Freitag, 21. November 2014

Über eineinhalb Monate in Mexiko o un mes y medio en México


Servus, Grüß euch und Hallo,

es ist mal wieder soweit und ich berichte euch heute über meine insgesamt fünfte Woche hier in Aguasclientes. Mittlerweile sind zwischen meinem ersten Blogeintrag und diesem Blogeintrag heute schon über eineinhalbe Monate vergangen -ist es nicht irre wie schnell die Zeit vergeht? Zwar liegen immer noch knapp viereinhalb Monate vor mir, aber ein wesentlicher Teil meiner Zeit hier in Mexiko liegt schon hinter mir. Ich weiß, dass sich hier momentan alles in einem Ausnahmezustand bewegt und dass das nicht ewig so weitergehen kann. Ich weiß mich wird irgendwann, spätestens in Deutschland, die Realität wieder einholen, aber bis dahin ist es noch verdammt lange hin. Solange ich hier bin, kann es ruhig ein Leben auf der Überholspur bleiben, denn lange genug kann ich noch rechts auf der normalen Fahrbahn fahren. Ich möchte hier weiter Gas geben und das Beste aus meiner Zeit rausholen. Ich möchte die Zeit hier nutzen, um zu lernen, zu arbeiten, mich inspirieren zu lassen, neue Ideen zu sammeln, neue Leute zu treffen, an neuen Projekten zu arbeiten und neue Pläne für die Zukunft zu schmieden.  Es gibt soviele Sachen, die ich machen und erreichen will während meiner Zeit hier und in der Zukunft und ihr könnt sicher sein, dass ich dabei eure Hilfe und Unterstützung  brauche. Ich hoffe ich kann dabei auf euch zählen. Naja, ich hab zumindest keinen Zweifel daran!
Bisher bin ich über die vergangenen 45 Tage mehr als glücklich und ich bin auch ein kleines bisschen stolz auf mich, auf das was ich bisher erreicht habe. Ich habe wirklich viel Zeit, Mühen und auch Geld investiert, um hier her zu kommen und kann nun sprichwörtlich die Früchte meiner Arbeit ernten. Die monatelange Suche nach der geeigneten Organisation, dem passenden Land und einem guten Projekt haben sich wirklich ausgezahlt.  Seit ich hier bin profitiere ich von dieser  langen Vorbereitung und natürlich auch in gewisser Weise von glücklichen Zufällen wie z.B. meiner überragenden Gastfamilie, meinen tollen Studenten und und und - aber letztlich habe ich mir dieses Glück auch ein bisschen erzwungen. 
Es war nicht leicht das Angebot von Tenneco auszuschlagen und das Risiko einzugehen hierher zu kommen, aber nun bekomme ich meinen "Mut" in Form von großartigen Erlebnissen hier doppelt und dreifach zurückbezahlt. Es hat sich für mich gezeigt, dass dort wo das größte Risiko herrscht, auch das größte Potential liegt, um sich positiv zu entwickeln. Ich kann deshalb nur jedem raten, einmal in seinem Leben raus aus seiner Comfort-Zone, raus aus seinem Alltagstrott zu gehen und etwas neues auszuprobieren.Ich jedenfalls versuche jeden Tag diese Einstellung zu leben und habe es mir während meiner Zeit hier zum Ziel gesetzt, so viel neue Sachen wie möglich auszuprobieren. Bisher hat das ganz gut geklappt. Ich tanze nun Salsa, mache Yoga und Pilatis, sehe verschiedene Städte und treffe neue Leute. Natürlich ist das in einem fremden Land und mit mehr Zeit einfacher, das ist mir klar, aber ich denke auch im normalen Alltagsleben kann man jeden Tag etwas neues ausprobieren. Ich z.B. versuche im Restaurant immer etwas zu essen und zu trinken, was ich vorher noch nie getrunken habe, oder wenn ich mein Work-Out mache eine Übung zu machen, die ich vorher noch nie gemacht habe. Zudem habe ich mich entschlossen jeden Monat hier eine 30-Days-Challenge zu machen. Ihr fragt euch was eine 30-Days-Challenge ist? Nun ja, ich versuche 30 Tage, also einen Monat etwas neues auszuprobieren oder mich in einem bestimmten Bereich zu verbessern und dann die Ergebnisse aufzuschreiben. Ich weiß, das klingt ein bisschen irre, aber ich habe von der Idee gelesen, fand sie cool und wollte sie ausprobieren. So einfach. Gestartet habe ich diesen Monat damit, dass ich 30 Tage keine Süßigkeiten esse und weniger Kohlenhydrate esse. Warum? Ich bin schon immer süchtig nach Süßigkeiten und würde mich am liebsten jeden Tag nur von süßen Sachen ernähren. Ich liebe sie einfach. Aber sie sind für mich auch das perfekte Abbild meiner größten Schwächen: Langfristige Selbstdisziplin und Geduld. Ich würde beim Ü-Ei-Test, der in der Werbung gezeigt wird, jedesmal gnadenlos durchfallen. Mir mangelt es einfach an Geduld und Selbstbeherrschung. Und genau die will ich jetzt trainieren, denn ich denke eine hohe Selbstdiszipling und Geduld sind gute Eigenschaften um langfristig erfolgreich zu sein. So sehr ich süße Sachen auch mag, umso mehr hasse ich den Effekt den sie auf meine Fitness und Gesundheit haben. Ich meine was bringt es jeden Tag zu trainieren, um dann in 15 Minuten alle verbrannten Kalorien wieder drauf zu haben? Genau, bringt gaaaaar nix! Deshalb will ich jetzt versuchen einen Monat auf diese schlechte Gewohnheit zu verzichten und sehen ob ich damit gut leben kann. Bisher habe ich fast eine Woche hinter mir. Zwar fällt es mir ab und an schwer diszipliniert zu bleiben, aber das Plakat an meiner Wand erinnert mich jeden Tag daran nicht schwach zu werden. Challenge accepted! Nächsten Monat möchte ich versuchen jeden Tag um 6 Uhr aufzustehen und trainieren, den Monat drauf möchte ich in einem Monat jeden Tag mindestens mit einer Frau auf Spanisch flirten. Wie ihr seht, gibt es genügend Idee wie man diese 30-Tage-Challenge gestalten kann. Wenn ihr Bock habt probierts doch mal aus. Ich denke wer sich regelmäßig selbst herausfordert und sich neuen, unbekannten Dingen entgegenstellt wird langfristig glücklicher sein, da  man immer wieder seine eigenen Grenzen überschreitet und etwas Neues dazulernt. So weit, so viel.

Gerade habe ich mal wieder alle eure Kommentare gelesen, die mich über meinen Blog, via WhatsApp, Facebook oder EMail erreicht haben. Danke für euer Feedback und danke für die Zeit die ihr euch nehmt mir eure tollen Zeilen zu schreiben. Vor allem Lieblingsdaddy bringt mich mit seinen ehrlichen und lustigen Kommentaren immer wieder zum Schmunzeln und Nachdenken. Papa, du solltest vielleicht darüber nachdenken auch einen Blog zu starten und über dein Leben zu schreiben. Ich würde es zumindest lesen :D Ich merke jedenfalls immer mehr von wem ich mein Talent zum Schreiben und zum Dummbabbeln gerlernt habe. Wie zitierst du, Lieblingsdaddy, Sandmann immer so schön: "Blut isch halt doch  kä Buttermilch!" Genau so isses! Aber natürlich sollten an dieser Stelle auch die tollen Einträge von Steffi und Annette sowie die liebevollen Mails von dir Mama nicht unerwähnt bleiben. Danke dafür und danke, dass ihr mich auf dem Laufenden haltet. Macht weiter so! Vamonos!
PS:Steffi, Mama und Anette, euch habe ich bei meiner Stadionplanung natürlich nicht vergessen. Über eure Rollen bin ich mir noch nicht so ganz im Klaren. Ich weiß nur, dass ich Mama und Anette nicht ins Planungsteam lasse, denn am Ende ist zwar alles perfekt geplant und organisiert, sodass alle Leute glücklich sind, aber ihr beide werdet wohl (wie immer) völlig gestresst und abgehetzt sein. Zuhause gibt es dann wieder nur Theather mit eueren Männern, weil im Haushalt nix geschafft wird und ihr seid wieder so gestresst, dass euer Herzinfarkt nicht weit ist. Nein, Nein, so soll das nicht sein. Vielleicht ist der Ausschank, so wie Anette es angedeutet hat, wirklich der beste Platz für euch. Aber so wie ich euch zwei kenne:Bitte lasst den Alkohl in Ruhe, der ist ausschließlich für meine Stadiongäste. Und nein Anette, wir trinken keine Falsche Sekt mehr :D ;-)

Meine Woche hier fing nach dem anstregenden Wochenende in La Huasteca ziemlich übermüdet an. Der Schlafmangel der vergangenen Tage war natürlich auch an mir nicht spurlos vorbeigegangen. Aber so ist das nun mal wenn man viel erleben will, da leidet dann halt schonmal die nächtliche Ruhe. Ich versuchte dennoch mich von meiner Müdigkeit nicht allzu viel aus der Bahn bringen zu lassen und startete am Montag nach einer eiskalten Dusche und einem guten Frühstück motiviert in den Tag. Nachdem ich ein paar wichtige Dinge bzgl. meiner Master-Bewerbungen geklärt hatte ging es dann gegen halb 12 auch schon zu meiner ersten Spanisch-Stunde für diese Woche. Nach einer Woche studienbedingter Pause, konnte ich diese Woche wieder regelmäßig mit Gabi mein Spanisch verbessern. So trafen wir routinemäßig in der Stadtbibliothek, nahmen an unserm Stammtisch platz und legten los. Mittlerweile sind wir absolute Stammgäste in der Bibliotheke und die Mitarbeiter dort begrüßen uns schon mit Namen. Der eine Mitarbeiter weiß, dass ich vor jeder Klasse mit Gabi aufs Klo gehe und reicht mir schon völlig selbstverständlich den Kloschlüssel :D Neben uns gibt es auch noch zwei weitere Gäste, die wirklich JEDEN Tag in der Bibliothek sitzen und lesen. Der eine Typ sieht aus wie ein Serienkiller, kalt, abgefuckt und bisschen verwildert. Gabi und ich diskutieren immer wieder, ob wir auf seiner Todesliste stehen, wenn er wieder böse guggt, weil wir zu laut sind oder lachen. Naja, an diesem Montag er uns noch in Ruhe gelassen, sodass wir wie gwöhnlich für 1-2 Stunden zusammen lernen konnten. Mein Spanisch wird zwar immer besser, aber dennoch fühle ich mich immer wieder überfordert, wenn ich gezwungen bin zu sprechen. Ich wünschte wirklich ich wäre schon etwas weiter, aber naja, noch ist kein Meister vom Himmel gefallen. Ich versuche einfach jeden Tag ein bisschen besser zu werden und hoffe somit am Ende fließend sprechen zu können.
Am Nachmittag ging es dann zur Arbeit ans Emax, um meine Unterrichtsstunden zu geben. Meine Studenten lernen gerade wie man nach dem Weg fragt, wie man einen Weg beschreibt und wie man die Uhr liest. Dabei ist mir aufgefallen, dass das Uhrenlesen in Deutschland wirklich völlig irre ist. Ich meine, man kann sagen 12 Uhr 34, oder 34 Minuten nach 12, oder 26 Minuten vor 13 Uhr oder aber kurz nach halb. Und jetzt erklärt, dass mal Deutsch-Anfänger. Ja genau, die denken wir  Deutschen sind ein  ganz komisches Volk, zumindest wenn es um die Uhrzeit geht. 
Dieser Unterrichtsmontag lief wirklich super chaotisch ab. Ich hatte insgesamt 5 Stunden Unterricht ohne Pause und irgendwie kamen meine Studenten wann sie wollten, sodass ich kaum Zeit hatte wirklich etwas zu planen oder vorzubereiten. Naja, da hilft immer mein gutes Improvisationstalent und ein bisschen Geschwafel, um den Studenten glaubhaft zu vermitteln, ich hätte wirklich speziell für sie etwas vorbereitet :D

Hier ein paar Eindrück aus meinen Klassen:

Meine Lieblinggruppe (von links): Viktor, Alan und Gaby
Selfieeeeee
Samuel, mein neuer Student und ich

Samuel und Rodrigo
Am Abend dann stand endlich wieder Fußball auf dem Programm. Da ich aufgrund meiner Reise am Wochenende leider nicht mit meiner Mannschaft spielen konnte, war ich umso glücklicher, dass sich montags kurzfristig die Gelgenheit ergab mit einer anderen Mannschaft zu spielen. Diegos Papa Daniel hatten mich gefragt, ob ich mit seinen Arbeitskollgen kicken möchte und natürlich ließ ich mich da nicht zweimal bitten. Nachdem ich kurz vor 20 Uhr von meinem Unterricht nach Hause kam, stand Danny schon auf der Matte und gemeinsam fuhren wir zum "Stadion" in der Stadtmitte. Dort angekommen hieß es schnell umziehen und los ging es. Die Mannschaft mit der ich dieses Mal spielte war mit Abstand die beste in der ich bisher spielen durfte. Da waren ein paar richtig gute Kicker drin. Aber auch in der gegnerischen Mannschaft waren 2-3 super Fußballer. Und so machte das Spiel wirklich richtig Spaß. Auf dem engen Feld spielten wir 7 gegen 7 und es ging richtig zur Sache. Ich fühlte mich 100% am richtigen Platz und absolut wohl. Das war wirklich Fußball! Unser Stürmer war wirklich überragend, zumindest an diesm Abend. Der hatte wirklich klasse Tricks auf Lager, war beidfüßig und eiskalt vor der Kiste.Er schoss an diesem Abend 8 von 10 Toren unserer Mannschaft- baaaam! Ich war wirklich begeistert von ihm und obwohl wir uns kaum unterhielten, verstanden wir uns von Anfang an blind auf dem Platz. So ist das nun mal unter Fußballer manchmal.
Auch ich traf einmal und bereitete zwei Treffer vor. Wie immer wurde ich nur "El Aleman" gerufen und lautstark gefeiert bei meinem Tor. Es machte mir wirklich Spaß an diesem Abend einfach zu kicken. Das ist meine Leidenschaft, das ist womit ich einen großteil meiner Jugend verbracht habe. Und auch wenn ich niemals mein Geld mit Fußball verdienen werde, bin ich glücklich über all die Stunden, Monate und Jahre die ich mit Training verbracht und nicht wie manche vielleicht sagen, verschwendet, habe. Der Sport hat mir wirklich sehr geholfen selbstbewusst und diszipliniert zu werden. Davon profitiere ich heute noch. Danke an dieser Stelle an meinen Coach Klausi Wagenblatt ("Ehhh, was los daaaa?"). Auch wenn er es wohl nie lesen wird, bin ich immer noch dankbar für geile Zeite die ich bei ihm hatte!
Eine Koriusität dann am Ende des Spiels: Der Schiedsrichter kam zu mir und wollte meinen Namen wissen, um aufzuschreiben wer die Torschützen waren. Eigentlich ganz simpel, aber ich war ein bisschen überfordert, weil der Typ  ziemlich schnell sprach. Als einer meiner Mannschaftskollegen sah, dass ich da stand wie Christoph bei Fichtel einst im Wald, kam er zur Hilfe und sagte einfach: "Su es Schweinsteiger (Sein Name ist Schweinsteiger)". Und tatsächlich der Schriri, ohne zu zögern, schrieb Schweinsteiger auf. Als ich die Geschichte den anderen Jungs aus dem Team erzählte lachten alle laut und ich hatte einen neuenSpitznamen: "Schwaaainstaiga". Yeah!! Am Ende musste ich dann noch 50 Pesos als sog. Abitrage zahlen. Die 50 Pesos werden hier von jedem aus der Mannschaft eingesammelt und gehen an den Schiedsrichter und an wen auch immer. Das heißt ich muss hier immer zahlen damit ich spielen darf, anstatt, wie in Deutschland, bezahlt zu werden. Verkehrte Welt, aber das ist Mexiko!



Call me "Schwaainstaiiga"
Am Dienstag stand dann das übliche Programm Dienstagprogramm auf dem Plan, das wie folgt aussieht momentan:
7.30 Wecker riiiiiiiing, aufwachen, Frühstück und fertig machen, mit Diego zum Pilatis fahren.+
9-10 Uhr Pilatis mit Linda. Und Pilatis ist wirklich anstregend. Ich war ganz schön platt nach einer Stunde Unterricht. Da gehts wirklich voran, das hab ich echt unterschätzt.
10-12 Uhr Bus nach Hause nehmen, Duschen, Essen, Lesen und dann wieder ab Richtung Bushalte
12.30- 14.30 Uhr Spanischunterricht mit Gabi
14.30-15.30 essen und ein bisschen ausruhen
16-19 Uhr Deutschunterricht
19- 20 Uhr Salsa-Unterricht

Nach der Salsaklasse fuhr ich dann gemeinsam mit Diego in die Stadt, denn heute stand die Abschiedsparty von Jana, der tschechischen Praktikantin, an. Sie reiste nach dem Ende ihres 10-wöchigen Praktikums am nächsten Tag ab und lud all ihre Freunde nocheinmal zu einer letzten Party in einer der angesagten Bars in Aguasclientes ein. Es kamen wirklich alle eingeladenen Gäste und so verbrachten wir einen super lustigen Abend und ich lernte ein paar neue Leute kennen, mit denen ich wirklich versuchen werde in Kontakt zu bleiben. Kleines Highlight an diesem Abend war das gute deutsche Cola-Weizen, das ich mir für 80 Pesos (umgerechnet knapp 4,50 Euro) gönnte. Das war zwar sehr teuer im Vergleich zu den anderen Bieren hier, aber man gönnt sich ja sonst nix ;-) Einmal im Monat muss das einfach sein!
Und so feiert wir ein bisschen, überreichten Andre noch seinen Geburtstagskuchen (er hatte am Wochenende Geburtstag) und eine Flasche Mezcal, sangen ein bisschen und lachten viel. Gegen 12 Uhren waren Diego und ich dann im glückselig im Bett. Mit Diego ist es wirklich sehr angenehm auf einer Party zu gehen. Er trinkt immer nur ein 2-3 Bier und fährt dann nach Hause, sodass es für mich nie ein Problem ist nach Hause zu kommen, wennn ich mit ihm unterwegs bin. Er erzählte mir, dass er einmal so betrunken war, dass er ins Gefängnis (jaa, wirklich :D) musste für eine Nacht und dass er seit dem nicht mehr wirklich trinkt oder auch nur annähernd betrunken ist. Naja, ich würde mal sagen Lektion gelernt, aber trotzdem schade, dass wir wohl nie mal beide so richtig zusammen abstürzen werden. Aber das ist nun wirklich halb so schlimm.

Janas Abschiedsparty

Diego, das gute Weizenbier und ich

Geburtstagskuchen für Andre von uns Trainees





Der Mittwoch war dann wirklich nicht außergwöhnliches. Nach einem Freeletcis-Workout am Morgen und einem guten Frühstück im Anschluss, bestand der Rest des Tages darin ein bisschen Spanisch zu lernen und vor allem meinen Blogeintrag für euch zu schreiben. Mir macht das Schreiben mittlerweile richtig Spaß und ich denke ich habe eine neue Leidenschaft entdeckt für mich entdeckt. Das Bloggen ist echt ne tolle Sache und bietet für mich viele Vorteile:
1.) Ich kann euch einerseits auf dem Laufenden halten und mit euch in Kontakt bleiben, ohne jeden einzelnen informieren zu müssen. Jeder kann, wann immer er Lust und Laune hat einfach auf meinen Blog klicken und so lange lesen, wie er oder sie Lust und Laune hat
2.) Ich kann meine gesamten Erfahrungen und Erlebnisse niederschreiben und habe so eine großartige Erinnerung an meine Zeit hier in Mexiko
3.) Ich kann reflektieren, mich mitteilen, meinen Gedanken und Gefühle kanalisieren und vielleicht den ein oder anderen von euch inspirieren
4.) Ich verbessere mein Sprachvermögen, meine Kreativität und meine Fähigkeit Dinge so zu erzählen, dass sie auch in geschriebener Form interessant und lustig sind
5.) Ich kann mich an euren tollen Kommentare und Feedbacks erfreuen.

Da mich die Vorteile des Bloggens vollends überzeugen, plane ich, sobald ich nach wieder nach Hause kommen, einen professionellen Blog zu eröffenen in dem ich regelmäßig über bestimmte Themen schreibe. Mir schweben dabei momentan Bereiche wie Personal Developement, Leadership, Entrepreneurship und Motivation . Der Blog ist eine der Ideen, die ich in den letzten Tagen hatte und die ich unbedingt umsetzen möchte, sobald ich genüngend Zeit dafür habe. Bis dahin werde ich hier einen Online-Kurs zum Thema "How to learn professional blogging" besuchen, sodass ich optimal vorbereitet bin. Wenn euch also mein derzeitiger Blog gefällt, könnt ihr vielleicht bald auch meinem ersten "richtigen" Blog folgen. Das wäre großartig. Aber bis dahin fließt noch gaaaaaanz viel Wasser den Rhein runter....

Am Abend dann, nach einem wirklich anstregenden Tag ohne große Pausen, traf ich mich mit Linda und Erick, um mit ihnen gemeinsam ins Kino zu gehen. Linda ist für mich bisher echt die postive Überraschung. Ich dachte am Anfang, mhhhmm, noch ne Deutsche, irgendwie kein Bock drauf. Ich will Spanisch lernen und bin nicht nach MEX gekommen, um mit ihr Deutsch zu sprechen. Aber ich habe mich echt getäuscht! Linda ist wirklich eine super nette, lustige und charmante Frau, mit der ich super gerne meine Zeit verbinge. Wir haben einen ähnlichen Humor, die gleiche Sprache und sind beide sehr sehr unkompliziert. Naja, sie fast noch mehr wie ich. Sie nimmt für einen Wochendtrip gerade mal einen Turnbeutel voll Sachen mit während ich immer meinen Trolley mitschleppe. Ich bin wohl doch ein bisschen eine Pussy..# NoHomo. Also Linda, falls du das liest: Schön, dass es dich gibt und danke für die tolle Zeit mit dir bisher. HDL und so :)

Im Kino schauten wir uns Interstellar an, den neuen Film von meinem Lieblingsregisseur Christopher Nolan. Der Film lief in Englisch und mit spanischen Untertiteln. Optimal für mich, denn so konnte ich nicht nur mein Englisch, sondern auch gleichzeitig mein Spanisch verbessern. Zwei Fliegen mit einer Klatsche und so...
Fazit zum Film: Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte sich nächste Woche nichts vornehmen und ins Kino gehen. Der Film mit seiner genialen Geschichte und den großartigen Schauspielern haut einen, trotz seiner Länge von über 2,5 Stunden, wirklich aus den Sitzen. Ich war jedenfalls sprachlos am Ende des Films. Auf jeden Fall ein weiteres Meisterwerk von Christopher Nolan!
 Komisch ist für mich immer am Ende des Films, wenn der Abspann läuft. Ich fühle mich dann als wäre ich mit Schenner, Jochen, Kevin, David, Jonas, Frederic usw. in Landau in der Filmwelt (der Kinosaal sieht wirklich exact gleich aus) und wir würden jetzt gleich nach Hause fahren und auf dem Heimweg dumm babbeln. Aber dann schaue ich nach rechts und nach links und da ist leider niemand von euch:( Dann höre ich die Leute in Spanisch sprechen, sehe Linda und Erick und zack, bin ich wieder in der Realität angekommen- ich bin also nicht in Landau, sondern hier in Aguasclientes, hier in Mexiko. Auch wenn ich darüber sehr glücklich bin, vermisse ich meine Freunde doch schon ab und an. Seit ich hier bin, habe ich zwar unzählige Leute kennengelernt, die fast alle unglaublich nett und hilfsbereit zu mir sind, aber wirkliche Freunde sind davon wenige. Freundschaften schließt man eben nicht so schnell. Meine engsten Freunde hier sind neben Ross und Memo, die ich immer noch zu meinen engen Freunden zählen, vor allem Diego, Kary, Linda und Carin. Seit ich hier bin habe ich viel mit Frauen zu tun, weil die meisten Trainees hier weiblich sind und ich auch so viel in Kontakt mit weiblichen AIESECern bin. Ich muss sagen, ich komme mit den Frauen echt gut zurecht, aber mir fehlen das Dummgebabbeln und die ständigen Beleidungen mit meinen Freunden doch schon ab und an. Natürlich mache ich das auch oft mit Diego, aber es ist natürlich nicht das Gleiche. Begriffe wie Speckburch, Fettschmuggler, Saugsicht, Schwarzworzel, Fickfehler oder Ich lieb mei läwe usw. lassen sich halt nicht so leicht ins Englisch oder Spanische übersetzen :D 
Diego ist hier mein bester Freund, denn mit ihm kann ich über alles reden und wir sind auf einer Wellenlänge. Auch er ist sehr ambitioniert und möchte sein eigenes Start-Up gründen, was mich sehr begeistert. Vielleicht kann ich ja, solange ich hier bin, beim Aufbau des Start-Ups mithelfen, das wäre überragend. Mal sehen was draus wird.Ich bin gespannt.

Am Donnerstagmorgen stand dann wieder Yoga auf dem Programm, bevor ich mich später am Mittag dann wieder mit Gabi traf. Als ich so durch Aguasclientes schlenderte fiel mir auf, dass ich mich mittlerweile in der Stadt echt wohlfühle. Ich mag all die kleinen Fressstände, das laute Geschreie um Kunden anzulocken, die schönen Bauten und natürlich auch das tolle Wetter- zumindest tagsüber. 
Tagesüber sind immer angenehme 23-25 Grad sodass man leicht bekleidet ohne Jacke durch die Straßen gehen kann. Aber nachts wird es super super kalt. Eigentlich bin ich ja nicht wirklich empfindlich was Kälte angeht, aber ich habe die vergangenen Nächte echt gefroren. Hier gibt es keine Heizung in den Häuser und die Isolation ist auch nicht vergleichbar mit den deutschen Häusern, sodass nachts die ganze Kälte ins Haus kommt ohne das man dagegen heizen kann. Deshalb schlafe ich mittlerweile mit zwei Decken, die aber alles in allem immer noch dünner sind als eine meiner warmen, flauschigen, geliebten  "Winterdecken" in Deutschland :( Naja, ich muss mich vielleicht auch einfach erstmal an die Kälte nachts gewöhnen und dann wird das schon. Immerhin sind die Tage ja schön. Für mich fühlt es sich hier an wie Sommer und das obwohl wir langsam auf Weihnachten zugehen und in den Geschäften schon Weihnachtszeug verkauft wird. Es wird mein erstes Weihnachten ohne meine Familie und Freunde sein und ich bin gespannt, wie ich mich an diesen Tagen fühlen werde. Es wird auf jeden Fall eine neue, tolle Erfahrung werden da bin ich sicher.

Typischer Taccostand an dem die Leute schon früh morgens ihre Taccos essen

El Aguila

Calle Rivero
Gabi und ich
Lecker Eis nach der  harten Arbeit  



Am Abend gingen Diego und ich dann wieder in die Salsa-Klasse. Nach kurzer Aufwärmphase ging es dann auch zum ersten Mal so richtig ran an den Speck, also ran an die Frauen d.h. wir tanzten zum ersten Mal in Paaren, immer im Wechsel nach knapp 2 Minuten. Es machte wirklich Spaß auch wenn ich mich das ein oder andere Mal richtig dumm fühlte, als ich den Frauen wieder und wieder auf die Füße trat oder wieder die Drehung nicht hinbekam. Aber naja, nur aus diesen Fehlern lernt man, so denke ich zumindest. Übung macht den Meister und wenn Diego und ich weiter so dran bleiben werden aus uns zweien sicher noch vernünftige Tänzer, haha. 
Am Abend dann saß ich mit meiner Gastfamilie zusammen und wir ezählten wie so oft über alles mögliche und aßen dabei. Ich fühle mich hier echt gut aufgehoben und wohl, aber ich denke,dass habe ich ja wohl schon oft genug erwähnt :D Nach dem netten Gespräch ging es nach einem anstregenden Tag ins "Neschd". Ich merkte erst jetzt wirklich den Schlafdefizit der vergangenen Nächte so wirklich und schlief deshalb schon gegen 10 Uhr mit meinem Buch auf der Brust ein. 

Am Freitagmorgen nutzte ich die erste Stunde des Tages um mir ein paar intressante TED-Talks anzuschauen und ein bisschen zu lesen. Ich nenne es meine "Hour of Self-Improvement" und habe sie fest in meinem Kalender etabliert mittlerweile. Ich denke eine Stunde am Tag etwas neues zu lernen ist wirklich wichtig und bringt mich meinem Ziel, beruflich und privat erfolgreich zu sein, jeden Tag ein Stück näher. Danach arbeitete ich dan an meiner ersten Master-Bewerbung und mit der Hilfe meines Bruders Frederic (Vielen Dank an dieser Stelle nochmal für deine Hilfe) konnte ich sie auch an diesem Tag fertig machen. Lange hatte ich vorher dafür gekämpft alle nötigen Papiere, Zeugnisse und Beglaubigen zu bekommen und endlich war an diesem Freitag alles da. Meine erste Master-Bewerbung ging somit an die Universität in Regensburg zum BWL-Master Schwerpunkt Leadership & Development. Ich bin gespannt wo es mich hinverschlägt nach meiner Zeit hier in Mexiko. Wie das alles klappt und wie,was,wo,wann genau kann ich noch nicht sagen. Eines ist aber sicher: Ich werde auf jeden Fall in eine neue Stadt ziehen und wieder eine neue Herausforderung annehmen. Vielleicht ja in Regensburg. Wer weiß.

Am Nachmittag dann nach meinem beinahe alltäglichen Unterricht mit Gabi, hatte ich endlich mal Gelgenheit mit ihr ein bisschen länger zu reden und sie auch ein bisschen kennenzulernen. Wir erzählten viel über privates, aber auch und vorallem über die politische Lage hier in Mexiko. Für mich wurde aus dem Gespräch deutlich, dass Mexiko in seiner Entwicklung noch weit hinter Deutschland zurückliegt, was vor allem an der instabilen poltischen Lage und der Machtstruktur hier liegt. In Mexiko hat die Mafia mehr Macht als die Regierung und die Regierung ist nach Meinung vieler die reinste Frace. Niemand ist wirklich mit dem Präsidenten zufrieden und das kann ich auch verstehen, wenn man sich vor Augen führt, dass der Präsident des Landes nicht mal wirklich Englisch sprechen kann, in einer Welt in der Englisch die Weltsprache ist. Die Leute nennen ihn deshalb "estupido  = Schwachkopf", völlig zurecht. Zudem ist es wirklich beängstigend, dass man hier nicht, wie in Deutschland, auf die Straße gehen, protestieren und seine Meinung verteten kann ohne Angst zu haben dafür verhaftet oder schlimmsten Fall sogar getötet zu werden. So ist es nämlich mit den über 20 Studenten in Acapulco geschehen, die, nachdem sie gegen die Regierung heftig protestiert hatten, einige Tage später tot aufgefunden wurden. In Deutschland wäre das ein riesiger Skandal,der zur Absetzung der Bundeskanzlerin führen würde, aber hier wird nach ein paar Tagen kaum mehr darüber gesprochen, da solche Vorfälle anscheinend zur Normalität geworden sind. Für mich unverständlich und irgendwie krank. Ich habe manchmal den Eindruck die Leute wissen über all die Probleme des Landes Bescheid, wissen das die Korruption, die Drogen und die Bildung sehr sehr schlecht sind für die Entwicklung des Landes, aber sie sind zu bequem, zu feige oder schlichtweg zu hoffungslos, um dagegen anzukämpfen. Stattdessen akzeptieren sie die Lage so wie sie ist und hoffen, dass sich irgendwann etwas ändern wird. Wie das aber passieren soll, das weiß niemand so richtig. Naja, ich kann da manchmal nur den Kopf schütteln, aber die Menschen hier werden ihr gutes Recht haben so zu handeln wie sie handeln.

Nach unserem anregenden Gespräch half mir Gabi dann dabei einen tollen Blumenstrauß zu kaufen, den ich meiner Gastmutter als kleines Dankeschön für die bisherige Gastfreundlichkeit schenken wollte. Für 70 Pesos kaufte ich einen kleinen Blumenstock, schrieb eine kleine Dankeskarte in Spanisch und legte sie dazu. Wenn ich eines gelernt habe im Leben bisher (Danke Mama und Papa dafür), dann das es die kleinen Gesten des Dankes sind die eine Beziehung langfristig zu einer tollen Beziehung machen, sei es in der  Liebe, Freundschaft oder Familie. 
Und als ich das Geschenk meiner Gastmutter übergab war sie tatsächlich total gerüht. Ich hatte mit dieser Geste ihr Herz gewonnen. Diego erzählte mir später, dass seine Mutter mich mittlerweile als gleichwertiges Familienmitglied ansieht und darüber bin ich glücklich und stolz. Niemals wird sie an dich Mama, meine echte Mama, herankommen, aber trotzdem ist es schön auch hier eine Art kleine Mama zu haben, die sich um mich kümmert, für mich kocht, meine Wäsche macht oder einfach für mich da ist. Mamas sind halt doch schon mit die coolsten Frauen der Welt, haha.

Am Abend ging ich dann mal wieder ein Runde joggen und machte mich anschließend fertig für die Nacht um ein bisschen auszugehen. Nach dem Dusch spielten Diego und ich abwechselnd unsere Lieblingsalsa-Songs und tanzten dazu abwechselnd als Mann bzw. Frau. Wenn uns an diesem Abend jemand gesehen hätte, der hätte gedacht wir sind irre oder schwul. Aber wir lachten uns schlapp und übten eine Drehung nach der anderen bis wir schlussendlich beide endlich diese bekloppten Drehungen draufhatten. 1,2,3 Basico 1,2,3 Vuelta de la mujer 1,2,3 Bascio y 1,2,3 vuelta del hombre, so laaaaaft die Gschicht.

Echte Liebe existiert halt doch nur unter Männern
Am Abend traf ich mich dann mit Kary und gemeinsam gingen wir ein bisschen feiern. Eigentlich wollten wir uns mit ein paar anderen Freunden treffen, aber die tauchten einfach nicht auf, sodass wir letztlich zu zweit blieben. Naja, so hatten wir die Möglichkeit uns besser kennenzulernen und ja was soll ich sagen, es gibt schlimmers als den Abend mit einer hübschen Frau zu verbringen. So zogen wir erstmal von Bar zu Bar bis wir schließlich in einem guten Club landeten. Wenn man hier in Mexiko mit einer Frau auf dem Gehweg läuft, dann läuft die Frau immer auf der Innenseite also weg von der Straße und der Mann an der Straße. Wenn du diese Regel einmal nicht beachtest, schiebt dich die Frau einfach an die gewünschte Position und läuft dann normal weiter, wortlos als wäre nichts gewesen. Das passiert mir jedes Mal hier und ich finde es immernoch völlig irre, dass das hier anscheinend ganz normal ist. Es ist eine mexikanische Tradition und wirkliche jeder Mann läuft genauso mit seiner Frau durch die Straßen hier. Naja, wie immer: Andere Länder, andere Sitten.
Als Kary und ich dann im Club namens "Morgan" angekommen waren, enterten wir erstmal die Tanzfläche. Es lief die übliche Voodoo-Musik und ich fühlte mich direkt heimisch. Zusammen tanzten Kary und ich völlig hemmungslos und dumm. Also genau mein Ding. Dabei kamen wir uns natürlich ein bisschen näher, aber Nein, es gab an diesem Abend keine Punkte. Wir hatten einfach nur unseren Spaß. Gegen halb 12 stieß dann Diego zu uns hinzu und gemeinsam zogen wir weiter in eine weitere Bar, um ein bisschen Salsa zu tanzen. Leider war die Bar nicht allzu gut besucht, aber das war uns eigentlich egal. Diego und ich führten Kary unsere Salsa-Künste vor und da der DJ sonst kaum Gäste hatte, konnten wir uns all unsere Lieblingssongs wünschen. Optimöös. Alles in allem war es also ein super lustiger Abend den wir hatten, bevor ich gegen halb 4 Uhr dann im Bett lag.
 PS: Schun mo widder Bock auf e Lounge im Voodoo!
Kary und ich

Loccos (Verrückte)

Salsa-Legende Diego R. Galindo

David-Spies-Gedächtnisgesicht

 
Am Samstagmorgen ging es nach einer kurzen Nacht um halb 10 aus den Feder. Heute stand erneut ein Wochenend-Trip an und zwar nach Leon zum Festival Internacional del Globo Mundo. Da ich vor der Abfahrt um 14 Uhr noch ein bisschen Spanisch lernen und ein bisschen trainieren wollte, zwang ich mich also aus dem Bett und konnte beides noch vor der Abfahrt nach Leon erledigen.
Um dann, traf sich die gesamte Crew voll gepackt mit Campingausrüstung ("Ich liiiiieb campe!") um gemeinsam mit dem Bus nach Leon zu fahren. Insgesamt waren wir eine Truppe aus 8 Leuten, darunter Carin, Linda und Linda Pasta, also die anderen Trainees sowie vier weitere AIESECer.
Nach rund einer Stunde warten im völlig überhitzten Bus für keinen offensichtlichen Grund hieß es dann um 15 Uhr endlich: Uuuuuuuun ab! Nächste Station Leon!

Nächster Halt Leon!


Haaa, DENKSTE! Wir sind hier ja in Mexiko und nicht in Deutschland. Obwohl man mit dem Auto nach Leon normalerweise nur 1 Stunde braucht, brauchten wir rekordverdächtige 5,5 Stunden. Das erinnerte mich verdammt stark an einen Fußballer-Ausflug mim TVH, wo wir aufgrund übermäßigem Bierkonsum schon in Wilgartswiesen unseren ersten Rast machen und anschließend im 10-Minuten-Takt weitere Pinkel-oder Bierholpausen einlegen, sodass wir eigentlich immer das dreifache der eigentlichen Fahrzeit benötigen :D Aber dies war kein Fußballer-Ausflug, sondern eine gewöhnliche Fahrt mit einer Jugendorganisation nach Leon. Naja, Warten, langsames Fortbewegen und ständiges essen gehören hier in Mexiko, so scheint es mir zumindest, zur Tradition und sind so etwas wie Nationalsportarten, in denen sich die Mexikaner besonders wohl fühlen ;-) Seit ich hier bin, zieht sich die Warterei wie ein roter Faden durch alle Trips. Ich meine, mir kommt das ja ab und an ja entgegen, weil ich selbst auch nicht zu den pünktlichsten Leuten auf dem Planten gehöre, aber meine Unpünktlichkeit verglichen mit der mexikanischen ist so unbedeutend und klein wie Kevin Francks Nippel. Aber an diese Traditionen muss man sich auch ein bisschen anpassen und obwohl ich wirklich versuche die Zeit etwas lockerer zu sehen, macht mich langes Warten einfach verrückt. 
Naja, die lange Fahrtzeit nutzte ich um ein bisschen Schlaf nachzuholen, in meinem Travel-Guide zu lesen und ein bisschen mit Kary zu erzählen. Wir hatten ja genügend Zeit. 

Schließlich kamen wir bei stockfinsterer Nacht um halb 9 in Leon an. ENDLICH! In Leon herrschte schon mächtig Betrieb, die ganze Stadt war im Fieber und abertausende Leute machten sich auf den Weg zum Festivalgelände. Das Festival Internacional del Globo Mundo ist eines der größten und angesagtesten Festivals hier in Zentralmexiko und am diesem Wochenende kamen über 400.000 Menschen aus allen Staaten, um dieses Festival live zu sehen. Und wir waren auch mittendrin. Nachdem wir uns an der schier endlosen Warteschlange vorbei und ganz nach vorne gedrängelt hatten, mussten wir wieder auf unsere Tickets warten bevor wir uns anschließend vollgepackt mit
unserer Campingausrüstung ("Ich liiiiieb campe!", einmal mehr!) auf den Weg zum Campingplatz machten. Wir würden also hier auf dem Festivalgelände, so wie die meisten Festivalbesucher, eine Nacht campen und uns am nächsten Tag in aller Frühe die Globos (=Heißluftballone) anschauen. Das war der Plan. Nach einem mörderischen 45-minütigen Fußmarsch zu den Campingplätzen (Frage: Welcher Schwachkopf hat sich überlegt, die Campingplätze 45 Minuten weg vom Eingang zu platzieren? Sau dummer Johrgang!) fanden wir dann schließlich endlich einen geeigneten Platz um die Nacht zu verbringen. Müde und erschöpft, vom Warten und Laufen schlugen wir dann unsere Zelte auf und das ging überraschend schnell vonstatten. Wir hatten eine Art Frank Duchmann dabei, der von oben bis unten ganz professionell mit Campingsachen ausgerüstet war und schon 1000x ein Zelt aufgebaut hatte, sodass da auf jeden Fall nix schief gehen konnte, haha. Und so standen nach rund 30 Minuten auch alle Zelte und wir konnten uns endlich auf zum Festivalgelände machen. 

Zeltaufbau: Einer arbeitet alle anderen guggen. Und einer macht Fotos. Typisch.
Natürlich hatten alle mittlerweile einen Bären-Hunger ("Ich hab Hunger!"..scheiß SCH-Werbung :D), sodass wir am nächstbesten Tacco-Stand erstmal ein paar Quesadillas und ein paar Tamales aßen. Ganz wichtig zu diesem Zeitpunkt. Um 10 Uhr, nach über 8 Stunden Anlaufszeit, kamen wir dann endlich alle am Festivalgelände an und konnten in den Himmel von Leon schauen. Dieser leuchtete in allen Farben, denn er war gefüllt von tausenden kleinen globos de cantoya (=Heißluftballonen), welche von den Besuchern dort hin geschickt wurden. Es war wirklich ein einzigartiger Blick und sehr romooondisch! Ein magischer Nachthimmel war das.
Der Himmel über Leon auf dem Festivalgelände

Einer der kleinen globos de cantoya
Auch Kary und ich hatten uns einen globo de cantoya gekauft und wollten ihn in den Himmel schicken. Und nach etwas Anlaufzeit hob unser Ballon auch tatsächlich ab und flog gen Himmel. Da flog also unser kleines Baby, einfach so, ohne uns in den Himmel, ach was ein Herzschmerz... ;-)
Gemeinsam fieberten wir mit dem Ballon mit und feuerten ihn lautstark an. Leider war unser Ballon ziemlich faul, so etwas wie de Züchel beim Waldlauf, sodass er nach wenigen hundert Meter schon wieder zur Erde sank und in den See stürzte. Fauler Sack! Naja, ein kurzes und schmerzloses Leben also. Gemeinsam genossen Kary und ich den Moment und starrten einfach nur in den Himmel. Es war für mich ein unvergesslicher Moment....

Karry und ich mit unserm "Baby"

Nachdem der Moment vergangen war, trafen wir wieder unsere Truppe zu der mittlerweile auch andere AIESECer hinzugestoßen waren. So waren wir insgesamt nun 11 Leute.

Die Globo Mundo Crew
Die Band Panteon Rococo, welche an diesem Abend spielte, war richtig geil und machte super Stimmung. Gemeinsam hörten wir dem Konzert zu und tanzten zur Musik.Das ging vorwärts. Beim größten Hit der Band La Carencia tanzte die ganze Meute . Das erinnerte mich ganz stark ans Southside-Festival diesen Sommer (liebe Grüße an dieser Stelle an dich Marlene).
Nachdem auch die letzte Zugabe gespielt war, machten wir uns auf zur Party. Heute stand ähnlich wie Guanajato wieder ein Reception Weekend, d.h. AIESECer aus ganz Mexiko trafen sich hier auf dem Festival um gemeinsam zu feiern. Und tatsächlich trafen auf der Party einige bekannte Gesichter wieder und wir begrüßten uns herzlich. Die Party konnte nun starten und trotz der Müdigkeit, hatten wir alle richtig Bock abzugehen. Und die Party versprach großartig zu werden. Für 150 Pesos (knapp 9 Euro) Eintritt gab es All-you-can-drink und auch All-you-can-eat für alle Besucher der Party. Hebbaaa! Also erstmal an die Bar: "Ein Bier und ein Tequilla, por favor!" So ging die Party gut los und sie sollte für mich zu einer unvergesslichen werden. Ich kann euch aus Jugendschutzgründen leider nicht alle Details erzählen, aber was an diesem Abend abging, das war selbst für mich völlig abnormal. Die Frauen waren völlig hemmungslos, naja mittlerweile ist das ja fast schon normal. Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten, damit ich noch ein zwei gute Geschichten habe, wenn ich wieder zurück komme. Punkte!
Die Tanzfläche war natürlich wieder gut besucht
Laura aus Kolumbien und ich
Die Party-Crew von links: Andrea, Boga, Laura, Paco, Carin und Cezar
Die Party endete um 5 Uhr und ich war gut bedient. Wir entschlossen uns dann auf dem Partygelände in einem der Zelte einen kleinen Nap zu nehmen und um 6 Uhr beim Sonnenaufgang die Globos zu stehen. Im Zelt aber konnte ich nicht wirklich schlafen, denn da lag ein Typ drin der schnarchte wie Papa zu den besten Zeiten. Also sowas! Ganz erbärmlich! Nachdem ich dem privart Schnarch-Konzert rund 20 Minuten gelauscht hatte, zog ich mich an und machte mich alleine auf den Weg zurück zum Festivalgelände und zu unseren Zelten. Da ich wusste, dass die anderen die nicht mit zur Party gekommen waren wie z.B. die beiden Lindas, Kary und Erick gegen 6 Uhr ihre Zelte verlassen werden, musste ich mich ziemlich sputen, denn die Party war rund 30 Minuten von unseren Zelten entfernt. Und so joggte ich morgens um halb 6, müde, ohne eine Sekunde Schlaf und noch mit ein bissschen Rest-Alkohol im Blut an all den Menschen vorbei, die sich auch auf den Weg machten, um die großen Globos (=Heißluftballone) zu sehen. Es war noch stockfinster und die Leute drehten sich alle verwirrt nach mir um, als da am frühen Morgen ohne ersichtlichen Grund ein Deutscher an ihnen vorbeirannte ganz nach dem Vorbild des Lieblingsdaddys, haha ;-)
Glücklicherweise schaffte ich es tatsächlich kurz vor 6 Uhr an unseren Zelten zu sein. Leider waren Erick und Linda schon gegangen, aber Kary lag noch in ihrem Zelt. Puuuuh. Ich war erleichtert, denn hätte ich sie nicht gefunden, ich wäre völlig alleine gewesen den gesamten Morgen, da mein Handy natürlich schon längst seinen Geist aufgegeben hatte. Und so weckte ich Kary, um mit ihr gemeinsam den Sonnenaufgang und die Globos zu sehen. Als sie aufwachte und mich ansah musste sie laut lachen. Warum? Nunja, mein Gesicht war noch voll mit Farbe, meine Hals hatte Kussflecken aus Lippenstift und meine Jeans sah aus als hätte ich sie schon seit 3 Wochen an. Muss anscheinend ne gute Party gewesen sein :D
Gemeinsam machten wir uns fertig und bei morgendlicher Kälte (pinche frio) liefen wir gemeinsam mit tausenden anderen Besuchern zum Aussichtspunkt. Und jetzt lasse ich einfach mal die Bilder sprechen:

Sonnenaufgang in Leon und der erste Globo

Müde und in Mitten tausender Menchen

Die ersten Globos heben in die Luft ab

7 Uhr morgens in Leon. Aufstieg der Globos

Vor herrlicher Kulisse unser gemeinsames Foto: Kary und ich

Grandios...

Festival del Globo Mundo
Gemeinsam genossen Kary und ich diesen Morgen, an dem die Sonne langsam aufstieg und uns  zu wärmen begann. Das war wirklich ganz großes Kino was sich hier abspielte. Für mich ein weiterer unvergesslicher Moment, zwischen all den tollen Momenten, die ich bisher hier erleben durfte. Ich war zwar nur einer von tausenden unter all den Menschen, aber fühlte mich wie der König der Welt an diesem Morgen. Die Kulissse, die Atmosphäre, die verrückte Nacht die hinter mir lag und all die Menschen, die dem Spektakel beiwohnten, das war ganz ganz groß. Und mit Kary im Arm, hatte ich auch jemanden dabei mit dem ich diesen Morgen wirklich gerne verbrachte....

Nach dem alle Ballone in die Luft gestiegen waren und der Morgen langsam älter wurde, machten auch Kary und ich uns wieder zurück auf den Weg zu unseren Zelten. Einige Minuten später tauchten dann nach und nach auch die anderen auf. Jeder hatte seine ganz einige Geschichte über die Nacht zu erzählen und jeder hatte seinen eignen Lieblingsheißluftballon gefunden an diesem Morgen. So saßen wir zusammen in unserer multikulturellen Gruppen gespickt mit zwei Deutschen, einer Schwedin, einer Italiniern und vier Mexikanern, erzählten und aßen Frühstück miteinandern in unserem Zelt. Das Frühstück bestand eigentlich nur aus Chips, Käse und etwas Saft, aber das war an diesem Morgen genug und genau richtig. Deshalb liebe ich campen, denn man kommt back to the basics. Ich fühlte mich in diesem Moment, trotz meiner Müdigkeit wirklich am Leben und superwohl. Ich mag dieses Multi-Kulti mittlerweile doch schon sehr.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf, um das tolle Wetter ein bisschen zu nutzen und das Festivalgelände zu erkunden. Auf dem Gelände gab es einige Stände, Ausstellungen und Vorführungen die wir uns anschauten. Je später es wurde, desto wärmer wurde es auch. Eigentlich schön, aber die Wärme in Kombination mit unserer Müdigkeit war tödlich für uns an diesem Tag. Also suchten wir uns ein schattiges Plätzchen, setzten uns und quatschen ein bisschen. Nach rund einer Stunde Verschnaufpause gingen wir dann langsam wieder zurück zu unseren Zelten.

Auf gehts zur Erkundungstour
Doch dann sahen Paco (alisa F. Duchmann) und ich all die Drachen am Himmel und um uns war es geschehen. Wie kleine Kinder schauten wir uns an und sagten fast gleichzeitig: "I want a kite!"
Und so kauften wir uns gemeinsam unseren Marine-Drachen und ließen ihn steigen. Es war optimales Wetter dafür, denn es war ein leichter Wind und Sonne. Ich glaube ich habe das letzte Mal einen Drachen steigen lassen da war ich 10 Jahre alt. Als ich nun den Drachen in meiner Hand hatte und er so durch den Himmel schwirrte, da fühlte ich mich wie ein kleines Kind zwischen all den anderen kleinen Kindern, die auch ihre Drachen steigen ließen. Ahaaaa, einfach geil dieses Gefühl!  Ich denke man sollte in seinem Leben immer ein kleines bisschen Kind bleiben und sich über diese kleinen Dinge wie z.B. einen Drachen steigen zu lassen, freuen können als hätte man im Lotto gewonnen. Ich denke nur wer in sich immer ein kleines bisschen Kind bewahrt, wird sich am Leben erfreuen. Das Leben ist zu ernst, um es immer ernst zu nehmen. Und Kindsein war doch immer noch das Schönste oder nicht?

Das Ende unseres Drachens ist dann schnell erzählt: Ich ließ ihn mit dem ganzen Faden nach oben steigen, bis er der höchste Drachen auf dem Gelände war, als mir plötzlich der Faden aus den Händen glitt, der Drachen sich selbstständig machten und irgendwo im Himmel verschwand. Wahrscheinlich fliegt er heute noch, guggt heut mal in Häääschde an den Himmel, vielleich könnt ihr ihn ja sehen :D
Pacco mit unserem Drachen
Nachdem schönen Mittag machten wir uns dann auf den Weg zurück zu den Zelten. Da fast alle ziemlich fertig waren von der Nacht zuvor nutzten wir die Zeit bis zur Heimfahrt um uns ein bisschen auszuruhen und zu schlafen. Und das war auch bitter nötig!
Was Alkohol und wenig Schlaf aus Menschen macht....
Anschließend packten wir all unsere Sachen zusammen und liefen wieder vollgepackt von oben bis unten zurück zum Ausgang. Zum Glück sammelte uns dieses Mal eine kleine Bahn ein, sodass wir nicht den gesamten Weg wieder zurück laufen mussten wie am Vortag. Das war echt ein Gottesgeschenk an diesem Tag!:D Den Rest der Zeit nutzten wir dann um noch ein kleines Mittagessen zu haben, bevor wir dann gegen halb 5 in den Bus einstiegen und wieder nach AGS fuhren.

Letztes Mittagessen in Leon
Ein weiteres supertolles Wochenende war also schon wieder Geschichte. Ich hatte wieder einiges erlebt und einige Geschichten im Gepäck, die euch mal in Ruhe erzählen kann. Das Festival Internacional del Globo Mundo war auf jeden Fall seine Reise wert und ein gelunger Abschluss einer weiteren tollen Woche hier.

So, das war also meine insgesamt 5. Woche hier in AGS. Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und verzeiht mir all die kleinen Rechtschreib- und Grammatikfehler die ich ab und zu mache.
Ach ja was ich euch noch sagen wollte: Falls jemand Lust hat mich hier in Mexiko zu besuchen, dann ist er oder sie herzlich eingeladen. Ich würde mich über euren Besuch wirklich sehr freuen! Nutzt die Gelegenheit und kommt in dieses faszinierende Land. Ganz so schnell wird sich so eine Möglichkeit nicht wieder anbieten. Also, überlegt es euch. Auch wenn es teuer ist, die Reise ist es auf jeden Fall wert.

Also vielleicht bis ganz bald und liebe Grüße ans kalte Deutschland. Ich denk an euch!!


Euer Pascal