Samstag, 17. Januar 2015

Neue Arbeit, neues Alter und die Parabel eines Apfels - eine außergewöhnliche Woche


Buenas tardes liebe Freunde, Freundinnen, Follower & Liebhaber/-innen, 

ich heiße euch heute zu der mittlerweile 23. Episode auf meinem Blog "Pascal entdeckt Mexiko - das Reisetagebuch" herzlich Willkommen. Schön, dass ihr wieder reingeklickt habt!

Ich hatte gerade mal die Zeit und Muse auf meinem eigenen Blog herumzustöbern und meine eigenen Stories  zu lesen. Wooow, es ist echt Wahnsinn was ich schon alles erleben durfte in der kurzen Zeit hier. Zwischen all den grossen Geschichten, waren es fuer mich vorallem die kleinen Momente, die verrueckten Fotos und tollen Kommentare von euch, die mir eine Gaensehaut gegeben haben waehrend dem Lesen. 

Ich hab euch echt schon so einiges zugemutet in den letzten drei Monaten. Nicht endende Romane, Rechtschreibfehler wie bei einem 5. Klaessler und Geschichten, die ich besser für mich behalten haette. Trotzdem wart ihr mir immer treu, habt mehr oder weniger fleißig meine Berichte gelesen und mich mit Kommentaren beglückt. Mittlerweile hat mein Blog schon über 4000 Klicks und jeder einzelne macht mich stolz! Es ist das beste Zeichen, dass sich die ganze Arbeit, die ich mir mache auch wirklich lohnt. Es freut mich, dass ihr auch heute wieder den Weg hierher gefunden habt und mir eure Aufmerksamkeit schenkt. Danke!

Heute möchte ich von einer wirklich außergewöhnlichen Woche berichten, einer Woche die für mich unvergesslich bleiben wird. Warum? Dies hat vorallem drei Gruende:

1.) Neue Arbeit - mein Projektstart im GLS-Projekt Universidad Tecnológica El Retoño (UTR)
2.) Neues Alter - mein erster Geburtstag in Mexiko
3.) Neue Erlebnisse - neue TraditionenMenschen und Erfahrungen

Starten möchte ich jedoch mit keinem dieser Dinge. Stattdessen möchte ich mit der Parabel eines Apfels beginnen. Der Parabel eines Apfels? Waaaaas?? 
Falls ihr euch jetzt fragt, ob ich völlig betrunken bin, dann kann ich das absolut nachvollziehen. Aber nein ich muss euch leider enttäuschen, während ich meine Berichte schreibe bin ich (meistens/ausnahmsweise) nüchtern. Also warum schreibe ich dann über einen Apfel? Ich werde euch erzählen warum.

Die Parabel des unsterblichen Apfels:

Erst einmal möchte ich für alle die nie einen Deutsch-Leistungskurs besucht haben oder während dem Deutschunterricht geschlafen haben, kurz erklären was man unter einer Parabel versteht. Wikipedia definiert eine Parabel folgendermaßen:
Die Parabel (griechisch παραβολή) ist eine mit dem Gleichnis verwandte Form von Literatur, eine lehrhafte und kurze Erzählung. Sie wirft Fragen über die Moral und ethische Grundsätze auf, welche durch Übertragung in einen anderen Vorstellungsbereich begreifbar werden. Das im Vordergrund stehende Geschehen (Bildebene) hat eine symbolische Bedeutung für den Leser. Die Parabel bringt den Leser zum Nachdenken und zum Erkennen eines richtigen Lebens durch die Herleitung des gemeinten Allgemeinen (Sachebene).
Nachdem nun also klar ist was man unter einer Parabel versteht, möchte ich euch jetzt die Parabel des unsterblichen Apfels erzählen:

Es war einmal ein stinknormaler Apfel in einem mexikanischen OXXO-Shop in Aguascalientes. Dieser Apfel lag wunderbar behuetet zwischen seinen Geschwistern Apfelinho und Apfeline in einem Bastkorb. Der Apfel amerikanischer Abstammung genoss sichtlich sein Dasein als Apfel, so einzigartig rot und fruchtig strahlte er in die Welt. Doch mit einem Male aenderte sich das Leben des Apfels schlagartig. Es war der Abend als ein gutaussehnder Deutscher den besagten OXXO-Shop betrat, auf der Suche nach einem Snack fuer seine anstehende Reise nach Zacatecas. Und da fiel ihm dieser knallrote Apfel ins Auge. Seine schwitzige Hand griff in den Bastkorb der Apfelfamilie und entriss den noch so jungen Apfel von seinen Geschwister. Es blieb nicht einmal genuegend Zeit "Auf Wiedersehen" zu sagen. Alles ging rasend schnell und ehe sich der Apfel versah, landete er in der Einkaufstuete des Deutschen. Es schien als wuerde der Apfel den Weg seiner Vorfahren gehen, die zwischen den Zaehnen von vitaminsuechtigen Menschen starben. Doch dieser Apfel war gewillt einen anderen Weg zu gehen und dabei half ihm die Vergesslichkeit des Deutschen. Anstatt den Apfel wie geplant mit nach Zacatecas zu nehmen, vergass er ihn auf dem heimischen Schreibtisch. Der Apfel war dem Tode von der Schippe gesprungen. Doch was war nun seine Aufgabe, was war seine Mission? Dies war ihm nicht klar. Und so verbrachte er Tag fuer Tag auf dem Schreibtisch. Tage, Wochen und Monate vergingen und der Apfel blieb so rot und gutaussehend wie am ersten Tag. Er veraenderte sich kaum, nein stattdessen bluehte er in seiner neuen Umgebung foermlich auf. Eines Tages nahm der Deutsche den Apfel dann in die Hand und begab sich auf den Weg zum Muelleimer. Der Tod war nahe. Doch irgendetwas auf dem Weg stoppte ihn, was wusste er nicht. Aber irgendetwas hielt ihn davon ab den Apfel wegzuwerfen. Der Deutsche dachte ausnahmsweise nach und da fiel es ihm auf: Der Apfel hatte sich in all der Zeit kaum veraendert. Nach ueber zwei Monaten sah er immernoch so genuesslich aus wie am ersten Tag aus. Der Deutsche fragte den Apfel: "Warum siehst du immer noch so lecker aus wie am ersten Tag?" Da antwortete der Apfel: "Weil Freundschaft mich am Leben haelt und mich gedeihen laesst!" Der Deutsche fragte irritiert: "Welche Freundschaft?", also ihm ploetzliche selbst klar wurde, dass es nur eine Freundschaft in diesem Zimmer gab: die Freundschaft zwischen ihm und dem Mexikaner Diego. Sie hatte den Apfel am Leben gehalten. So lange die Freundschaft gedeihen wuerde, wuerde auch der Apfel gedeihen und so lange die Freundschaft bestehen wuerde, wuerde der Apfel unsterblich sein. 
Aber jetzt mal im Ernst: Vor zwei Monaten hab ich nen verdammten Apfel gekauft und er sieht nach ueber zwei Monaten immer noch gleich aus. Woran das liegt? Das weiß niemand. Es ist ein verdammtes Mysterium. Naja,vielleicht ist es auch die herrvoragende Gentechnik der Amerikaner die dazu fuehrt, dass sich der Apfel nicht veraendert, aber Diego und ich haben uns entschieden, dass er unsere Freundschaft und "Liebe" symbolisiert. Dieser verdammte Apfel wird nicht älter. Und wenn er das in drei Monaten immernoch tut, werde ich ihn in ein Labor schicken und nie mehr einen amerikanischen Apfel kaufen! ;-)

Der Apfel schaut Diego bei der Arbeit zu
Der Unsterbliche Apfel

Eine neue Arbeit- Mein Start an der Universität

Am Dienstag, den 06.01.2015, startete mein neues Projekt an der Universidad Tecnológica El Retoño (UTR) in Aguascalientes - ein weiterer kleiner Meilenstein meiner Zeit hier in Mexiko. Das Projekt heisst Global Leadership School (GLS) und war einer DER Gruende nach Mexiko bzw. Aguascalientes zu kommen. Als ich ueber das Projekt vergangenen Juli bei meiner Suche nach meinem passenden Praktikum las, bekam ich sofort schwitzige Haende, so begeistert war ich von der Idee des Projektes. Was ist die Idee des Projektes? Die Idee ist, dass junge Menschen aus anderen Laendern an die UTR kommen und den Studenten ihre ganz eigenen Vorstellungen von Leadership, Entreprenership und Nachhaltigkeit lehren. Dafuer wird keine besondere Lehrerfahrung oder sonstige Expertise gefordert, wichtig ist nur was man den Studenten vermittelt. Ich halte das fuer ein super interessantes und aussergewoehnliches Projekt. Ich meine koennt ihr euch vorstellen, dass irgendeine Universitaet in Deutschland einen jungen Studenten, der nichts vorweisen kann ausser seinen Wille und Engagement einfach so lehren laesst?

Doch die UTR ist anders. Sie geht andere Wege, neue Wege und unterscheidet sich mit diesem Mut neue Dinge auszuprobieren grundsaetzlich von allen anderen Unis hier in Aguascalientes und vielleicht auch in Deutschland. Das GLS-Projekt gibt jungen Menschen die Moeglichkeit ihre eigenen Erfahrungen im Lehrberuf zu sammeln und Einsichten in das Universitaetsleben zu erhalten. Nachdem schon viele AIESECer und andere junge Menschen in diesem Projekt vor mir gearbeitet haben, erhielt ich nun als erster Deutscher die Moeglichkeit ein Teil davon zu werden. Ich habe nun also die Chance, dieses Projekt weiterhin erfolgreich zu gestalten, Durch meinen Unterricht habe ich die Chance einen Einfluss auf des Leben anderer, naemlich das meiner Studenten, zu nehmen, und vielleicht einen wirklichen Unterschied in deren Leben zu machen, mit dem was ich ihnen vermittle. Dies ist fuer mich persoenlich eine tolle Perspektive, denn das ist genau was ich in Zukunft moechte: Einen Unterschied machen im Leben anderer, ihnen helfen zu lernen und zu wachsen, indem ich meine Werte, Prinzpien und Erfahrungen teile, frei nach dem Credo: "Help and serve others to become successfull and you yourself will become successfull."

Vor dem Hintergrund dieser Perspektive war ich natuerlich sehr gespannt auf meinen Start an der UTR. Da waren so einige Fragen, die auf eine Antwort warteten: Werden sich all meine Erwartungen an das Projekt und an die Uni bestaetigen? Wie werde ich wohl empfangen? Wer sind meine neuen Kollegen? Wie sieht mein Studenplan aus? Wieviele Studenten werde ich haben? Werde ich wirklich gebraucht? Ich wuerde es bald erfahren und was auch immer die Antworten sein wuerden, ich wuerde mit ihnen fuer die naechsten drei Monate leben muessen.

Nervoes und etwas zu spaet (naja man koennte sagen mexikanisch eben) kam ich am Dienstagmorgen gegen halb 9 an der UTR an. Heute stand zunaechst noch kein Unterricht auf dem Programm. Stattdessen gab es heute einen Tag der Begruessung und des Kennenlernens fuer alle Lehrer und Mitarbeiter, aber vor allem natuerlich fuer die Neuankoemmlinge so wie mich. Fuer meinen meinen ersten Tag an der neuen Arbeitsstelle hatte ich mich extra in mein bestes Outfit geschmissen, dass ich mir am Vortag noch schnell gekauft hatte (neuer Blaser, neue Chinos), um einigermassen serioes rueber zu kommen. Ihr wisst ja, erster Eindruck, Kleider machen Leute und so.
Und obwohl ich wirklich andere Sorgen haette haben sollen, war in meinem Kopf die Angst, dass ich vielleicht etwas over-dressed sein werde. Naja, diese Angst verflog im Nu als ich den Lehrersaal betrat : alle Maenner trugen einen Anzug und die Frauen ihr Buisnessdress. Ich war also eher under-dressed than over-dressed.

Zu Beginn des Tages gab es eine Einfuehrungsveranstaltung, an der die neuen Lehrer-/innen teilnahmen. Vor der Einfuerung gab es eine kleine Vorstellungsrunde der neuen Lehrer. Jeder stellte sich kurz mit seinem Namen, seinem Alter, seinen Erfahrungen und seinen Besonderheiten vor. Vor mir saßen Lehrer mit ueber 30 Jahren Arbeitserfahrung in einer Vielzahl von Schule und Unis im ganzen Land. Und ich? "Ich habe zwar kaum Erfahrung im Lehrberuf, dafuer aber 110 % Motivation, Leidenschaft und den Willen mich zu verbessern. Ich bin hier um Erfahrung zu sammeln und werde dabei mein absolut Bestes geben!" Das waren genau meine Worte die ich sagte und wofuer ich ein anerkennendes Kopfnicken bekam. Nach der Vorstellungsrunde, gab es dann die besagte Einfuerhung. Dabei erfuhr ich so einiges ueber meine neue Arbeitsstelle. Erwaehnenswert waren fuer mich vor allem drei Dinge:
1.) Die UTR ist erst zwei Jahre alt und mit nur rund 600 Studenten und 40 Lehrern eine sehr neue und kleine Universitaet im Vergleich zu den anderen Unis hier in AGS
2.) Die UTR die erste bilinguale Universitaet hier in Mexiko. Bilingual bedeutet, dass hier ist die Unterrichtssprache neben Spanisch in der Regel Englisch ist. Die Uni ist eine Art Konzept-Schule und dient fuer andere Unis die ebenfalls das bilinguale Konzept einfuehren wollen als Vergleichspartner. Das bilinguale Konzept und die damit einhergehende englische Unterrichtssprache sind auch der Grund warum ich an der Uni lehren kann ohne gut Spanisch zu sprechen.
3.) Die UTR hat eine sehr internationale Ausrichtung. Es gibt eine Vielzahl von Austauschmoeglichkeiten fuer die Studenten und zudem neben mir, noch zwei weitere internationale Mitarbeiter aus den USA. Es wird stark darauf geachtet, dass die Studenten schon früh über den eigenen Tellerrand hinaus blicken.

Im Anschluss an die Einfuerhung Lud die UTR dann zu einem gemeinsames Frühstücksbuffet für die gesamte Lehrerschaft ein. Die Direktorin der Uni, eine 27-jährige Frau (ziemlich komisch für mich als Deutscher, dass so eine junge Frau der BigBoss der Uni ist) hielt eine kurze Willkommensansprache und begrüßte alle alten so wie neuen Lehrer herzlich zum neuen Semester an der UTR. Anschließend entwickelte sich dann den üblichen Ansturm aufs Frühstücksbuffet. Neben Kaffe, Kuchen und Obst gab es dabei natürlich auch Quesadillas, Frijoles, Huevos und weitere mexikanische Frühstücksspezalitäten zum Essen mich. Das Frühstück war für mich auch die erste Möglichkeit mich mit meinen neuen Kollgen vertraut zu machen und ein bisschen zu plaudern. Außerdem konnte ich einigen bereits bekannten Gesichtern, wie z.B. Naty,Patrick (ein Gringo/Amerikaner) und Vera "Hallo" sagen. Ich fühlte mich von Anfang an wohl in meiner neuen Umgebung. Jeder kam sehr sehr offen und mit einem Lächeln auf mich zu, um mich an meinem ersten Tag zu begrüßen. Ein himmelweiter Unterschied also zu meinem Projektstart im MLB-Projekt und das absolut im positiven Sinne.
Ansprache der Rektorin



Naty, meine neue Kollegin und ich

Nachdem Frühstück stand der nächste Programmpunkt des Tages auf dem Programm und der lautete Fotoshooting. Also ab auf die Piste und einem Läääääächeln. Hier ein paar Eindrücke von meinen neuen Lehrerkollgen:

Die gesamte Lehrerschaft der UTR
Lehrer für Sprachen
Leher für Zusatz-Veranstaltungen
Im direkten Anschluss gab es dann einen sehr sehr interessanten Vortrag füruns zu hören. Das Thema des Vortrags war die sogenannte "Generation Y" mit ihren Werten und Verhaltensmuster. Der sympathische Referent ging dabei vor allem drauf ein, wie wir als Lehrer mit dieser speziell Generation umzugehen haben und was generell im Lehrberuf zu beachten ist. Für mich persönlich war dieser Vortrag, obwohl in Spanisch gehalten, sehr inspirierend. Einerseits weil er mir erste Einsichten über die "Regeln" in den Lehrberuf gab und andererseits weil ich als Mitglied dieser Generation Y fast alles absolut nachvollziehen konnte. Ich war so angetan von der Präsentation, dass ich mir anschließend gleich mal die Email-Adresse und Nummer vom Referenten besorgte, um mehr von ihm zu lernen und natürlich um mein "Netzwerk" ein bisschen zu erweitern.



Als letzter Punkt des Tages stand dann noch ein kurzes Meeting der Lehrer für Sprachen auf dem Programm. Neben Englisch wird an der UTR auch Französisch, Japanisch und nun auch Deutsch angeboten. Das Meeting war eine reine Kennenlern-und Informationsveranstaltung, in der wir alle alle über die anstehenden Aufgaben und Unterrichtspläne informiert wurden. Zudem wurde ein neuer Verhaltenskatalog ausgeteilt an sich alle Lehrer halten sollen.



Neben den selbstverständlichen Punkten Punktualität und Professionalität, lautete eine Verhaltensregeln auch:
"Cumplir cin codigo de vestimenta formal de lunes a jueves (pantalon o faldas de vestir, corbata para hombres y calzado cerrado)"
Übersetzt heißt das ganze: Buisnesslook von Montag bis Donnerstag ist Pflicht.  Ernsthaft?  Verdammt! Außer ein, zwei Hemden hatte ich nichts in meinem mexikanischen Kleiderschrank, was auch nur annähernd dieser Beschreibung entsprach. Ich habe zwar vier verschiedene Jeans und fünf verschiedene Freihemden, aber kein einziges Buisnessoutfit. 
Somit war klar was meine Aufgabe für den Rest des Tages war: Shoppen gehen.
Gesagt getan. Am Abend fur ich mit Diego und unserem Kumpel Jonathan in eine nahegelegene Shoppingmal, um ein paar anständige Hosen und Hemden zu kaufen. Da ich mir nicht sicher war, welche Anzughosen mir auch passen würden, bat ich eine Verkäuferin um Hilfe und ihr könnt mir glauben die Verkäuferin war froh als ich am Ende meine zwei Hosen und mein Hemd gekauft hatte. Sie, als konservative Mexikanerin, war ziemlich peinlich berüht als ich sie nach einer anderen Hosengröße fragt und dabei nichts anhatte außer meine Unterhosen. 

Merke: Nur in Unterhosen irgendwo hier in Mexiko rumzulaufen ist eher weniger gerne gesehen. Frauen fühlen sich peinlich berührt und Männer ebenso. Etwas konservativer zu sein in seinem Verhalten ist hier absolut Trumpf.

Letztlich aber hatte ich alles was ich brauchte und das für einen echt super günstigen Preis. Zwei Anzughosen und ein weißes Hemd für gerade mal 30 Euro. Ich denke, da kann man nichts dagegen einwenden. So endete also mein erster Tag in meinem neuen Projekt, der mir auf jeden Fall Lust auf mehr machte.

Mexikanische Bräuche und Traditionen - Día de los Reyes Magos (Dreikönigstag)

Während Weihnachten in Deutschland traditionell nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag beendet ist, fängt in Mexiko die besinnliche Weihnachtszeit erst richtig an. Nach der Noche Buena und dem Neujahrsfest, möchte ich euch nun  einen weiteren wichtigen Feiertag vorstellen – den Día de los Reyes Magos (Dreikönigstag) .
Bekanntlich verbirgt sich hinter dem Tag der Heiligen drei Könige die katholische Weihnachtsgeschichte, in welcher die drei Weisen, dem Stern über Bethlehem folgen, um dem neugeborenen Jesuskind zu huldigen und ihm Geschenke zu bringen.
Wie in der Weihnachtsgeschichte versammeln sich die Heiligen drei Könige auch auf den Plätzen von Mexikos Großstädten. Seit 1946 wird beispielsweise in Mexiko Stadt nun schon feierlich der Einzug der drei Weisen in Bethlehem nachgespielt und das Gedränge ist groß – Tausenden von Familien tummeln sich auf dem Zócalo, um die Heiligen drei Könige willkommen zu heißen und darüber hinaus Fotos mit Ihnen und der Familien zu schießen. Vor allem freuen sich jedoch die Kinder über die Ankunft der drei Heiligen. Strahlend und mit großen Augen bekommen Sie von Caspar, Melchior und Balthasar Süßigkeiten und kleine Geschenke überreicht.
Nach traditionellem mexikanischem Brauch, bekommen die Kinder normalerweise am Abend des 24. Dezembers, nur Kleidung oder einige Kleinigkeiten geschenkt. Erst am Tag der Heiligen Drei Könige, werden die Kinder mit den schon sehnlichst erwünschten Spielsachen beschenkt. Dies hat sich durch den Einfluss der westlichen Kultur, vor allem der amerikanischen Weihnachtskultur jedoch in den letzten Jahren geändert, sodass die Kindern nun schon an Weihnachten ihre Geschenke bekommen. Dennoch ist der Tag etwas besonderes hier in Mexiko. Am Abend des Día de los Reyes Magos kam deshalb die ganze Familie zusammen, um gemeinsam den Festtag zu "feiern". Keines Falls darf hierbei die köstliche „Rosca de Reyes“, ein Hefekranz, garniert mit kandierten Früchten, fehlen fehlen durfte dabei der leckere Hefekranz, genannt Rosca de Reyes, sowie warme Atole (eine Art heiße Schoki). Traditionsgemäß wird eine kleine Porzellan- oder Plastikfigur, eine Art Jesuskind, in den Kuchen eingearbeitet. Derjenige der dann das Püppchen in seinem Kuchenstück findet, wird der Tradition nach praktisch Pate des Jesuskindes und lädt somit zum Tamales-Essen am 02. Februar, de,  “Dia de la Candelaria“ (Mariä Lichtmess) ein.
Alle waren also super gespannt als der Kuchen angeschnitten wurde. Wer würde wohl das kleine Jesuskind in seinem Stück Kuchen haben? Das war die Frage aller Fragen. Ich dachte mir als erstes hat man immer die besten Karten und schnitt den Kuchen an. Gespannt schaut ich auf beide Enden des Stückes und.... VERDAMMT!! Natürlich hatte ich das "Glück" den kleinen Jesus in meinem Kuchen zu haben. Das Gelächter war natürlich groß. Schadenfreude ist halt doch die schönste Freude. Es war beinahe wie geplant, dass ich als "Ausländer" diese Tradition voll und ganz werde kennenlernen dürfen. Am 2.2. gibt es nun also Tameles. Wie ich diese kochen werden, ist mir zwar noch nicht klar, aber in meiner Gast-Mama habe ich sicherlich eine gute Lehrerin.

Rosca de Reyes

Glückliche Karina
Valeria

Das Jesuskind im Kuchen

Mein erster Unterrichtstag und "Feliz cumpleaños"

Donnerstag, der 08.01.2015 ein ganz besonderer Tag in meiner bisherigen Mexiko-Geschichte. Warum? Heute war nicht nur mein erster "richtiger" Arbeitstag an der UTR als Lehrer im GLS-Projekt. sondern auch gleichzeitig mein 23. Geburtstag - Yihiheeehahaeeyha!

Naja, ganz so spektakulär fing mein Geburtstag nicht an, her im Gegenteil: Um 5.45 Uhr klingelte mein Wecker und riss mich aus all meinen Geburtstagsträumen. Müde, aber aufgeregt gab es ganz traditionell ersteinmal ein paar Rühreier, mhhhmmmm....Um 7 Uhr wartete ich anschließend bei eisiger Kälte auf Micki, einer meiner Lehrerkollegen, mit dem ich gemeinsam zur UTR fuhr. Dort angekommen dann erstmal der hektische Blick auf meinen Stundenplan und die Frage: "Verdammt, wo war überhaupt mein Klassensaal?" Zum Glück half mir Micki und um 7.30 Uhr war es dann soweit: Meine erste Unterrichtsstunde als Lehrer an der UTR stand an. 20 junge Studenten, zwischen 19-22 Jahren alt, warteten bereits auf mich als ich den kleinen Klassensaal betrat. Es wäre gelogen, würde ich sagen, ich war nicht ein kleines bisschen aufgeregt. Aber die Aufregung verflog asbald ich meine ersten Worte sprach: "Good morning everybody, my name is Pascal Keller, I`m the German boy and welcome to our first class in the GLS-Project!" Was folgte war ein chorartiges, aus der Schule gewohntes: "Gooooood moooorning!" Los gings also. Ich nutzte die erste Unterrichtseinheit, um meinen Studenten kennenzulernen, aber vorallem um meine Unterrichtsidee und mich selbst vorzustellen.
  
Deshalb gab ich an meinem ersten Tag nur eine Einleitung zum Thema
The SUCCESS journey - How to build a successfull carreer and life und stellte mich dann mit einer kurzen Powerpoint, die ich am Vorabend noch schnell gebaut hatte, selbst vor. Mein Ziel der war es zunächst einmal Vetrauen zu meinen Studenten zu schaffen, indem sie mich kennenlernen und mich für kompetent genung halten sie zu "belehren". Zweites Ziel war sie für das Thema zu interessieren bzw. zu begeistern. Ich gab meinen Studenten während der Präsi viele persönliche Einblicke in mein Leben, meine Familie, meine Freunde, meine Hobbies und erzählte ihnen von meiner Mexiko-Erfahrung. Und obwohl mir Diego prophezeite, dass ich mit dieser banalen Präsentation nicht gut ankommen werde, entwickelte sie sich zum absoluten Renner. Indem ich ihnen meine private Seite zeigte hatte und nicht wie alle anderen Lehrer über meine Kompezenten schwafelelte, bekam ich die Studenten dazu mir zu vertrauen. Das war das Ziel und das erreichte ich. Meine ersten paar Unterrichtsstunden als Lehrer verliefen also außerordentlich gut. Ich hatte Spaß bei dem was ich tat, fühlte mich wohl beim Sprechen und meine Studenten waren zufrieden. Besser hätte dieser erste Arbeitstag nicht laufen können.

Neben der Arbeit war da ja auch noch mein Geburtstag. Nachdem sich nach und nach durchgesickert war, dass heute Geburtstag hatte, konnte ich vor Umarmungen, Küsschen und Handschlägen kaum noch retten. Fast ausnahmslos gratulierte mir jeder. Highlight war der kleine Geburtstagskuchen den ich von meiner Chefin und ihren Kollegen bekam sowie das anschließende Geburtstagsständchen auf Spanisch. Super schön war auch der kleine Geburtstagskuchen den mir eine kleine Gruppe meiner Studenten brachte. Es war zwar der hässlichste Kuchen den ich je gesehen habe, aber das war ja nicht das Entscheidende. Was zählte war, dass sie irgendwo diesen Kuchen auftrieben und ihn mir feierlich überreichten. Ich strahlte über beide Backen. Ich hatte keine Erwartungen an meinen Geburtstag gehabt und mit nichts gerechnet, umso schöner waren also für mich die ganzen Geburtstagswünsche, Geburtstagständchen (Dank Mama, Papa und Frederic) und Sprachmemos die ich von euch allen bekommen habe. Ich habe mich tatsächlich über jeden einzelnen sehr sehr gefreut. Vielen vielen Dank dafür nochmal!
Der Geburtstagskuchen der Lehrerschaft
Meine Studenten und ihr kleiner Geburtstagskuchen
Nach einem supertollen Arbeitstag war um 16 Uhr für mich Feierabend und bei bester Laune fuhr ich gemeinsam mit Micki sowie Annalisa, einer hübschen Amerikanerin, wieder "zurück in die Zivilisation" wie war spaßeshalber sagten, da die UTR wirklich weit außerhalb vom Stadtzentrum liegt. Zuhause angekommen stand schon meine Familie parat, um mir zu gratulieren. Geschenke gab es zwar keine von meiner Familie, dafür aber eine herzliche Umarmung. Is ja auch schön.
Obwohl ich bereits etwas müde war von dem ganzen Trouble, blieb keine Zeit zum Verschnaufen. Die am Abend anstehende Geburtstagsparty musste ja auch vorbereitet werden. Ich hatte meine besten Freunde zu einer Art Grillparty, genannt carne asada, und auf ein paar Bier eingeladen, um auf meinen Geburtstag anzustoßen. Mit Diego und Daniel holte ich am Nachmittag noch schnell einige Tische und Bänke ab, damit die Gäste auch sitzen konnten und kaufte die letzten Getränke ein. Die Party konnte starten. Um 19 Uhr trudelten dann nach und nach die Gäste ein. Jonathan und Kary waren die ersten Gäste und gemeinsam schmissen wir den Grill an und warteten auf die anderen Gäste. Ihr wisst ja in Mexiko ticken die Uhren etwas langsamer. Wenn die Party um 19 Uhr beginnen soll, kann man frühstens um 20 Uhr mit den Gästen rechnen. Naja, oder sie kommen eben gar nicht. Genau das passiert. Obwohl mir 15 Leute via Facebook zugesagt hatten, kamen von diesen Gästen nur 7, dafür aber 5 andere Leute die ich überhaupt nicht eingeladen hatte :D Das ist Mexiko eben. Sich auf etwas zu verlassen, kann tödlich sein.
Bei angenehmen 22 Grad saßen wir alle zusammen im Garten und genossen das leckere Grillfleisch. Dazu gab es natürlich Tortillas, Frijoles sowie einen leckeren Nopalessalat und Cola. Wir erzählten ein bisschen, lachten viel, tanzen, aber alles in allem blieb die Party eher ruhig, beinahe langweilig.
Bis ja bis, meine Fußballerkollegen erschienen und Diego den Tequilla auf den Tisch stellte. Die Fiesta begann, naja zumindest für mich. Hier in Mexiko gibt es nämlich so einige Geburtstagsbräuche.  Wie schön friedlich es doch in Deutschland auf Geburtstagsfeiern zugeht: Da werden Kerzen ausgeblasen, Ständchen gesungen und Geschenke ausgepackt. Ganz anders in Lateinamerika: Dort wird dem Geburtstagskind das Torte ins Gesicht gedrückt, mit einem Stock auf die Jagd nach einer Pappmaché-Figur geschickt und fleißig Tequila getrunken.


Carne asada

Meine Geburtstagsgäste

Eine der Traditionen ist, dass das Geburtstagskind soviele Sekunden Tequila trinkt wie er Jahre auf seinem Buckel hat. In meinem Fall also 23 Sekunden. Ob ich Bock drauf hatte? Und wieeee (NICHT). Aber Tradition ist nunmal Tradition und an meinem ersten und vllt. letzten Geburtstag hier in Mexiko wollte ich alles mitnehmen was so ging. Also auf in den Kampf. Ihr könnt mir glauben, 23 Sekunden klingt nicht viel, aber für mich war es mehr als genung....
23 Sekunden Tequilla pur
Die Reaktion...
Nachdem Abfüllen wurde dann mein Kopf fleißig durchgeschüttelt damit sich ja der ganze Alkohol in meinem  Kopf schön verteilte. Und anschließend hieß es dann: Hau di Piñata!

Ein „Gast“ der auf keiner Geburtstagsparty in ganz Lateinamerika und vor allem in Mexiko nicht fehlen darf, ist die Piñata. Es handelt sich dabei um eine Figur aus Pappmaché, die bunt bemalt und sprichwörtlich bis zum Bersten mit Süßkram, Oragen und Zuckerrohr gefüllt wird. Diego und auch Kary hatten mir eine Pinata zum Geburtstag geschenkt, sodass ich auch diese Tradition mitnehmen durfte. Nachdem die Piñata an einem Seil aufgehängt wurde, begann ein Spiel, dass unserem „Topschlagen“ ähnelt. Mir wurden  die Augen verbunden und ein Stock in die Hand gedrückt. Dann musste ich blind nach der Figur schlagen, sodass diese platzt und es förmlich Süßigkeiten regnet. Nach drei verfehlten Schlägen, brauchte ich aber mündliche Anweisung. Letztlich schaffte ich irgendwie, dass die Piñata auseinanderbrach und es Süßigkeigten regnete. Alle Gäste stürmten dann auf den am Boden verteilten Inhalt der Piñata und versuchten sich soviel wie möglich zu schnappen.
Wahrscheinlich stammt diese Tradition ursprünglich aus China und wurde einst von Entdeckern wie Marco Polo nach Europa gebracht. Dort kam sie vor allem in Italien und Spanien in Mode und wurde wiederum nach Mittel- und Südamerika exportiert, wo sie sich mit lokalen Bräuchen vermischte und sich bis zu seiner heutigen Gestalt weiterentwickelte. Oft ist die Piñata übrigens einer Comic-Figur nachempfunden; je nach Geschmack, Alter und Geschlecht des Geburtstagskindes kann das Aussehen zwischen Spiderman und Teletubby variieren. Manchmal dient auch ein Politiker als Vorbild, so macht das Draufhauen gleich noch mal so viel Spaß.





Nach diesem lustigen Hau di Piñata! entfaltete der Tequila dann seine Wirkung. Uhlala, mir wurde ganz schön schwummerig und meine Zunge wollte auch nicht mehr so richtig mitmachen. Ich war im Geburtstagszustand angekommen. Zum Glück verabschiedeten sich nach und nach alle Gäste, da am nächsten Tag ein Arbeitstag anstand, sodass ich nicht mehr soviel trinken musste. Es war mehr als genung für mich und als ich um 1 Uhr um Bett lag, war kostenloses Karusellfahren inklusive...

Eine grandioses Wochenende- Kater, AIESEC-Party und das Ende eines Traumes

Der Tag danach... naja ihr wisst ja wie man sich so fühlt am Tag nach zuviel Alkohol/ Schnaps. Genau...beschissen. Man könnte es auch einen Kater nennen. Neben diesem Kater war da aber noch ein weiteres Problem: Der Garten, der gestern noch als Party-Location diente, sah heute aus wie ein verdammtes Schlachtfeld. Überall Pinatafetzen, leere Flaschen und Müll... Verdammt! Ich musste also aufräumen, putzen und alles wieder sauber machen...Na Happy Birthday in diesem Sinne. Ich hass mei Läwe....

Das Schlachtfeld

Der Tag danach...
Naja laute Musik, zwei Liter Wasser um den Kater zu bekämpfen und der freie Freitag halfen mir zumindest einen Anfang zu finden und nach 1,5 Stunden war tatsächlich alles wieder einigermaßen in den Ursprungszustand zurückversetzt. Zumindest was den Garten anging. Mein Körper hatte immernoch mit dem Tequila zu kämpfen, sodass ich den Rest den Nachmittags damit verbrachte Schlaf nachzuholen, zu lesen und wieder auf Traab zu kommen. Am Abend dann entschloss ich mich, in bester Papa-Manier, den Alkohol ein bisschen auszuschwitzen und in Schwung zu kommen für die am Abend anstehende AIESEC-Party.

Rausschwitzen ist angesagt

Die ganze Woche über fand ein nationaler AIESEC-Mexiko-Kongress in Aguascalientes statt, mit über 600 AIESECern aus allen Landesteilen Mexikos. Da ich weder Zeit hatte die Woche über noch Mitglied bei AIESEC bin, konnte ich am Kongress leider nicht teilnehmen. Am Ende jedes Kongresstages stand jedoch immer eine große Fiesta an der man auch als Nicht-AIESECer teilnehmen kann. Dieses Event  wollte ich nicht verpassen, denn es war, frei nach dem Buch "Never Eat Alone" welches ich momentan lese, eine super Möglichkeit neue Leute kennenzulernen und ein bisschen zu "netzwerken". Da Diego kein Bock hatte, ging ich um halb 11 alleine hin. Als Deutscher und offener Typ würde ich schon ein paar Freunde finden. Und genau so war es. Die Fiesta entwickelte nach zähem Start zu einem echt lustigen Event. Ich traf viele AIESECer wieder die ich in Guanajato bzw. in Leon kennengelernt hatte und ich musste einige Hände schütteln. Natürlich lernte ich auch super viele neue Leute kennen, so wie ich mir das vorgestellt hatte. Beinahe über 400 AIESECer/-innen feierten zusammen, sangen und tanzten wie wild und ich mittendrin. OH Man, AIESEC heißt nicht nur das Leben junger Leute zu verändern, sondern auch verdammt hart feiern können. Da mein Körper noch im Kater-Zustand war beließ ich es bei Wasser heute, auch wenn ich natürlich allen erzählte es sei Tequila. "Ich kann ach ohne Alkohol Spaß ha!", gell Kevin??! Hier ein paar Bilder der Fiesta:








Den Samstagnachmittag nutzte ich dann um ein paar ein bisschen zu arbeiten und vorallem ein bisschen Sport zu machen. Am Nachmittag hatten wir dann noch ein kleines Grillfest mit der Familie bei dem wir das von meinem Geburtstag übriggebliebene Fleisch auf den Grill hauten.
Den Samstagabend verbrachte ich dann mit Kary und wir hatten einen superschönen Abend....


Am Sonntag dann der Ende eines langersehnten Traumes: Seit meiner Ankunft spiele ich ja fast jeden Sonntag mit meiner Mannschaft und Ende Dezember hatten wir uns für die Playoffs qualifiziert. Unser Traum war den Titel zu holen. Danny und mein Traum war es, dass ich als Meister bzw. mit einem Titel nach Deutschland zurückkehre. 
An diesem Sonntag stand nun um 10 Uhr morgens das erste Playoff-Spiel für unsere Equipo an. Alle waren dieses Mal pünktlich erschienen und wir hatten über 16 Spieler zusammen. Auch der Schiedsrichter, inklusive Linienrichter war da. Man konnte spüren, dass es ein besonderes Spiel war. Die Vorzeichen für das Spiel waren klar: Nur ein Sieg würde uns in die nächste Runde bringen. Bei einem Unentschieden wäre die gegnerische Mannschaft qualifiziert. 
Nach kurzem Aufwärmen und einem mexikanischen Einschwörungsgesang (war geil!) ging es dann los. Und wie es losging! Nach nur 5 Minuten gab es bereits ein Abseitstor gegen uns und zwei Pfostenschüsse für uns. Ich spielte wie immer rechts auf dem Flügel mit Danny auf einer Seite. Nach gutem Start unsererseits flachte die Partie dann ab und kurz vor dem Ende der 1. Hälfte klingte es dann, doch nicht nur 1x oder 2x, Nein gleich 3x!! Unsere Abwehr hatte eine Grundgeschwindigkeit von gefühlten 2 Km/H, also ca. wenn de Flick und de Bohn Michel beim TVH in der Innenverteidigung zusammen spielen, vllt. sogar langsamer. So war es kein Wunder, dass wir bei praktisch bei jedem 2. hohen Ball überlaufen wurden und es rappelte. Der Traum vom Finale, vom Titel war also schon in der Halbzeit beendet. Natürlich ließen wir uns nicht ohne Gegenwehr schlagen, aber letztlich reichte es nur noch zu einem 1:3 als Endresultat. Adios Traum, Adios Titel, Adios todo....
Aber so ist nun mal Fußball: Mal gewinnst du, mal verlierst du, mal gewinnen die anderen. 

Am Nachmittag hatte ich dann erstmal mein Schlafdefizit auszugleichen. Ich hatte das Wochenende kaum mehr als 5 Stunden im Durchschnitt geschlafen, sodass ich einiges nachzuholen hatte. Früher gehasst heute geliebt: Bahhh, Mittagsschlaf I <3 U! 

Am Abend traf ich mich dann mit einer Freundin auf nen Kaffee. Die ganze Zeit über sprachen wir Spanisch, was für mich immer noch außergewöhnlich ist. Mittlerweile kann ich fast alle meine Gespräche in anständigem Spanisch führen. All die Unterrichtsstunden scheinen sich also langsam aber sicher auszuzahlen :) 



 Der Sonntagabend klang dann sehr ruhig und andächtig aus. Gemeinsam mit Kary besuchte ich meinen ersten Gottesdienst hier in Mexiko (Papa ich habe also mal wieder auf deinen Ratschlag gehört). Nach langer langer Zeit war ich also mal wieder in der Kirche und ich muss sagen es tat mir richtig gut, einfach still zu sein und zuzuhören. Ich bin hier wirklich ständig on Tour oder mit irgendwas beschäftigt, sodass die Stille für mich ungewohnt aber schön war. Auch der Gottesdienst hatte seinen eigenen Charme, auch wenn er im Grunde so ablief wie in Deutschland. Naja außer dass man die Hostie hier direkt auf die Zunge bekommt anstatt in die Hände. Nach 40 Minuten war mein erster Gottesdienst hier in Mexiko dann vorbei und da wir ja jetzt schon in der Stimmung sind möchte ich auch ganz andächtig mit einem Bibelvers enden: 

"Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark!"
1. Korinther 16,13

In diesem Sinne bis bald, in Liebe euer Pascal


Freitag, 9. Januar 2015

Silvester in Mexiko o año nuevo en Mexico

Hallo, Servus und Grüß Gott,

nachdem ich euch bereits von meinem ersten Weihnachten in Mexiko erzählt habe, werde ich euch heute über das letzte Highlight des Jahres, nämlich über meine Silvesternacht hier in Mexiko berichten.

Feliz año nuevo - Frohes neues Jahr! Also auf gehts in die Erlebnisse meiner letzten Nacht in 2014 und meinem Start ins Jahr 2015. Viel Spaß!


 El dia ultimo - der letzte Tag des Jahres:

Um das Ende des Jahres 2014 und meiner ersten drei Monate gebührend ausklingen zu lassen entschlossen Diego und ich uns nicht lumpen zu lassen und Silvester in DER Stadt schlechthin zu verbringen: Mexico City, die Hauptstadt und Millionenmetropole Mexikos. In dieser Stadt hatte für mich am 01.Oktober 2014 mit meiner "Gefangenschaft" am Flughafen meine Reise angefangen und hier würde nun auch der letzte Tag dieses wundervollen Jahres zu Ende gehen. So schloss sich also der Kreis meiner ersten drei Monate.

Vorab sollte man wissen, dass Silvester hier anders gefeiert wird als in Deutschland.
Nr.1 ) Feuerwerk ist hier aus Unfallgründen verboten. Anscheinend hatte es in den letzten Jahren soviel Unfälle gegeben, dass sich die Regierung für ein landesweites Verbot von Feuerwerk für den Privatgebrauch entschieden hatte.
Nr. 2) Silvester ist hier beinahe so wichtig wie Weihnachten und ist ebenso eine Art traditionelles Familienfest. Die meisten Leute verbringen Silvester also ganz besinnlich mit ihrer Familie und gehen nicht wirklich feiern. Das war für mich schon etwas ungewöhnlich, denn für mich ist Silvester eigentlich immer eine Nacht die ich mit Freunden verbringen und in der wir so richtig "änner durff machen". Naja, so unterscheiden sich also mal wieder die Traditionen.

Nach einer kurzen Nacht die Diego und ich im Reisebus verbrachten, kamen wir um 6 Uhr morgens mit müden Augen in der Hauptstadt an. Noch immer habe ich mich nicht wirklich daran gewöhnt im Bus nachts wirklich zu schlafen. Stickige Luft, die kühle Luft der Klimaanlage und schnarchende Nachbarn sind für mich einfach nicht die optimalen Bedingungen um wirklich zu schlafen. Mein Schlaf gleicht dann eher einem stündlichen Aufwachen und Wiedereinschlafen. Naja, ich sollte mich mal nicht beschweren, immerhin hatten wir uns es ja so ausgesucht. Von der Central de Autobuses  ging es für Diego und mich dann direkt weiter zur Wohnung unseres Kumpels Ruben. Vor drei Wochen hatte ich noch mit Ruben in Ross und Memos Haus auf dem Boden geschlafen, doch nun hatte er tatsächlich nach langer Suche mit seinem Kumpel Wohnung gefunden und diese zur WG gemacht. Und eben diese WG würde unsere Unterkunft für die nächsten zwei Tage in Mexiko sein.
Nach einer schier endlosen erscheinenden Metrofahrt quer durch Mexiko City und der anschließenden Suche nach Rubens Appartment kamen wir dann gegen 9 Uhr morgens an unserem Ziel an - endlich!

Nach einer eiskalten Dusche und einem typisch mexikanischen Frühstück an einem der Straßenessenstände ( Tortas für 10 Pesos, also beinahe gratis) fühlte ich mich wieder lebendig und dia ultimo konnte starten. Diego und ich wollten diesen letzten Tag des Jahres nutzen um ein bisschen auf Sightseeingtour in Mexiko City zu gehen. Eigentlich dachte ich ich hätte so gut wie alle typischen Touri-Plätze dort schon gesehen nachdem ich  ja bereits eine ganze Woche in Mexiko nur mit Sightseeing verbracht hatte, aber diese Stadt ist so verdammt groß und hat so verdammt viel zu bieten, dass es da tatsächlich noch einiges zu sehen. Allen voran war es mir als Fußballverrückter entgangen DAS Fußballstadion zu sehen: das Aztekenstadion (spanisch Estadio Azteca). Und schließlich war es Diego, der nun wirklich nicht als fußballaffin durchgeht, der die Idee hatte dorthin zu fahren. Also ab in die Metro und auf zu diesem bombastischen Stadion. Das Estadio Azteca besitzt eine Kapazität von 105.000 überdachten Sitzplätzen und ist seit dem Rückbau des Maracanã-Stadions das weltweit nunmehr drittgrößte Stadion für Fußballspiele (nach dem Stadion des 1. Mai in Pjöngjang und dem Yuba Bharati Krirangan in Kolkata) und das größte reine Fußballstadion der Welt. Das Estadio war als einzige je zweimal Austragungsort eines Eröffnungs- und Finalspiels der Fußball-Weltmeisterschaft (1970 mit damals max. 107.494 Zuschauern und 1986 mit 114.464 Sitzplätzen) und ist mit 19 Spielen häufigster Austragungsort von WM-Spielen.


Als wir am Stadion ankamen dann erstmal ein kleiner Schock. Um das Stadion zu sehen wurde ein Mondpreis von 100 Pesos verlangt . 100 Pesos - verdammt! Wenn man ein Spiel im Stadion live sehen will kostet ein Ticket 60 Pesos und wir sollten nun für eine reine Besichtigung 100 Pesos zahlen?! Im Lääääwe nid! Also versuchten wir es mit Trick 17: Wir gliederten uns einfach in eine große Touristengruppe ein die gerade dabei war ins Stadion zu gehen und hofften nicht aufzufliegen. Wir fühlten uns dabei wie zwei Kleinkriminelle, aber was solls, es klappte! So kamen wir also kostennlos in den Genuss einer Stadionführung durch das kleine Museum des Stadion, der Kabinen, dem Presseraum und natürlich dem Stadion selbst. Memo an mich selbst: Frechheit siegt nicht immer, aber immer öfter!
Willkommen im Estadio Azteca
Für alle Fußballverrückten ist das Estadio eine wahre Goldgrube an Erinnerungen an unvergessliche Fußballmomente. Für die ältere Generation vielleicht sogar noch etwas mehr als für mich.
Beispielsweise fand 1970 das sogenannte Jahrhundertspiel, "el partido del siglo", in diesem Stadion statt: das Halbfinale zwischen Italien und Deutschland.

107.000 Zuschauer sahen damals eines der wohl größten Spiele in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft. Italien ging nach sieben Minuten in Führung und wollte den Vorsprung in der bewährten Catenaccio-Taktik verteidigen, doch die Deutschen schlugen  in der letzten Minute zu. Karl-Heinz Schnellinger erzielte das 1:1, nachdem die deutsche Mannschaft 80 Minuten lang das italienische Tor berannt und dabei zahlreiche Großchancen vergeben hatte. Eine Verlängerung musste die Entscheidung bringen. Der spätere Torschützenkönig dieser Weltmeisterschaft, Gerd Müller, brachte Deutschland in der 95. Minute in Führung, doch Tarcisio Burgnich konnte nur vier Minuten später ausgleichen. In der 104. Minute gelang den Italienern durch Luigi Riva die 3:2-Führung, die durch ein weiteres Tor von Müller in der 110. Minute zunichtegemacht wurde. Den Schlusspunkt dieser unglaublichen Verlängerung setzte Gianni Rivera mit dem 4:3 in der 111. Minute. Damit stand Italien im Finale gegen Brasilien, doch am meisten in Erinnerung blieb den Menschen das Halbfinale zwischen Italien und Deutschland. Es ist heute unter dem Begriff „Jahrhundertspiel“ bekannt, wobei die deutsche Presse bereits das mit 3:2 nach Verlängerung nach 0:2-Rückstand gewonnene Viertelfinale gegen den alten Rivalen England als Jahrhundertspiel bezeichnet hatte.

Zwei Fußballlegenden unter sich ;-)

Auch eines der wohl legendärsten Tor aller Zeiten fiel in diesem Stadion: das Tor von Diego Maradona mit der Hand Gottes. Jenes Skandaltor zum 1:0 (Endstand 2:1) haben vorallem die Engländer dem einstigen Fußballstar nie verziehen. Das zweite Tor von Diego Maradona in diesem Spiel wurde später von der FIFA zum Tor des Jahrhunderts gekürt.

Heute wird das Stadion überwiegend vom mexikanischen Spitzenclub und aktuellem Meister "Club América" genutzt, dessen Anhänger das Stadion bei den Meisterschaftsspielen durchschnittlich mit etwa 65.000 Menschen füllen. Gelegentlich wird das Stadion auch für andere Massenveranstaltungen, wie religiöse Zusammenkünfte genutzt. Am 25. Januar 1999 war beispielsweise Papst Johannes Paul II. während einer Pastoralreise nach Amerika im Aztekenstadion zu Gast und hielt eine Ansprache.

Als wir das Stadion betraten war ich wirklich beeindruckt. Was ein grandioses Stadion. Und was eine Akustik! Unsere Fühererin bat uns alle (ca 40 Leute) mal "Goaaaaal!" zu rufen und alleine diese 40 Stimmen führten zu einem superlautem Echo. Jetzt stellt dir das Ganze mal mit über 100.000 Zuschauern vor wenn du ein Tor machst. Das Gefühl danach muss besser sein als ein Orgasmus tippe ich! ;-)

Nach diesem ersten coolen Erlebnis entschieden Diego und ich uns dann nach Xochimilco zu fahren einem der 16 Stadtbezirke (Delegaciones) von Mexiko-Stadt, der mit ca. 415.000 Einwohner beinahe größer ist als jede deutsche Großstadt. Gemeinsam mit dem historischen Zentrum der Stadt ist Xochimilco Weltkulturerbe der UNESCO und heute vor allem für seine „Schwimmenden Gärten“ bekannt. Die „Schwimmenden Gärten“ sind für die Hauptstadtbewohner wie auch Touristenströme ein beliebtes Ausflugsziel. Sie bestehen aus einem Geflecht künstlich angelegter Kanäle mit einer Gesamtlänge von rund 150 km und Inseln aus bepflanzten, mit Seeschlamm bedeckten Flößen (Chinampas), deren Wurzelwerk mittlerweile bis auf den Grund reicht.Heutzutage werden die Gärten zur Erholung, für touristische Aktivitäten, aber auch wieder als landwirtschaftliche Anbaufläche und damit gemäß ihrer ursprünglichen Aufgabe benutzt.
Schwimmende Gärten Xochimilco


Leider sind die "schwimmenden Gärten" jedoch nicht nur außergewöhnlich schön anzuschauen, sondern auch auch leider außergewöhnlich teuer, sodass Diego und ich nur einen kleinen Blick leisten konnten. Das war auch genug gerade wenn man sich vor Augen führt, dass es schon ziemlich komisch gewesen wäre, wenn zwei Männer eine Stunde lang romantisch auf einem Fluss entlangsegeln....

Stattdessen sparten wir uns unser Geld für das Wesentliche hier in Mexiko: ESSEN! Doch nicht nur irgendein Essen, Nein es gab...Trommelwirbel....TACCOS! Und was für leckere! Doc dazu mussten wir erstmal durch das Labyrinth eines der typischen Mercados laufen. Auf den Mercados werden allerlei mexikanische Essenspezialitäten angeboten. Hier gibt es von super-frischen Früchten über Fischtaccos bis hin zu ganzen Schweineköpfen alles zu kaufen. Die Geräuschkulisse in der Markthalle war fuer mich als Tourist aussergewoehnlich. Die Kulisse war ein Mix aus dem Geschreie aus all den Verkaufer die ihre wild gestikulierend und bruellend um Kunden warben, so wie tratschenden Mexikanern, irritierten Touristen und mexikanischer Hintergrundmusik. Das Betreten einer der Markthallen ist fuer mich immer ein intensives Eintauchen in die typische mexikanische Kultur. Neben den typischen Mexikanern die hier arbeiten. einkaufen oder essen, ist vor allem das angebotene Essen einfach nur mexikanisch. Und mit typisch mexikanisch meine ich nicht nur super lecker, sondern auch schnell, einfach, frisch und leider auch ungesund. Aber was solls, wenn dein Magen knurrt und du diese verdammt gut aussehenden Taccos siehst, bleibt dir gar keine andere Moeglichkeit als dich an einen der Essensstaende zu setzen und 1-4 Taccos zu verschlingen.



Mexikanische Familien beim Mittagessen

Taccos, Taccos, Taccos.... mhhhhhm

Waehrend Diego und ich also genuesslich unsere Taccos zu uns nahmen, beobachtete ich das Geschehen auf dem Markt. vorallem die uns gegenueber sitzende mexikanische Kleinfamilie, die trotz offensichtlichen Gewichtsproblemen ein Tacco nach dem anderen bestellte nach dem Credo: wenns schmeckt, dann schmeckts halt. Irritiert doch mein offensichtlich zu auffaelligen Starren sprach mich die Familie gleich an. Und dann spielte sich wieder der mittlerweile schon gwoehnliche Dialog ab: De donde es? Wo kommst du her?
Soy de Alemania. Ich bin aus Deutschland.
Incercio? Echt?
Si, es la verdad. Ja das ist wahr.
Oh que bonito. Me gusta mucho Alemania. Oh wie schoen, mir gefaellt Deutschland sehr.
(Laecheln aufsetzen) A mi tambien. Mir auch.
Podemos tomar una foto juntos? Koennen wir ein gemeinsames Foto machen?
Claro que si. Ja auf jeden Fall.
Die Mexikaner lieben es anscheinend Fotos mit einem Deutschen zu machen, anders ist nicht zu erklaeren warum jeder dritte Dialog so endet. Diego kann nur immer den Kopf schuetteln, wenn mal wieder die Frage nach einem gemeinsamen Foto kommt.
Mich freuts natuerlich, denn es zeigt doch, dass die Mexikaner uns Deutsche moegen.
Und jetzt schaut euch einfach mal in Ruhe das Foto an....wer jetzt auf den Ausschnitt guggt hat verloren ;-)



Nach dem leckeren Essen verbrachten wir dann noch eine Stunde auf dem riiiiiiiesigen Freiluft-Markt in Xochimilco. Ich habe noch nie in meinem Leben einen so grossen Markt in meinem Leben gesehen. Beinahe das ganze Stadtzentrum war ein einziger grosser Markt auf dem es wirklich beinahe alles zu kaufen gab. Neben Essen, auch allerlei Souvenirs auch Tiere oder Motorraeder. Es war echt der Wahnsinn. Leider koennen die untenstehenden Bilder nicht die Atmosphaere nicht abbilden. Nur wer selbst auf dem Markt gewesen ist, kann in etwas nachvollziehen was ich meine wenn ich sage, dieser Markt ist das kleine Abbild der Vielfalt und Kultur Mexiko Citys.






Der Helm hilft bei einem Unfall sicher ;-)

Am Abend hieß es dann fertig machen für die große Nacht . Und obwohl das jetzt nach Euphorie klingen mag, fühlten Diego und ich alles andere als Euphorie an diesem letzten Vorabend des Jahres. Anstatt der mega-geilen-super-dupper Fete wegen der wir nach D.F. gekommen waren, lagen wir auf unserer Luftmatratze und malten uns aus wie schlecht der Abend werden würde. Wir hatten beide erwartet, dass wir hier in Mexiko auf die beste Party in ganz Mexiko gehen, aber stattdessen hatten wir um 8 Uhr noch immer keinen Plan was wir machen würden. Zudem sagten nach und nach alle Freunde ab  mit denen wir eigentlich feiern gehen wollten und Ruben unserer einziger Mitzögling war krank. Ich war sichtlich enttäuscht in diesem Moment und verfluchte es beinahe extra nach Mexiko City gekommen zu sein. Aber Miesepeterrei und schlechte Laune haben ja noch nie geholfen einen Abend legendär werden zu lassen. Eine positive Grundeinstellung und eine Flasche Tequilla helfen da doch schon viel mehr, oder nicht? Also ein paar kräftige Schlücke aus der Pulle und ab gings in die Stadt....










Im Herzen der Stadt war schon mächtig etwas los. Die bekanntesten Straße, Calle Reforma, war extra für diese Nacht gesperrt und verwandelte sich in eine Festivalstraße, die von tausenden Menschen gesäumt war. Am Ende der Festivalstraße gab es dann noch ein Gratis-Konzert von Alejandro Fernandes einem bekannten Musiker hier. Langsam kam ich in Feierstimmung. Die Nacht konnte beginnen.

Nachdem wir über die Festmeile geschlendert waren, zog es und als nächstes in eine Bar. Es war mittlwerweile schon 11 Uhr. Das neue Jahr stand also kurz bevor.
In der Bar angekommen dann natürlich erst einmal der gewöhnlich, prüfendende Blick nach „Beute“, nach hübschen Mexikanerinnen, die uns diesen Abend eventuell versüßen könnten. Unsere Blicke wanderten also durch die Bar, während wir an unserem Bier schlürften, blieben diese gleichzeitig  an einem Tisch stehen an dem zwei junge, mehr oder weniger hübsche Frauen ganz allein saßen. Wir grinsten uns an und jeder dachte das Gleiche:  Aha, mal sehen was da möglich ist! Doch Diego und Ruben zogen gleich den Schwanz ein, Frauen ansprechen, so erzählten sie mir, sei nicht so einfach und überhaupt als Mexikaner sei das viel schwerer…..blablabla. Wer musste also die Kinder in die gute Stube holen? El pinche aleman. Ich lief rüber zum Tisch stellte mich kurz vor und fragte einfach ob sie Bock hätten mit uns diese unvergessliche Nacht zu feiern. Das wars, mehr nicht. Aber es reichte um die zwei an unseren Tisch zu holen und sie kennenzulernen. Memo an mich selbst: Bien hecho, Pascal (Gut gemacht, Pascal). Nun mit kühlem mexikanischem Bier und Frauen im Gepäck konnte die Nacht so richtig losgehen.

Unsere Girls
Prost
 Der Minutenzeiger kam der magischen 24 Uhr-Grenze immer und immer näher. Nur noch 5 Minuten bis zum neuen Jahr. Also schnell ab zur Calle Reforma um dort mit tausenden anderen zu feiern. Aber halt fuck, wir mussten ja noch unsere Rechnung bezahlen. Und während wir auf unsere Rechnung warteten hörten wir die Menschen in der Bar laut den Countdown runterzählen: „ 5,4,3,2,1….“ FELIZ ano nuevo! Happy New Year! Wuuuhuuuu, yeah, Exstase, Freude. Naja, weniger bei uns, die wir immer noch auf die verdammte Rechnung warteten. Und so verbrachte ich also die ersten Minuten dieses neuen Jahres in irgendeiner belanglosen Bar und mit dem Sport den ich hier in Mexiko bereits ausreichend kennengelernt hatte: WARTEN.
Dann endlich kam sie, die Rechnung, wir bezahlten und machten uns mit den Mädels im Schlepptau auf schnellstem Wege auf zum Hauptplatz der Calle Reforma. Dort kam dann das Silvesterfeeling auch wirklich an bei mir. Über mir schossen die Raketen in die Luft und erleuchteten den mexikanischen Himmel, neben mir lagen sich wild fremde Leute in den Armen, unter mir vibrierte der Boden. Menschen jubelten, schrien und beglückwünschten sich. Ich zog diese Atmosphäre völlig auf, starrte in die Luft und ließ meine Gedanken einfach loslaufen. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht bei jedem Jahreswechsel kurz innezuhalten und das alte Jahre zu reflektieren. Meistens bin ich dann in einer Parallelwelt in der mich für einige Minuten niemand ansprechen kann, weil ich tief in meinen Gedanken versunken bin. Was hatte mir das abgelaufene Jahr gebracht, was hatte ich gelernt, was hatte ich erreicht? Für was konnte ich dankbar sein? Und was würde mir wohl das neue Jahr bringen? Welche neue Aufgaben würden auf mich warten? Was will ich erreichen dieses Jahr?
 
Mittlerweile ist schon mehr als die Hälfte meiner Zeit hier in Mexiko vorbei, denn ich bin nun schon mehr als drei Monate im Land der Mayas, Zapotecen, Taccos und des Tequillas. Es liegen nun also noch genau zwei Monate und 21 Tage vor mir hier bevor am 24.03.2015 mein Rückflug nach Frankfurt (Deutschland) geht. Dieses Datum der Rückreise macht mich einseits traurig, weil es gleichbedeutend mit dem Ende eines unvergesslichen Lebensabschnitts sein wird, aber andererseits ist da in mir auch eine gewisse Freude all meine Freunde und vor allem meine Familie wiederzusehen. Wie immer wird es ein lachendes und ein weinendes Auge bei meinem Abschied geben. Doch bis es soweit ist werde ich versuchen meine letzten verbleibenden Woche hier nocheinmal voll auszukosten und alles was geht mitzunehmen. Ich darf hier in Aguascalientes noch neun sicherlich aufregende Wochen verbringen, bevor ich dann in meinen letzten zwei Wochen mit meiner Freundin Annika meinen Abschlusstrip hier in Mexiko machen werde. 
2 Monate und 21 Tage, das ist also die Zeit die noch vor mir liegt. Mein Ziel: Diese letzen knapp drei Monate zu den besten meines Lebens machen!
 
Dann holte mich Diego aus meiner Parallelwelt wieder raus, schüttelte mich und nahm ich in den Arm. Zwar waren meine Brüder Dominic und Frederic dieses Jahr nicht mit mir an Silvester, aber trotzdem umarmte ich das gerade einen meiner Brüder. Genau das dachte ich als ich Diego in den Armen lag und er dachte vielleicht das Selbe. Aber wie Männer das mit ihren Gefühlen nun mal so machen, sagten wir nur kurz: „Feliz ano nuevo, wey!“ Mehr Gefühle waren nicht erlaubt ;-)
Feliz ano nuevo!!
Nachdem wir uns alle das Beste für das anstehende Jahr gewünscht hatten, zog es uns anschließend in eine Karaokebar. Auf dem Weg dorthin unterhielten wir uns ein bisschen mit den Mädels und vor allem die Brünette namens Eli machte einen ganz ganz komischen Eindruck. Nach jedem Satz den sie sagte, hielt ich sie für mehr verrückt. Selten hatte ich vorher eine so komische Frau kennengelernt. Ich kam mit ihrer direkten, unlustigen und provozierenden Art einfach nicht zurecht. Vielleicht würde sich das ja aber nach ein paar Bier ändern, das hoffte ich zumindest.
In der Karaokebar herrschte schon eine prächtige Stimmung- wie immer in den Karaokebars hier in Mexiko. Die Leute singen lautstark jeden verdammten Song mit, tanzen dazu und haben einfach Spaß.  Und meine Güte, die Leute konnten wirklich verdammt gut singen – naja die meisten zumindest. Da waren einige Gesangstalente dabei, die neben dem Gesang auch noch richtig Stimmung in die Bude brachten. Allen voran die Homos. Homos? Ja richtig gelesen. Die Schwulen unter den Gästen machten aus einem normalen Karaokeauftritt eine Live-Show höchster Güte. Sie räkelten sich auf dem Boden, berührten sich und sagen mit solch einer Passion, dass man beinahe hätte meinen können es gehe um Leben und Tod.  Wir befanden uns hier in der sogenannten „Zona Rosa“, der liberalsten und offensten Zone hier in Mexiko und wohl in gesamt Mexiko. Hier liefen Männer mit Highheels rum, waren geschminkt und küssten sich ohne Hemmungen. Eine absolute Ausnahme in diesem sonst sehr konservativen Land, indem Schwulsein oftmals noch als Krankheit betrachtet wird. Doch in der „Zona Rosa“ war alles erlaubt.
Auch unsere 5-er Gruppe zog es nach und nach auf die Bühne. Die Mädels sagen im Duett und selbst Diego und Ruben sangen einen Song. Auch ich gab einen Song zum Besten, den einzigen englischsprachigen Song des Abends: Angels von Robbie Williams. Und ja ich hatte dabei meine Hosen an ;-) Während ich den Song sang, jubelten mir die Leute zu und alle gröhlten in mehr oder wenig gutem Englisch mit. Ein geiles Gefühl!

Ich hatte richtig Spaß diese Nacht, was vielleicht auch daran lag, dass die Blondine und ich am Ende mehr als Freunde waren ;-)




Schaut euc den Gesichtsausdruck an und ihr wisst die Tussi is verrückt

Gegen halb 5 leerte sich die Bar dann langsam und auch wir orderten unsere Rechnung. Und außer dieser Rechnung entwickelte sich dann eine unvergessliche Geschichte. Nachdem wir die Rechnung in Höhe von 1000 Pesos erhalten hatten, bat mich Diego 300 Pesos zu bezahlen. Ich schaute ihn nur verdutzt an und fragte: "Was 300 Pesos? Für was? Ich hab zwei Bier getrunken?!! Diego schaute mich achselzuckend an und sagte: " Ja is halt so. Die Frauen zahlen nicht. Das ist hier in Mexiko so!"
Waaaas? Die Mädels waren beide komplett abgeräumt, hatte beide für mehr als 500 Pesos gesoffen und wollten jetzt ohne was zu zahlen abhauen? Niemals, dachte ich mir. Also fragte ich die Brünette (alias die Verrückte): "Wollt ihr nix bezahlen?!" Wutentbrannt schaute sie mich an, nahm ihre Tasche und verließ die Bar. Doch das war nicht alles. Als wir die Bar verließen, kam sie weinend auf mich zu und schrie mich an: "Pinche nako, pinche muerto de hambre, pinche pobre puto!" was soviel heißt wie "Du armer Schlucker, die Vollidiot, du Schwuchtel!". Diego und Ruben konnte sie nur mit Mühe zurückhalten, immer wieder riss sie sich los und wollte auf mich losgehen. Ich hatte sowas noch nie erlebt. Die Frau war sage und schreibe 32 Jahre alt und war völlig aufgelöst, weil ich sie fragte ob sie etwas zu unserer Rechnung dazugeben will. Frauen können ja verrückt sein, aber für diese Frau müsste man ein neues Wort erfinden. Verrückt reicht da schon nicht mehr aus!

So endete also eine alles in allem lustige Silvesternacht mit einer Geschichte, über die sich meine ganze Familie Tage später würde herzlich amüsieren können. Gegen halb 6 lagen wir dann im Bett und schlummerten mit einer schönen Alkoholfahne ein....

Gute Nacht...



Als wir einige Stunden später wieder erwachten und uns so anschauten musste wir allelaut anfangen zu lachen. Alle Details der letzte Nacht wurden nochmal durchgegangen und durchgesprochen und jedesmal wenn wir über die Verrückte erzählten, konnte wir nur ungläubig den Kopf schütten "Pinche nako, pinche muerto de hambre, pinche pobre puto!" - das Gelächter war groß. Eine unvergessliche Nacht lag hinter uns, so viel stand fest.

Zum Frühstück gab es dann erstmal ein paar Taccos und eine heiße Suppe, die uns half wieder in die Spur zu kommen. Für mich ist eine solche Art zu frühstücken mittlerweile Normalität geworden. Marmelade, Schinkenwurst, Butter und Weck haben hier beim Frühstück einfach nichts verloren. Auch Kaffee ist eher selten. Stattdessen gibt es einen Sadt und es  wird schon zu früher Stunde pflichtbewusst darauf geachtet, dass die ersten Tortillas gegessen werden, denen im Laufe des Tages natürlich weitere folgen würden.




Den Rest des Tages nutzten wir dann für einen kleinen Stadttrip. Bei strahlendem Sonnenschein sahen wir das Nacional Autitorio,  das zu den weltweit besten Veranstaltungsorte von Fachmedien zählt,.die Feria Chapultapec und das außergewöhnliche Kunstmuseum "Soumaya".



So klein isser, so klein...

Seit 2011 ist Mexiko-Stadt nämliche um eine kulturelle Attraktion reicher: Das Kunstmuseum Soumaya (Museo Soumaya Fundación Carlos Slim). Der mexikanische Unternehmer Carlos Slim, laut dem Forbes Magazine der reichste Mann der Welt, schenkte seiner Stadt einen einmaligen Kunstpalast, benannt nach seiner verstorbenen Frau Soumaya. Der Multimilliardär stellt dort öffentlich seine umfangreiche private (!) Kunst-Kollektion aus. 

Das Museum liegt in einem sogenannten  mixed-use development, Plaza Carso in Nuevo Polanco.
Diese Projekt bei auch die Hauptgebäude von Carlos Slims Unternehmen gebaut wurden, ebenso wie ein Luxushotel und einige Apartments kostete schlappe 800 Million Dollar. Peanuts für einen Milliadär wie Carlos Slim. Mit dem Muesum hat er sich jedenfalls sein eignes Denkmal in Mexiko geschaffen.
 
Nuevo Polanco.
Allein schon das Museumsgebäude ist ein architektonisches Kunstwerk und hat sich als neues Wahrzeichen in Mexiko-Stadt etabliert. Tausende Metallplatten formen eine Art Bienenwaben, welche die an einen Bug eines Schiffes erinnernde Konstruktion überziehen. Das futuristische Museumsgebäude hat sich innert kürzester Zeit als ein neues Wahrzeichen von Mexiko-Stadt etabliert. Entworfen wurde das Soumaya-Museum vom Architekten Fernando Romero, welcher mit einer Tochter von Carlos Slim verheiratet ist. Die Investition soll sich auf mehr als 34 Millionen US-Dollar belaufen haben scheinbar viel und doch nur ein Bruchteil des unfassbaren Vermögens des erfolgreichen Geschäftsmannes.

Das Museum fürs Volk
Die rund 66.000 Kunstwerke umfassende Sammlung des Museums beinhaltet europäsche Gemälde der Maler Cézanne, Picasso, Dalí, Renoir, Van Gogh, Leonardo da Vinci und die bedeutendste Rodin-Sammlung ausserhalb Europas, ebenso wie Werke der grossen mexikanischen Künstler Diego Rivera, José Clemente Orozco und David Alvaro Siqueiros. Die Kunstsammlung ist nun im Soumaya-Museum einem breiten Publikum zugänglich gemacht worden und erst noch ohne ein Eintrittsgeld zu erheben. Kultur und Kunst vom feinsten für das mexikanische Volk. Das klingt zwar super toll, aber ich denke Carlos Slim ist ein cleverer Geschäftsmann und würde er nicht selbst einen finanziellen oder persönlichen Vorteil von diesem Museum haben, hätte er es wohl nie gebaut. Nichtsdestrotz ist es ein einmaliges Erlebnis dieses Museum von innen zu sehen.









Am Ende des Tages waren wir dann alle geschlaucht. Müde von der Nacht und mit schmerzenden Füßen nach den über 30 Kilometern die wir an diesem Tage zurückgelegt hatten in dieser riesigen Stadt, waren froh als wir abends endlich wieder in Rubens Apartment ankamen. Das untenstehende Bild, bringt die Kraftlosigkeit und teilweise Verzweiflung über die nimmerendenden Wege perfekt auf den Punkt:


Am frühen Abend entschieden Diego und ich uns dann nach AGS zurückzukehren, um uns eine weitere Nacht im Bus zu ersparen. So endete ein weiterer unvergesslicher Aufenthalt in Mexiko City, der Stadt in der nun auch meine letzten drei Monate meiner Zeit hier in Mexiko angefangen haben und wo sie auch enden werden. Aber bis dahin gibt es noch viel zu tun, viel zu erleben und viel zu lernen. Neue Geschichten warten schon auf mich und damit auch auf euch. Bleibt also dabei und habt weiterhin viel Spaß beim Lesen.

Bis ganz bald und beste Grüße an euch,

Pascal