschwende ich mit Master Zeit und hindere mich daran wirklich meine Träume in Angriff zu nehmen. Ich weiß es nicht und vermutlich werde ich es auch nie wissen. Probieren geht über studieren. Vielleicht dieses Mal studieren geht vor Probieren?


Mexiko Erfahrung gefeallig?- Ein Deutscher als echter mexikanischer "Vaquero"

"Einsam und immer unterwegs,knabbert er den letzten Keks. Der letzte Cowboy kommt aus Güterslohund sucht die Freiheit irgendwo - Irgendwo"

Dieser Text des Klassiker "Der letzte Cowboy" hat nach unzähligen (stark alkoholisierten) Nächten im Hause Behres/Keller in meinen Kopf gebrannt und als ich am Sonntagnachmittag  auf meinem Pferd durch die wundervolle, die atmenberaubende Sierra Mexikos ritt, spielte dieser Song in meinem Kopf auf Dauerschleife. Freiheit ist das Schönste was es gibt, sang auch Westernhagen und ich musste ihm ohne Zweifel zustimmen nach diesem Sonntag . Freiheit, Mexiko, Aguascalientes, Vaquero, Cowboy….eine unvergessliche Mexiko-Erfahrung. Doch alles der Reihe nach.

Nach einer (wiedereinmal) kurzen Nacht, klingelte am Sonntagmorgen um halb 10 der Wecker. Mit tiefen Augenrändern unter den Augen und einem Geschmack im Mund der hässlicher hätte nicht sein können, wachte ich auf. Meine Laune hätte nicht schlechter, meine Lust aufzustehen und etwas zu unternehmen nicht weniger sein können. Ich wollte einfach nur im Bett bleiben und schlafen. Ich schaute Diego, der unter mir auf seinem Luftmatratzen-Bett lag, in die Augen und ich glaube er dachte das Gleiche. Aber wir hatten  Jonathan versprochen, dass wir etwas unternehmen und versprochen ist nun mal versprochen.

„Vamonos pues“ sagte ich völlig unmotiviert und Diego antwortete nur „Si vamonos pues“, was so viel heißt wie „Jawoll auf geht’s!“
30 Minuten später lagen wir immer noch im Bett und hatten uns keinen Zentimeter bewegt. Typisch Mexiko eben! Aufstehen kann verdammt schwer sein manchmal. Irgendwie konnten wir uns dann doch endlich aus dem Bett schleppen und nach meiner mittlerweile geliebten eiskalten Dusche fühlte ich mich tatsächlich bereit etwas zu unternehmen. Wenige Minuten später klingelte Jonathan dann auch schon an der Tür, um uns abzuholen. „Vamonos pues! Andale“
Als Kary unser Trio dann noch komplettierte war unsere mexikanisch-deutsche Kleinfamilie wieder vereint. Wie beinahe jeden Sonntag unternahmen wir  etwas in dieser Vierer-Kombo, die mir mittlerweile ans Herz gewachsen ist.  Jonathan, Diego und Kary sind meine Lieblingsmenschen und meine besten Freunde  hier in Mexiko. Nach all dem was wir schon zusammen erlebt und unternommen haben sind wir ein unschlagbares Team.

Nachdem wir letzte Woche gemeinsam in Cavillo waren, führte uns unser Weg heute nach Rincon. Wer die letzten Blogeinträge aufmerksam gelesen hat (wahrscheinlich außer Papa niemand :D) wird jetzt hektisch aufspringen und sagen: „Was Rincon? Schon wieder Rincon? Bist du denn lebensmüde?“

Ja genau Rincon ist der Ort an dem ich vor knapp 3 Wochen auf einem Pferd meine erste Nahtoderfahrung gemacht hatte, die mich jetzt noch manchmal nachts schweißgebadet aufwachen lässt ;-) Aber jede schlechte Erfahrung ist meiner Meinung nach da um sie mit einer guten Erfahrung vergessen zu machen. Schlimmer wie beim letzten Mal konnte es ja nicht werden, dachte ich mir. Also: Sattelt die Pferde, richtet die Cervezas und den Tequilla. Der deutsche Cowboy mit seinem Lieblingstrio ist wieder unterwegs!
Auf dem Weg nach Rincon machten wir einen kurzen Frühstückszwischenstopp im kleinen San Pancho, das für seine verschiedenen Fleischvariationen bekannt ist. Überhaupt habe ich noch nie in meinem Leben eine solche Vielfalt von Fleisch gesehen und gegessen wie hier in Mexiko. Es  wird vom Schwein, über das Schaaf, das Rind bis hin zum Huhn wirklich jede erdenkliche Fleischsorte gegessen. Dabei wird zum Beispiel beim Schwein nicht nur der Schweinrücken oder der Schweinebauch gegessen wie in Deutschland, sondern auch das Gehirn, die Ohren, die Füße und auch die Nase. Auch die Schweinehaut wird in fritierter Form und mit Chilli-Ketchup gegessen. Ich weiß das klingt verdammt eeeeglich, aber es ist die Wahrheit. Beinahe zu jedem Essen wird in Mexiko irgendeine Art von Fleisch serviert. Ein Essen ohne Fleisch, Chilli und Tortillas ist für einen echten Mexikaner kein Essen. Über einen frischen Salat würde ein Mexikaner mit einem herzhaften lachen und irritiert fragen wann denn bitte die Hauptspeise kommt. Selbst Suppen sind keine normalen Suppen, sondern werden im mexikanischen Stil serviert. Zum Frühstück gab es deshalb ganz typisch Biria und Consume, was heiße Suppen mit viel Fleisch, Tortillas und Chili sind.
Frisch gestärkt stand unserem Reit-Abenteuer dann nichts mehr im Wege. Gegen 12 Uhr kamen wir in Rincon an, wo wie beim letzten Mal Ivan, Diegos Cousin, und seine Freunde empfingen. Alles war bereits angerichtet: Die  Pferde waren gesattelt, der Tequilla eingekauft und das Wetter bestens. Wir mussten praktisch nur noch in den Sattel springen und auf gings. Ivan bot mir zunächst sein Pferd an, das Pferd mit dem ich beinahe in den Tod geritten wäre. „Nichts gegen das Pferd“, dachte ich mir, “aber vielleicht sollte ich das Schicksal heute nicht schon wieder herausfordern“ weshalb ich Ivans Angebot dankend ablehnte. Stattdessen bekam Kary das Pferd und ich ein etwas kleineres Pferd, das durch seine graue Farbe eher aussah wie ein Esel.Passt doch herrlich: Ein Esel auf einem Esel. Wir sollten ein gutes Team abgeben….

Ob Esel oder nicht, als ich auf dem Pferd saß war ich schon ein klein wenig nervös. Mittlerweile habe ich doch schon einen gewissen Respekt vor einem Pferd. Dementsprechend langsam legten wir los und ritten in gemächlichem Trab in Richtung Sierra (=Wüste). Unzählige Kakteen, Nopales, kleine Bäume, Sträucher, Felsen sowie andere Kleintiere wie Kühe, Schaafe und Grillen machen die Sierra zu einem der schönsten Naturplätze in Aguascalientes. Man konnte die Natur nicht nur sehen, sondern auch hören und fühlen. Es war schlichtweg herrlich.


The magic three: Kary, Diego und Jonathan


Alles im Griff!


Ein echter Vacero
Auch mein Pferd hatte heute (zum Glück) keine besondere Abenteuerlust weshalb ich keine Mühen hatte beim Reiten. Stattdessen konnte ich gemütlich meinen Tequilla trinken, die Landschaft genießen und mit den anderen ein bisschen plaudern. Zudem konnte ich einen der größten Traum von Kary, die im Norden von Mexiko auf der Ranch ihres Vaters aufwuchs und somit eine waschechte Ranchera ist, wahrmachen: Gemeinsam ausreiten und dabei Händchen halten. Sie hätte sich wahrscheinlich nie träumen lassen, dass sie diesen Traum einmal mit einem Deutschen, der vom Reiten abseits des Bettes so gar keine Ahnung hatte, wahrmachen würde. Aber so spielt nun mal das Leben und ihrem Lächeln zufolge war ihr das auch völlig recht. Verdammt süß nicht wahr?
Nach einem rund einstündigem Ritt querfeldein durch die Wüste kamen wir dann an unserem gewünschten Ziel an. Ein kleiner See inmitten der Wüste. Dort konnte die Pferde ein bisschen verschnaufen und wir auch. Reiten ist gar nicht so unanstrengend. Ganz im Gegenteil: Als ich von meinem Pferd abstieg, schmerzten mir der halbe Körper und vor allem meine Beine. Ich lief wie ein 80-Jähriger Rentner, der seine O-Beine nicht mehr zusammen bekam. Ich hatte die Schadenfreude der anderen natürlich auf meiner Seite. Zur Stärkung gab es von Ivan erst einmal ein kühles Cerveza. Ahhhh, lecker!


Da standen wir also inmitten der Wüste mit einem herrlichen Ausblick auf das Tal von Aguascalientes und laberten dumm (ich verstand so ca. gar nix) und  tranken bei herrlichem Sonnenschein sowie mexikanischer Musik unser Bier. „Oh man das Leben kann echt gut sein“, dachte ich mir. Und in diesem Moment war es mehr als gut, es war sehr besser! Doch das eigentlich Highlight des Tages stand noch bevor: Die Rückkehr nach Rincon mit den Pferden.
 Als es langsam anfing zu dämmern wurde war es Zeit die kleine Fiesta zu beenden und nach Rincon zurückzukehren. Während die anderen Jungs um Ivan im Auto zurückkehrten, hatten wir zwar das weitaus anstrengendere Fortbewegungsmittel, aber sicherlich auch das bessere: Das Pferd. Ich bekam wieder meinen kleinen „Esel“ während Kary, Jonathan und Diego sich auf die restlichen Pferde verteilten. Wir waren bereit! Und auch die Pferde waren nach der Pause bereit für den langen Heimweg. „Vamonos pues! Andaleee! Lets go!“. Mit einem Grinsen im Gesicht und entgegen der Sonne ritten wir los. Da es keinen wirklichen Weg nach Hause gab, ritten wir querfeld ein durch die Sierra. Angeführt von den zwei Diegos ging es vorbei an Kakteen, Nopales und Sträuchern, felsige Hänge hinab und hinauf, durch kleine Flüsse und über große Baumstämme. Die Landschaft war einmalig, mit Worten kaum zu beschreiben. Ihr könnte euch nicht vorstellen was ein Freiheitsgefühl es war inmitten dieser Sierra auf einem Pferd zu reiten. Ich hatte in meinem Leben noch nie zuvor ein solches Gefühl gehabt. Ich fühlte mich mit meinem Sombrerro auf meinem Kopf und dem Strohhalm im Mund wie ein echter mexikanischer „Vaquero“. Wer hätte gedacht das aus einem Pälzer Buuh mol noch en echte Cowboy wärd?

Immer wieder schauten Kary, Jonathan, Diego und ich uns an und konnte unsere Glückseligkeit kaum fassen. Es war so einfach, es war so unkompliziert. Wir brauchten kein tolles Auto, kein teures Spielzeug, kein Iphone, kein Geld der Welt, nada. Was uns so glücklich machte, war diese Einfachheit des Seins, die tolle Ursprünglichkeit des Lebens. 
Nur ein Pferd, Natur und du- das war alles was es brauchte um den Unterschied zu machen! Es war die pure Freiheit die wir spuerten. Freiheit ist  ein sehr weitreichender Begriff und bedeutet sicherlich für jeden etwas anderes, aber garantiert jeder sehnt sich danach. Freiheit heißt für mich persoenlich Glück, Freude und Leichtigkeit. Wenn ich ohne Angst und Zwang leben kann. Freiheit spüre ich, wenn ich in den Tag hineinleben kann, wenn ich die Zeit vergessen kann und keine Termine, kein MUSS MUSS MUSS habe, sondern die Schoenheit des Lebens wirklich sehen, fuehlen und schmecken kann. Wenn die Zeit einfach unwichtig ist, ich keinen Stress oder innerlichen, sowie auch äußerlichen Druck habe, etwas tun zu müssen. Wenn ich auch einfach mal nur Sein kann, wenn ich mich hinsetzten kann und einfach nur da bin im im Moment. Ich fühle ich mich frei in der Natur, an Orten mit weitem Land, zb. am Meer, wo ich unendlich weit in den Horizont sehen kann, wo alles andere sekundaer ist. Und genau das hatte ich in diesem Moment.
  „Eso es Mexico! Das ist Mexiko!“ Was für eine Mexiko-Erfahrung!








Die Landschaft der Sierra :)

Ernsthafte Gespraeche zwischen den Cowboys
Nach rund zwei Stunden waren wir wieder in Rincon angekommen und stiegen von den Pferden ab. Unsere Ärsche schmerzten höllisch, die Beine taten weh und auch der Rücken beklagte sich, aber trotzdem waren wir zufrieden wie kleine Kinder. Wir schworen uns wieder zurückzukommen. Wer hätte das gedacht, nachdem wir am Morgen noch so unmotiviert waren, dass dieser Tag zu einem der besten der letzten Monate werden würde? Wohl niemand!

Wir verabschiedeten uns herzlich bei Ivan und den anderen Leuten, die uns diese Erfahrung ermöglicht hatten und machten uns auf den Heimweg. Im Auto wurde die Musik aufgedreht und noch voller Endorphine gröhlten wir jeden Song mit. „So what we get drunk, so what we smoke weed, we are just having fun, living YOUNG & WILD & FREE!“ Das war unsere Hymne, die alles auf den Punkt brachte. Wir sind jung,wir sind verrückt, wir sind frei! Mexiko ich liebe dich!!! Wir schossen durch den mexikanischen Sternenhimmel, ich hatte meine besten Freunde um mich, eine bezaubernde Frau in meinem Arm und ein Grinsen das über alle Backen ging. Und trotz der Glückseligkeit und obwohl ich diesen Moment mehr als genoss, dachte ich auch schon daran bald gehen zu müssen und das alles nicht mehr zu haben. Es war ein komisches Zwittergefühl aus purer Freude und Abschiedsschmerz der da in mir war. Aber wie sagte einst Winni Pooh so schön:

"What day is it?"
"Its today", squeaked Piglet
"Okay, that is my favorite day!", said Pooh

Nun ja was soll ich sagen? Es war eine weitere super tolle Woche hier in Aguascalientes, mit dem absoluten Highlight am Ende der Woche. Zieht man all die Wochenenden ab an denen ich reisen werde, bleiben mir nur noch zwei Wochenenden der Stadt, die mir mittlerweile so ans Herz gewachsen ist. Vor mir liegen meine letzten 8 Wochen bevor ich wieder bei euch bin. Es werden sicherlich nocheinmal unvergessliche 8 Wochen werden. Naechstes Wochenende geht es mit meiner Family nach Puebla, in drei Wochen nach Durango, danach mit Kary an den Strand nach Saulita und anschliessend werde ich schon meine Abschiedsparty geben. Waaaaah,verdammt!  Waehrend ich das so schreibe, habe ich eine eiskalte Gaensehaut. Die Zeit wird nun rasend schnell vergehen und ehe ich "Stopp" sagen kann, ist mein Mexiko-Abenteuer vorbei. So: Lets enjoy the time left! Holen wir das Beste aus meiner so schmackhaften mexikanischen Limette heraus!

Bis demnaechst,
in Liebe Pascal

Samstag, 24. Januar 2015

Meine erste Arbeitswoche an der UTR, Erschöpfung und komische Gefühle



Guten Tag und buenas noches meine liebe Familie, Freunde und  Blogbesucher,

es liegt mal wieder eine sehr lehrreiche und interessante Woche hier in Aguascalientes hinter mir, in der ich so einiges gelernt habe. So positiv die Woche alles in allem verlief,so gab es auch seit langer Zeit auch negative Gefuehle zu vermelden, die aus einem Mix Zweifel, Ungewissheit und Angst vor der Zunkunft entspragen. Warum, wieso, weshalb erfahrt ihr in den naechsten Zeilen, die ich jetzt fuer euch schreibe.

Zunaechst einmal moechte ich das Negative jedoch mal außenvor lassen und euch von den ueberaus positiven Seiten der vergangenen Woche berichten. Dabei steht vor allem meine erste volle Arbeitswoche an der UTR im Mittelpunkt. Zunaechst einmal moechte ich euch die UTR, meine neue Arbeitsstelle, mit ein paar Bildern vorstellen, damit ihr einen Eindruck bekommt, wo ich mich den Großteil meiner Woche so aufhalte:

El Salon de Maestros - Lehrerraum
Der Hauptgang





Die Cafeteria
Wie ich euch letzte Woche berichtet habe, arbeite ich mittlerweile als Lehrer an der UTR. Neben Deutsch-Unterricht, für die Studenten als auch für die Lehrer, gebe ich dort auch und vor allem Unterricht im GLS-Projekt. Mein Studenplan ist mit 30 Unterrichtsstunden in 4 Tagen sehr sehr vollgepackt. Ich habe von allen Lehrern an der UTR die meisten Unterrichtsstunden. Das ist schon verrückt, wenn man bedenkt, dass ich der einzige Lehrer bin, der ohne Gehalt arbeitet, abseits von der Mini-Vergütung die ich für meinen Deutsch-Unterricht bekomme. Einerseits freut es mich natürlich so viel Unterricht zu haben, denn es war mein Ziel wirklich zu arbeiten und es fühlt sich gut an gebraucht zu werden. Andererseits arbeite ich täglich fast 10 Stunden, ohne große Pausen und für das Privatleben bleibt wenig Zeit. Wie ihr an meinem Stundenplan sehen könnt beginne ich jeden Tag um 7.30 Uhr meinen Unterricht und komme normalerweise gegen 18 Uhr wieder nach Hause. Die Zeit des gemütlichen Ausschlafens am Morgen und Spät-ins-Bettgehens am Abend ist also nun endgültig vorbei. Ich gehe aus dem Haus wenn es dunkel ist und komme zurück wenn es dunkel ist. Willkommen zurück in der harten Realität der Arbeitswelt!

Mein Stundenplan an der UTR

An der UTR werden hauptsächlich Ingenieurs-Klassen angeboten, darauf liegt klar der Fokus. Ich unterrichte im GLS-Projekt jedoch alles querbeet von angehenden Mechatronikern ueber IT-ler bis hin zu Personalern. Im GLS-Projekt unterrichte ich 18 Klassen und damit fast alle Studiengruppen hier an der UTR.  In manchen Klassen arbeite ich mit mit den etwas aelteren Studenten aus dem  4. Semster, waehrend ich in anderen Klassen mit den "Freshmen" aus dem 1. Semster zu tun habe. Neben dem Alter schwankt dabei vorallem das Englisch-Level meiner Studenten. In manchen Klassen treffe ich auf Studenten die kaum einen Satz in Englisch sprechen koennen (oder wollen), waehrend ich mich in anderen Klassen mit den Studenten angenehm auf Englisch unterhalten kann. Schwierig ist es natuerlich wenn man von einer Klasse zur naechsten Klasse kommt und das Englisch-Level voellig unterschiedlich ist. Ein schlechtes Englisch-Level macht es fuer mich natuerlich etwas schwer(er) zu unterrichten, denn wenn meine Schüler kaum Englisch verstehen, kann ich meine Botschaft nicht an den Mann bzw. die Frau bringen. Doch im Großen und Ganzen muss ich sagen, klappt der Unterricht ganz gut und falls doch mal Unklarheiten aufkommen, reicht mein Spanisch aus um einzelne Begriffe oder ganze Passagen in Spanisch zu erklären. 


Der Titel meiner Klasse lautet übrigens: "How to build a successfull career and life".Mein Unterricht wird sich in den nächsten 2,5 Monaten genau um dieses Thema drehen. Ihr werdet jetzt vielleicht einige Fragen haben wie z.B.: Warum dieses Thema? 

Nun ja, mein Plan war bzw. ist eine Klasse zu kreiieren, die abseits ist von dem ist was man gewöhnlich an einer Uni lernt. Mein Unterricht soll schlichtweg anders sein als der in allen anderen Klassen. Ich wollte ein Alleinstellungsmerkmal schaffen. Mein Hauptgedanke war etwas zu lehren, womit meine Studenten auch wirklich etwas anfangen können, das für sie nützlich ist und sie für das Leben nach der Uni wirklich vorbereitet. Da meine Studenten für meinen Unterricht keine Noten bekommen und damit sozusagen freiwillig an meinem Unterricht teilnehmen, wollte ich über ein Thema sprechen, dass sie so interesisiert und packt, dass sie gerne jedesmal freiwillig kommen, da sie etwas essenzielles für ihre Karriere lernen können. Mein Ziel war etwas zu unterricht, was jeden interessiert egal ob er nun IT, Mechatronik oder BWL studiert. Es sollte nicht zu spezfisch sein, wie z.B. Entrepreneurship (nicht jeder will ein Unternehmen gründen), aber auch nicht zu weitgefächert sein wie Leadership (es gibt Millionen Arten zu führen). Also was sollte das Thema meines Unterrichts sein? Nach einigen Gedankenspielen und etwas Rechereche, stoß ich zufällig im Internet auf einen Artikel der direkt meine volle Aufmerksamkeit hatte: How to build a successfull career. Als ich den Artikel gelesen hatte, dachte ich mir sofort: Das ist es! Dieses Thema war es das ich gesucht hatte und was alle meine Kriterien für meinen Unterricht erfüllte. Wer wäre wohl nicht an einer erfolgreichen Karriere interessiert? Wer würde denn nicht gern erfolgreicher sein?  
Ich hätte mir als Student sehr gewünscht ein Vorlesung zu diesem Thema zu haben, anstatt irgenwelche mathematische Formel zu lernen, die ich in meinem späteren Berufsleben niemals mehr gebrauchen würde. Daher war das Thema nach vielen Überlegungen die einzige logische Konsequenz und ich fing unmittelbar mit der Erarbeitung eines groben Konzeptes an. Als ich das Konzept meiner Chefin vorlegte, war diese von der Idee und den Inhalten der Klasse sehr angetan. Nach einem kurzen Gespräch gab sie mir das "Go" und so habe ich nun die Möglichkeit gemeinsam mit meinen Studenten  auf eine kleine Reise zu gehen, die am Ende in einer erfolgreichen Karriere und einem erfolgreicheren Lebens muenden soll.

Der ein oder andere wird sich vielleicht auch fragen: Lieber Pascal, wie willst du jemandem etwas darüber erzählen wie man eine erfolgreiche Karriere bzw. ein erfolgreiches Leben kreiiert? Du bist 23 Jahre alt, hast null Erfahrung und selbst keine erfolgreiche Karriere geschweigedenn ein erfolgreiches Leben. Komm mal wieder auf den Boden zurück. Was willst du denen denn beibringen?
Das ist absolut eine berechtigte Frage und meine Antwort lautet: Ich habe zwar keine übermäßige Erfahrung in dem Bereich, aber durch all die unzähligen Bücher, Artikel, Magazine die ich gelesen, und durch all die Gespräche die ich während meiner Praxisphase bei Tenneco und in meinem Leben  hatte, habe ich immernoch mehr Erfahrung und Wissen als jeder meiner Studenten. Das Thema Erfolg hat sich in den letzten paar Monaten zu einer kleinen Passion entwickelt. Ich lese täglich unzählige Artikel und monatlich einige Bücher darüber. Ich sauge alles auf, was ich bekommen kann. Ich brenne dafür, mein Wissen an andere weiterzugeben. Und genau darauf kommt es meiner Meinung nach an: Man muss nicht alles wissen, man muss nur mehr wissen und besser vorbereitet sein als sein als sein Gegenüber sowie durch seine eigene Begeisterung andere von dem Thema zu überzeugen wissen. Das reicht aus um jemandem etwas lehren zu können und genau das bringe ich mit. 

Obwohl ich teilweise jünger bin als der ein oder andere meiner Studenten, habe ich es geschafft, ein Vertrauensverhältnis mit ihnen aufzubauen und den Großteil von der Idee des Projektes zu überzeugen. Mir war von Anfang an klar: Nur wenn ich die Studenten auf meine Seite ziehen und sie nachhaltig davon überzeugen kann, dass sie mit mir Spaß haben und gleichzeitig etwas wichtiges lernen können, würde es mir gelingen mit ihnen gut zu arbeiten. Und genau das ist eingetreten: Die Studenten vertrauen mir und sehen, dass ich ihnen helfen möchte, besser zu werden. Sie respektieren und aktzeptieren mich deshalb als ihr Lehrer. Damit habe ich wohl eine der wichtigsten Hürden genommen, um erfolgreich lehren zu können. Natürlich erreicht man als Lehrer nie 100 % seiner Studenten und das ist bei rund 200 Studenten die ich betreue auch gar nicht mein Ziel. Es gibt immer einen kleinen Anteil von 10-20%, der einfach kein Bock hat etwas zu lernen und der nur in den Unterricht kommt, um ein bisschen abzuhängen. Das ist völlig okay für mich. Solange ich die anderen 80 % erreiche und vielleicht 50 Studenten inspieren bzw. helfen kann, habe ich meine persönliche Zielsetzung erfüllt. Alles in allem sind meine Studenten wirklich super. Die meisten kommen aus etwas ärmlichen Gegenden rund um Aguascalientes. Sie sind durchschnittlich zwischen 18 -25 Jahre alt und bringen keine überragende Vorbildung mit an die Uni. Sie bekommen an der UTR nun die Möglichkeit für wenig Geld an einer kleinen Uni zu studieren, dabei gleichzeitig Englisch zu lernen und ihre Karriere zu starten. Die meisten Studenten sind deshalb sehr lernbereit , dankbar und offen für neue Dinge. Für sie bin ich als Deutscher aus dem Land der Technik und Innovationen eine Art kleine Sensation, da die meisten zuvor noch nie einen Europäer geschweigedenn einen Deutschen in ihrem Leben gesehen haben. Meine Herkunft half mir mal wieder, schnell glaubhaft zu sein. Wir werden als seriös und intelligent wahrgenommen. Fast alle Mexikaner vertrauen und sympathisieren mit einem Deutschen. Auf dem Gang begrüßt, mich jeder, Jungs und Mädels, sehr sehr herzlich mit " Hey Pascal oder Hey Teacher". Während die Jungs natürlich immer ganz cool grüßen, sind die Mädels etwas schüchtern und kichern vor sich hin. Es ist wirklich ein schönes Gefühl, wenn du durch den Gang läufst oder in der Cafeteria sitzt und dich jeder wahrnimmt und begrüßt; man fühlt sich Willkommen und geschätzt. Und genau dieses Gefühl von Wichtigkeit möchte doch jeder irgendwie haben, oder nicht?

Meine erste Woche an der UTR verlief also soweit ausgezeichnet. Im GLS-Projekt sprach ich mit meinen Studenten. über die Idee meines Unterrichts sowie einleitend über die Definition von Erfolg. In meinen Deutsch-Klassen lernten meine Studenten mehr über Deutschland und erste Wörter wie z.B. "Guten Morgen" und "Auf Wiedersehen". Naja ich brachte ihnen auch ein bisschen Straßensprache bei und seitdem begrüßen mich die Jungs mit nem lässigen Handschlag und "Was geht ab, alda?" :D In meinen Pausen zwischen den einzelnen Unterrichtsstunden versuchte ich meine neuen Lehrerkollegen etwas besser kennenzulernen und mich zu integrieren. Ich versuchte mit jedem ein bisschen ins Gespräch zu kommen und ein, zwei nette Worte zu wechseln. Mir ist es wichtig zu jedem eine gute Beziehung aufzubauen. Je besser ich meine Kollegen kenne, desto wohler werde ich mich fühlen und desto besser wird mein Projekt laufen. Zudem ist es für mich wieder eine Gelegenheit neue Freundschaften zu schließen, neue Geschichten zu hören und etwas neues zu lernen, frei nach dem Credo: "Jeder Mensch, der Dir begegnet ist Dein Lehrer." Nach meiner ersten Woche an der UTR kann ich sagen, dass ich in eine wirklich super lustige, herzensgute und hilfsbereite Truppe von Leuten reingestoplert bin, die es mir wirklich sehr leicht macht so zu sein wie ich bin. Fast alle sind sehr freundlich und überaus offen dafür mich kennenzulernen. Das trifft auf die Lehrerkollegen wie auch auf meine Chefs und Studenten gleichermaßen zu. Die UTR ist wie eine kleine, große Familie in der man sich schnell wohl fühlt.

Am Mittwochabend lud mich Vera, eine Lehrerkollegin an der UTR, ein mit ihr zusammen Schlittschuhlaufen (patinaje sobre hielo) zu gehen. Eislaufen in Mexiko? Ja ich war auch erstmal verwirrt, aber es ist tatsaechlich moeglich. Wie fast immer nahm ich die nette Einladung an und so ging es zum ersten Mal seit gefuehlten 10 Jahren (Vielleicht sind es wirklich 10 Jahre??!) mal wieder aufs Eis. Meine letzte Erinnerung an ein Schlittschuhlaufen sind durchaus dramatisch. Ich sehe zurerst den amateur-olympischen Eisschnelllauf auf dem legendaeren Paddelweiher-gelaende vor ueber 10 Jahren. Ein harter aber fairer Wettkampf, ein verbissenes Duell auf Augenhoehe. Der Bessere wuerde gewinnen. Aber dann, ein Sturz! Ich sehe Blut auf der Eisflaeche und eine blutende Nase. Aus der Traum vom olympischen Gold, stattdessen ab ins Krankenhaus mit einer gebrochenen Nase.

Vor dem Hintergrund dieser traumatischen Erinnerungen, war ich natuerlich leicht angespannt als ich mit meinen Schlittschuhen die Eisflaeche betrat. Nach einigen kleinen Wacklern und Unsicherheiten zu Beginn, fand ich nach und nach wieder das Gefuehl fuers Schlittschuhlaufen. Freudig wie ein kleines Kind, das sich in ein neues Abenteuer stuertzt, drehte ich meine ersten Runden auf mexikanischem Eis. Rechts links, gleeeeeeeiten,Rechts links, gleeeeeeeiten...Herrrrrlich! Ich verstehe zwar noch immer nicht wirklich, warum sich Mexikaner fuers Schlittschuhlaufen interessieren, aber jedem das Seine. Waehrend ich mich also nach und nach zur neuen Anni Frisinger des mexikanischen Eislaufens aufschwang, hatte Vera mit der ganzen Situation zu kaempfen. Rutschiges Eis, komische Schuhe und gleichmaessige sowie angstfreie Bewegung, das waren augenscheinlich nicht ihre Bedingungen. Anstatt die kleine Eisflaeche auszunutzen und ihre Runden zu drehen, schlitterte sie unbeholfen wie kleines, etwas verwirrtes Baby an der Bande der Halle entlang. Ausfluege abseits von der Bande endeten meistens mit dem eleganten Abgang, der in Fachkreisen auch "Arschplumser" genannt wird. Ich amusierte mich herzlich darueber. Schadenfreude ist halt doch was schoenes. Nach einer Stunde war das ganze Spektakel dann vorbei und wir tauschten wieder die eissige Halle gegen angenehme 22 Grad ein. Fazit: Ein vertauchtes Handgelenk von Vera und jede Menge Spass. 

Elegant wie ein Engel

Vera und ich on Ice

Auf dem Heimweg kamen Vera und ich dann ins Plaudern. Nach dem anfaenglichen, ueblichen Smalltalk ueber die netten, aber irgendwie unwichtigen Dinge des Lebens, entwickelte sich daraus ueberraschend ein wirklich ernsthaftes Gespraech. Vera erzaehlte mir von ihrer schwierigen Kindheit. Sie erzaehlte mir auch, dass sie frueher heftig wegen ihres Aussehens und ihrem "Anderssein" gemobbet wurde. Sie stand zweimal kurz davor  sich das Leben zu nehmen und sie beidemale nur aufgrund zufaelliger Umstaende daran gehindert wurde. Sie erzaehlte das Ganze mit solch einer Normalitaet und Gleichgueltigkeit in ihrer Stimme, dass ich erschroken und sprachlos zugleich war. Es traf mich irgendwie. Nie hatte mir jemand erzaehlt, dass er sich das Leben nehmen wollte. Ich wusste nicht was ich sagen sollte. Ich war auf diese Art von Gespraech einfach nicht vorbereitet. Ich versuchte sie und ihre Geschichte zu verstehen. Ich merkte, dass sie voller Selbstzweifel und ohne Selbstbewusstsein war. Sie ist mit ihrem Aussehen und ihrer Art das typische Aussenseitergirl das von klein auf gehaenselt wird und das jeder als letztes waehlt beim Sport. Ich glaube, sie hatte noch nie wirkliche Freunde geschweigedenn einen Liebhaber in ihrem Leben. Ich versuchte ihr also klar zu machen, dass ich gerne ihre Freundin bin und versuchte sie anschliessend an die Schoenheit des Lebens zu erinnern. Als ich aus ihrem Wagen an diesem Abend ausstieg, hatte ich wirklich das Gefuehl jemandem geholfen. Ich war einfach nur da war und  hatte eine gute Zeit mit jemandem verbrachte, der sonst immer nur alleine ist. Fuer mich war das Schlittschuhlaufen nur eine Kleinigkeit an der ich Spass hatte, aber fuer sie bedeutete das an diesem Abend die Welt. Als ich zuhause im Bett lag schrieb Vera mir folgende, unvergessliche Zeilen:


Ich hatte eine grosse Lektion fuers Leben gelernt: Jemand nicht zu akzeptieren und aufgrund seines Aussehns oder seiner Art zu haenseln, mag fuer uns Spass sein. Fuer denjenigen der gemobbt wird, ist es jedoch die Hoelle auf Erde und fuehrt zu irreperablen Schaeden in der Seele und im Charakter. Haenseln mag ein Spiel sein, um sich zu profilieren und cool zu sein. Welche (seelischen) Schmerzen man dem anderen dabei aber zufuegt, kann man aber gar nicht in Worte fassen. Wenn ein Mensch darueber nachdenkt sich umzubringen, muss der Schmerz tief, tief im Herzen sitzen. Ich habe und hatte das Glueck immer und ueberall in meinem Leben akzeptiert, respektiert und vorallem geliebt zu werden. Ich hatte das Glueck einigermassen gut auszusehen, sportlich erfolgreich und intelligent zu sein. Mobbing bzw. Haenseln war fuer mich deshalb nie ein Problem. Ganz im Gegenteil, ich war oftmals derjenige der gemobbt und sich ueber andere Leute lustig gemacht hat. Ich bereue heute, wie ich mich damals verhalten habe, ich bereue all die dummen, unnoetigen Sprueche ueber Leute, die mir nie etwas boeses getan hatten und die ich nicht mal kannte. Ich war jung, ich war super-cool, ich wollte mich profilieren. Seit ich Veras Geschichte kenne, tut es mir von Herzen leid! Ich kann euch nur dazu aufrufen, Mobbing in welcher Form auch immer zu unterlassen und nicht das dumme Spiel zu spielen, dass ich oft gespielt habe. Was fuer uns nur dumme Worte sind, kann fuer andere das Leben fuer immer veraendern. Mama sagt es richtig: "Niemand hat sich selbst gemacht!" Anstatt uns also das naechste Mal ueber die "haesslichen und uncoolen" Leute lustig zu machen, sollten wir zu ihnen gehen, ihnen unsere Freundschaft anbieten, sie akzeptieren und ihnen unsere Aufmerksamkeit schenken. Denn auch so kann man Leben veraendern und zwar absolut positiv!

Neben all den positiven Nachrichten gab es diese Woche, aber auch das erste Mal negative Gefühle, die einem Mix Arbeitsstress, Abschiedsgedanken und Angst vor der Zukunft entsprachen. Dieses Gefühlschaos brach am Donnerstagabend aus. Nach einem superlangen, aber guten Arbeitstag an der UTR kam ich gegen halb 7 nach Hause, schlüpfte in meine Laufschuhe und machte mich auf zum Park um ein bisschen den Kopf frei zu kriegen. In meinem Kopf schwirrten 1000 Gedanken umher. Ich bin momentan wohl in der schwierigsten Phase meines Mexiko-Abenteuers. Obwohl es mir nach wie vor bestens geht und ich alles habe was ich ich brauche, war ich diese Woche sehr von "komischen Gefühlen" geprägt. Was meine ich mit komischen Gefühlen? Ich bin nun seit rund 3,5 Monaten hier - mehr als die Hälfte meiner Zeit ist schon vorbei und genau das macht mir zu schaffen. In 2,5 Monaten komme ich wieder in Deutschland an und dieses Abenteuer  und damit die wohl beste Erfahrung meines bisherigen Lebens wird vorbei sein. Ich werde zurückgehen in mein "normales" Leben. Aber will ich das überhaupt? Will ich dieses "normale" Leben tatsächlich führen? Will ich wieder der "alte" Pascal sein? Achja und was werde ich überhaupt machen, wenn ich wieder in Deutschland bin? Studieren, arbeiten, irgendwo en Praktikum machen? Vor meiner Reise war mir absolut klar, dass ich meinen Master machen würde, sobald ich wieder Zuhause bin. Aber diese Erfahrung hier hat mich verändert. Sie meine Perspektiven und Sichtweisen kräftig durchgeschüttelt, ja beinahe auf den Kopf gestellt. Ich habe unglaublich viele Ideen gesammelt, was ich mit meinem Leben so anstellen möchte, aber ich weiß nicht was wirklich "das Richtige" für mich ist. Ich weiß nur: Ich will weiter lernen, weiter wachsen, weiter auf Trab bleiben. Kann ich das wirklich wenn ich wieder mein normales Leben führe? Ich glaube nicht. Ich muss weitergehen, neue Limits erkunden und neue Erfahrungen machen. Doch was ist es genau was ich will? Soll ich meinem Traum folgen und einen eigenen Blog bzw. mein eigenes StartUp aufbauen, oder soll ich doch lieber den sicheren Weg gehen und studieren?  Aber ist der sichere Weg wirklich der bessere Weg? Ich habe da so meine Zweifel. Wir leben in einer Welt mit Millionen Optionen. Wir können jeden Tag entscheiden, was wir machen wollen mit unserem Leben. Wir koennen Pornstar sein oder der naechste deutsche Kanzler. Aber es gar nicht so leicht sich zwischen all den Optionen für die Richtige zu entscheiden. Neben diesen Ängsten was die Zukunft bringen würde, war da auch dieses Gefühl von Abschied in mir. Ich weiß, die Zeit hier wird rasend schnell vergehen und in wenigen Wochen bin ich schon wieder zurück. Gerade jetzt wo ich mich heimisch fühle, in einem Projekt arbeite das mir Spaß macht und echte Freunde gefunden habe, ist es schwierig daran zu denken. Ich muss versuchen die restliche Zeit die mir hier bleibt zu genießen, das Beste rauszuholen, aber gleichzeitig mit einem Auge darauf schlielen was kommt wenn ich wieder in Deutschland bin. Es ist ein schwieriger Spagat, der mir momentan zu schaffen macht. Ich denke jedoch, dass diese Erfahrung ganz natürlich ist und zu einer solchen Auslandsreise dazu gehoert. Es ist sicherlich eine Erfahrung die mich weiter wachsen lässt.

Zum Glück habe ich mit Diego einen Freund gefunden mit dem ich über alles reden kann. Wir sind mittlerweile zu besten Freunden zusammengewachsen. Wir reden über alles, über Frauen, über Fußball, über Träume und vor allem über berufliche Ängste. Wir teilen nicht nur unser Zimmer miteinander sondern auch alle unsere Gedanken. Diego ist wirklich zu einem Bruder geworden. Wir schwimmen absolut auf der gleichen Wellenlänge und habe momentan mit den gleichen Unsicherheiten und Ängsten zu kämpfen. Er geht momentan durch eine schwierige Lebensphase. Er hat seinen Job gekündigt, um Vollzeit an seinem Start-Up zu arbeiten und seinen Traum zu leben. Dafür habe ich allerhöchsten Respekt. Aber seinen Traum zu leben ist nicht immer rosarot. Nein stattdessen ist es harte Arbeit. Diego arbeitet jeden Tag 10-12 Stunden an seinem Start-Up, ohne dafür auch nur einen Penny zu sehen. Er arbeitet ohne zu wissen, ob sich seine Mühen auch wirklich auszahlen werden, denn niemand weiß ob ihr Produkt "SchoolPocket" jemals wirklich verkauft wird. Der Frust jeden Tag hart zu arbeiten und dafür keinen einzigen Cent zu sehen bzw. vielleicht nie einen Cent zu sehen, war ihm am Donnerstag  deutlich anzusehen. Er war in einem absoluten Loch mit Zweifeln, ob dieses StartUp wirklich das ist was ihn glücklich macht oder ob er dich wieder zurück zu seinem alten Job oder doch ein Internship in Euopa machen sollte. Als wir am Abend im Bett lagen, lagen da zwei Mittzwanziger in einem Zimmer voller Zweifel und Unsicherheit. Wir teilten genau die gleichen Gefühle und Ängste. Wir unterhielten uns über zwei Stunden über alles und ermutigten uns gegenseitig, UNSEREN WEG zu gehen, komme was wolle. Wir wollen beide versuchen unsere Träume zu leben, das zu machen worauf wir richtig Bock haben und nicht das zu machen, was andere von uns erwarten. Ob wir dabei scheitern werden? Vielleicht. Ob wir dabei bankrott gehen? Vielleicht. Ob wir manche Dinge bereuen würden? Sicherlich. Sicher war für uns aber auch: Würden wir es nie es nie riskieren, dass zu machen was wir wollen, würden wir es am Ende unseres Lebens bereuen. Das ist unser verdammtes Leben und wir leben nur einmal. Warum sollten wir nicht unseren Ideen und Träumen folgen?  Warum sollten wir das tuen was andere von uns erwarten, anstatt das zu tun wofür wir brennen?


Nach all der Arbeit und den Zweifeln war am Freitag ein bisschen verschnaufen angesagt. Wie es der Zufall, der liebe Gott, die UTR oder wer auch immer so wollte, startet mein Wochenende bereits am Donnerstag, denn Freitag ist für mich….genau: mein freier Tag! Ich nutzte den freien Tag damit all die Dinge nachzuholen, die ich die Arbeitswoche über ein bisschen vernachlässigt hatte. Früh morgens um halb 8 ging es deshalb zunächst einmal eine halbe Stunde laufen bevor ich mich anschließend in einen regelrechten Skype-Marathon begab. Und damit meine ich skypen bis zum Abwinken. Zuerst mit Mama und Papa, anschließend mit einer guten Freundin und zum guten Ende mit den Schwachköpfen namens Max W., Jochen N. und Frederic K ;-) Es war herrlich zu verfolgen wie die Themen der Skypegespräche in dieser Reihenfolge nach und nach unseriöser und damit gleichzeitig lustiger wurde. Während ich mit Mama und Papa noch ganz anständig über meine letzen Erlebnisse sowie meine „komischen Gefühle“ gesprochen hatte, drehte bei meinem letzten Skypie alles um die kleinen und großen Erlebnisse, die man sich halt nur so unter Kumpels erzählte. Nach über 3,5 Monaten hier in Mexiko vermisse ich meine Jungs dann doch schon ab und an ein bisschen. Naja eigentlich vermisse ich nur das Dummgebabbel mit euch :D

Am späten Nachmittag traf ich mich dann zum Kaffee mit Sergio. „Who the fuck is Sergio??“ mag sich der ein oder andere jetzt fragen. Sergio ist der Typ, der an meinem ersten Tag ein der UTR eine richtig gute Präsentation zum Thema Generation Y und zum richtigen Lehrverhalten gegeben hatte und von dem ich mir nach der Präsentation direkt den Kontakt besorgte, um mehr zu erfahren. Ich wollte wissen was er so über unsere Generation denkt, welche Erfahrungen er ihm Lehrbereich hatte  und welche beruflichen Tipps und Lebensweisheiten er mir mit auf meinen beruflichen Weg geben könnte. Und diesen Freitagnachmittag war es dann soweit. Wir trafen uns in einem super gemütlichen Kaffee und fingen einfach mal an darauflos zu plaudern. Nach und nach entwickelte sich ein wirklich außergewöhnliches Gespräch in dem Sergio mir über seine Erfahrungen als Lehrer und Trainer entwickelte. Wir unterhielten uns auf sehr sehr angenehme Weise. Nach dem Ende unseres knapp zweistündigen Gespräch blieben mir viele viele gute und neue Ideen im Gedächtnis und ich hatte so einige kleine Weisheiten fürs Leben mitgenommen. Sergio ist wirklich ein bewundernswerter Typ!

Den Rest des Freitagabends verbrachte ich dann, wiedereinmal, mit Kary. Sie ist und bleibt einfach mein Mädel hier in Mexiko. Zusammen schlenderten wir ein bisschen durch die Stadt und plauderten. Gemeinsam gingen wir zum wohl besten Churros-Laden hier in AGS und ich aß die besten Churros meines Lebens. Mhhhhm, wie eglich! Den Rest der Nacht verbrachten wir bei ihr, bevor ich Samstagsmorgens in ihrem kleinen Bett aufwachte.
 

Die besten Churros in AGS
Am Samstag stand eine Art "Einstandfeier" auf dem Programm. Gabi, meine Chefin, lud die gesamte Belegschaft der UTR ein, um sich besser kennzulernen und gemeinsam ins neue Semster zu starten. Eine sehr nette Idee! Am frühen Mittag holten mich Patrick und Analisa, die beiden Amerikaner (=Gringos) und Jery ab und gemeinsam fuhren wir zur Party-Location. Und diese Location war, naja wie soll ich sagen, speziell. Ich hatte mit einem kleinen Garten gerechnet, wo wir ein kleines Barbecue haben würden, aber stattdessen landeten wir in einer der vornehmsten Gegenden Aguascalientes. Hier in Mexiko ist es üblich, dass die etwas wohlhabenderen Menschen in einer  sog. "Residential", einer Art eigenem kleinen Dörfchen bzw. in einer Nachbarschaft nur für reiche Leute wohnen. Diese Nachbarschaften sind auf dem Reisbrett geplant und so gebaut, dass sich die Reichen wohl und sicher fühlen. Es gibt meistens einen kleinen Wald, einen Sportplatz, einen Pool und ein kleines Veranstaltungshäuschen. Die ganze "Residential" ist zudem strengstens durch Sicherheitsleute gesichert. Will man hier jemanden besuchen, muss man durch eine Art Grenzkontrolle bei der man seinen Ausweis abgegeben und die Kennzeichen angeben muss. Es ist völlig irre, aber die Reichen schaffen sich so ihre eigene schöne Lebenswelt ohne vom "Abschaum" und Schmutz der Normalsterblichen belästigt zu werden. Hier ist alles sehr gepfelgt und sauber. Alles sieht gleich aus und jedes Haus gleicht dem anderen. Für mich war diese Nachbarschaft eine der unnatürlichsten Gegenden in denen man wohnen kann und ich persönlich könnte mir auch niemals vorstellen hier zu wohnen, wo jeder das gleiche denkt, das gleiche macht und fast gleich aussieht. Naja, jeder hat ja seinen eigenen Geschmack.

Jedenfalls hatte Gabi, die in dieser "Residential" wohnt, das Clubhaus gemietet, wo wir uns trafen. Hier ein paar Eindrücke:

Die Fiesta-Location


Die Fiesta war bestens organisiert. Es gab alle möglichen Getränken sowie ein leckeres mexikanisches Buffet. Wir verbrachten einen super netten und lustigen Nachmittag zusammen. Ich lernte nach und nach alle Lehrerkollegen kennen und bei Bier bzw. Tequilla-Lemon lachten wir fleißig miteinandern. Für mich als Mann war natürlich die Verteilung von Frauen und Männer sehr sehr interessant. Es waren 24 Frauen da, die auf  4 Männer verteilt waren. So war es also kein Wunder, dass ich am Frauentisch landete, wo ich mich ganz wohl fühlte. Der ruhige Mittag mit seriösen Gesprächen, wurde mit zunehmendem Alkoholgenuss immer lauter und versauter. Als dann die ersten Trinkspiel angefangen wurde, war klar dass dieser Nachmittag noch richtig lustig werden würde. Vor allem die Mädels wurden mit jedem Bier hemmungsloser. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Die gesamte Lehrerschaft war am Ende mehr als angetrunken, tanzte feucht fröhlich und nach über 12 Stunden war ich gegen halb 3 Uhr zuhause. So kann man mal einen Einstand feiern, hebbba ;-)

Ansturm auf das Buffet

Analisa, Naty und ich

El gringo Patrick, Mercdes (rechts) und Maria


Die Maedels unter Kontrolle

Fucked up

Am Sonntag hatten Diego, Jonathan, Kary und ich einen Ausflug nach Cavillo, einem kleinen Dörfchen ca. 1 Stunde von AGS entfernt, geplant. Cavillo ist berühmt für seine Guayabas und vor allem für seine "Bombas", was eine Art Cocktail aus allem möglichem Alkohol ist und Limetten-Saft ist. Achja und die schönsten Frauen Aguascalientes sollen angeblich dort leben. Beste Voraussetzungen also für einen gelungenen Tag.

Langeweile auf der Fahrt

Und tatsächlich in Cavillo angekommen, konnten wir so einige Schönheiten sichten. Wir machten nur einen kleinen Zwischenstopp im  schönen Dorfzentrum um ein Guayaba-Eis und eine Bomba für jeden zu kaufen. Da wollten wir uns natürlich nicht lumpen lassen.
Placa Municpal in Cavillo


Erstmal ein leckeres Eis

Anschließend machten wir uns auf den Weg um die wunderschöne Landschaft rund um Cavillo zu genießen. In einer einstündigen Fahrt durch Staub, Holz, Stein, entlang wunderschöner Natur und  Kühen, schlängelten wir uns auf einen der Berge in Cavillo hinauf. Dort wartete dann die ganze Schönheit Cavillos auf uns. Himmelblauer Himmel, endlose Wälder, Kakteen, kleine Seeen, sowie ein herrlicher Ausblick - ein kleines Schmuckstück der mexikanischen Natur.
Es erinnerte mich schon ein bisschen an die schöne Pfalz, aber das hier war anders. Nicht besser aber anders. Wir verbrachten den ganzen Mittag einfach mit erzählen und Natur erkunden. Es war wohl nicht der spannendste, aber einer der gemütlichsten Sonntagnachmittage seit ich hier in AGS bin.  Hier die Bilder zu diesem Nachmittag:







Arbeite "Negro"


Beautiful landscape in Cavillo


Mit einem Burger am Abend in einem der vielen mexikanischen Restaurants, die vor allem sonntags immer voll sind, endete dann ein weiterer schöner Tag hier in Mexiko.

Ich genieße weiter jeden Tag und jeden Moment hier. Das hier ist die beste Erfahrung meines Lebens und ich freue mich sie mit euch zu teilen. Danke, dass ihr wieder bis zum Ende dabei geblieben seid!

Ganz viel Liebe und beste Grüße für euch,
Pascal